Kategorie: Familie & Generationen

Geschichten über Familie, Herkunft und Verbundenheit über Generationen hinweg. Muttersein, erwachsene Kinder, alte Eltern, Enkel, Erinnerungen und das Weitergeben von Lebenserfahrung.

  • Partnerwahl unbewusst geprägt? Eine Geschichte

    Viele Menschen fragen sich, warum ihre Partnerwahl unbewusst geprägt ist – und ob frühe Bilder aus der Kindheit dabei eine Rolle spielen.

    Kurzgeschichte · Lesung auf YouTube

    Manche Bilder begleiten uns länger, als wir ahnen.
    Diese Geschichte erzählt von einem Werbeschild auf einem Gästeklo –
    und davon, wie früh sich unsere Sehnsucht formt, ohne dass wir es merken.

    Vielleicht hast du dich selbst schon gefragt, warum dich bestimmte Menschen immer wieder anziehen. Ob es Zufall ist – oder ob etwas in uns längst eine Richtung vorgibt.

    Märchenhafte Frau im blauen Prinzessinnenkleid mit Zauberstab im verwunschenen Wald – Symbolbild für Märchen, Illusion und Werbeversprechen in „Lisa und das Werbeblech“.
    Märchenhafter junger Mann im blauen Gewand mit rotem Umhang hält einen leuchtenden Kristall im verwunschenen Wald – Symbol für Verführung, Macht und Werbeillusion in „Lisa und das Werbeblech“.

    Warum unsere Partnerwahl unbewusst geprägt ist

    Wir glauben gern, wir würden frei wählen. Rational. Erwachsen. Und doch wirken Bilder, Stimmungen und frühe Eindrücke oft leiser, aber nachhaltiger als jede bewusste Entscheidung.

    Diese Kurzgeschichte nähert sich dem Thema nicht erklärend, sondern erzählend – über ein Bild, das blieb.

    🎧 Die Geschichte als Hörfassung

    „Lisa und das Werbeblech“ gibt es auch als Lesung auf meinem YouTube-Kanal. Beim Zuhören entstehen oft neue Verbindungen – zwischen Text, Erinnerung und eigener Erfahrung.

    👉 Hörfassung auf YouTube: https://youtu.be/UimHhLtY2L8?si=ylarnV4we3P9h2gP

    📖 Der Text: „Lisa und das Werbeblech“

    Hinweis: Der folgende Text ist eine literarische Kurzgeschichte. Lies sie – oder hör sie dir an.

    Originaltext

    © Irmgard Rosina Bauer

    Lisa und das Werbeblech

    Wenn man bei uns im Försterweg auf dem Gästeklo saß, konnte man sich mangels anderer Ablenkung eingehend mit dem Werbeblechschild an der Stirnwand beschäftigen. Werner hatte es von einem Spirituosenhändler geschenkt bekommen. An dieser Wand im Haus war noch Platz, und dort also hängten wir es auf. Das Blechbild hatte DIN-A2-Größe und zeigte einen Schnappschuss: Meer, weit und breit nur stürmisches Meer, Seenot, man ahnte die zerbrochenen Schiffsplanken ringsherum. Mitten in tobenden Wellen ein Männerkopf, der gerade nach Luft japsend aus dem Wasser auftauchte. Er müsste verzweifelt sein, ist es aber nicht: In seinen Augen sprühen Freudenfunken, denn, siehe da, nur wenig von ihm entfernt schwimmt die typisch grüne, typisch kugelrunde Flasche »ABC« Kräuterlikör. Die Werbebotschaft war eindeutig: ABC, du bist meine Rettung!

    Der Kopf des Mannes, der vorm Schiffbruch gerettet wurde, war schmal, fast hager, die nassen Haare ans Gesicht geklatscht, sein Bart tropfte. Die dunkelgrauen Augen blickten klar und lebhaft unter hoher Stirn und gewölbten Augenbrauen aus dem tosenden Meer.

    Manche Bilder prägen uns, ohne dass wir es merken.

