Gedicht zum 70. Geburtstag – eine Hommage an die Lebensreise

    Winterliche Szene mit Menschen auf einem zugefrorenen See vor der Münchner Blutenburg bei Sonnenuntergang

    Vorgestern bin ich siebzig geworden.
    Eine Zahl, die nicht laut daherkommt, sondern Gewicht hat.
    Nicht als Last – eher als Dichte. Als Sammlung von Jahren, Erfahrungen, Umwegen und Einsichten.

    Über viele Jahre hinweg habe ich im Freundeskreis Gedichte zu runden Geburtstagen geschrieben.
    Sie waren gedacht als kleine Wegmarken: humorvoll, ehrlich, manchmal auch ein wenig tröstend.
    Und plötzlich passt es auch für mich!

    Es ist gut. Vieles muss man nicht mehr erklären. Vieles aber hat sich inzwischen erklärt und sogar ge-klärt.


    Siebzig werden – ein Innehalten zwischen Rückblick, aber auch Weitblick

    Wenn jemand siebzig wird, dann hat sich Leben angesammelt.
    Jahre voller Tatendrang, Jahre voller Fragen, Jahre, die getragen haben – und solche, die schwer waren. Ja, auch bei mir war alles da. Viel Schönes, viel Schwieriges, manche Brüche. Und dann: Anlass zu viel Dankbarkeit.

    Und meine wichtigste Erkenntnis:

    Wenn ich so alt werde, wie meine Eltern, dann lebe ich noch 25 Jahre. Oh, da hätte ich noch Pläne! Ich freu mich drauf.


    Gedicht zum 70. Geburtstag

    Dieses Gedicht habe ich für runde Geburtstage im Freundeskreis geschrieben.
    Heute stelle ich es hier ein – unverändert.
    Zum Anhören steht es auch auf YouTube.

    Passt es auch für deine Freunde? Eltern, Onkel, Tante?

    Hommage an die Lebensreise

    Wenn von uns eine*r siebzig wird,
    dann hat man was erlebt.
    So manches aus manchem Jahrzehnt
    uns noch im Hirne klebt.

    So manches Jahr war Freude pur:
    Erfolg, Karriere, Geld.
    Ein Partner und ein Kind dazu,
    man fühlte sich als Held.

    So manches Jahr war g’scheit was los!
    Viel Hektik und Geschrei!
    Routine hätt man sich gewünscht –
    aber: null Chance dem Einheitsbrei.

    So manches Jahr vergessen macht’,
    dass Leben schön sein kann.
    Da hing man in der Hoffnung fest:
    ’s wird wieder, irgendwann.

    Nach manchem Jahr man erst versteht,
    wenn’s tiefer nimmer geht,
    dass Glück doch dann erst kommen kann,
    wenn man kräftig dran dreht.

    So vieles bleibt, was unklar ist,
    Weshalb, wieso, warum?
    Erst wenn man schließlich siebzig ist,
    Kümm-ert man sich darum.

    Wer bin ich, fragt sich jeder Mensch,
    kaum einer findt’s heraus.
    Bei manchem aber spürt man schon:
    Mit achtzig hat er ’s raus!

    Irmgard Rosina Bauer

    Hör es dir auch auf YouTube an oder gratuliere damit auch deinen 70-jährigen Eltern, Onkels, Tanten, Freunden.


    Was sich mit siebzig verändert

    Siebzig ist kein Abschluss.
    Es ist ein Punkt, an dem man innehält und sagt:
    So war mein Weg – und so gehe ich weiter.

    Autorin Irmgard Rosina Bauer im Winter – Porträt zum Gedicht zum 70. Geburtstag

    Und so vieles will ich immer noch machen, tun, erreichen – ja, das Leben ist längst nicht zu Ende!


    Gedanken, die bleiben dürfen

    Manche Texte begleiten länger.
    Sie tauchen wieder auf – beim Lesen, beim Vorlesen, beim Wiedererkennen.

    Aus solchen Gedichten entstehen bei mir später Audios oder kleine Sammlungen –
    für ruhige Momente, für unterwegs, für Menschen, die gern mit Worten gehen.

    (Mehr dazu findest du in der Rubrik „Poesie & Reime“.)

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