    Bei einem der Umzüge in den folgenden Jahren beschloss ich, das Werbeblech fände keinen Platz mehr im neuen Haus, und es wurde entsorgt. Das Bild aber …

    Die Erde lief seither viele Male um die Sonne. Tschernobyl und der Golfkrieg beunruhigten die Menschen, der Fall der Berliner Mauer und die Wende in den Oststaaten veränderten das Weltbild, Millennium und die Weltwirtschaftskrise machten viel von sich reden, Saddam Hussein und Osama Bin Laden verließen diese Welt, die Abiture der Kinder sowie Ehekrisen beschäftigten die Familie, mehrere Geburtstage nullten sich und die Phase wechselnder Partner unserer Kinder ging über in die Phase fester Beziehungen. Meine erwachsenen Kinder begannen schon in Nostalgie zu schwelgen, und mir wurden erste Enkel geboren.

    Die Zeit vergeht – Bilder bleiben.

    An verregneten Sonntagen traf sich die Großfamilie manchmal zu Diashows. Mit Kinder- und Familienfotos von früher.

    »Oh, war das damals schön, als wir noch Kinder waren und im Försterweg wohnten!«

    An jenem Sonntag waren nur Lisa und ihre Brüder Markus und Benjamin anwesend, alle drei ohne Partner. Der knusprige Sonntags-Schweinsbraten war soeben mit viel Oh! und Hm! und Fein! und ebenso vielen Semmelknödeln verschlungen worden, die Küche war wieder sauber und auf der Leinwand erschienen schon Kinderbilder aus eben jener Försterweg-Zeit.

    Dann wurde es plötzlich still.

    Das Dia zeigte die etwa achtjährige Lisa, die sich auf dem Gästeklo neben dem ABC-Werbeblech positioniert hatte und fröhlich in die Kamera winkte.

    »Der sieht doch aus wie Tommy!«, brach es da aus Markus heraus.

    Wieder Stille.

    Ja, die Ähnlichkeit zu Tommy war nicht zu übersehen.

    »Ich hab mich nicht getraut, das zu sagen«, grinste Benjamin.

    »Das gibt’s doch nicht! Lisa hat sich den Mann vom Werbeblech geangelt!«

    Vielleicht suchen wir unser Leben lang ein Bild.

    Sie ist nun schon seit drei Jahren mit Tommy zusammen. Ein Enkel ist unterwegs.

    Vielleicht sollte ich Tommy, unserem Märchenprinzen, mal eine Flasche ABC-Kräuterlikör mitbringen!

    Nachdenkliches Mädchen im schlichten Pullover blickt ernst in die Kamera – Symbolbild für Kindheit, Prägung und frühe Werbewirkung im Blog „Lisa und das Werbeblech“.

    Partnerwahl: Zufall oder frühe Prägung?

    Diese Geschichte beantwortet nichts endgültig. Aber sie zeigt, wie tief frühe Bilder wirken können – manchmal ein Leben lang.

    Weiterlesen im Themenraum

    Passende Texte findest du hier: Familie & Generationen · Arbeit, Wandel & Sinn


    Einige dieser Geschichten gibt es auch als Hörfassungen und Sammlungen – für Menschen, die lieber zuhören als erklären.

  • Motters Knoblauchwurst – Wie ein siebenbürgisches Familienrezept Generationen verbindet

    Motters Knoblauchwurst – Wie ein siebenbürgisches Familienrezept Generationen verbindet

    Vielen Dank an die Siebenbürgische Zeitung, die diese Geschichte veröffentlicht hat.

    Wenn Weihnachten nach Knoblauch, warmem Schmalz und gemeinsamer Tradition duftet, dann liegt das selten am Festtagsbraten – sondern an einem Rezept, das weit mehr ist als Essen: Motters Knoblauchwurst.

    Die Siebenbürgische Zeitung hat meine Geschichte darüber veröffentlicht, wie ein altes Familienrezept Heimat, Herkunft und Erinnerungen lebendig hält. Und warum Knoblauchwurst für meine Familie ein unerschütterliches Stück Identität wurde.

    Eine Tradition aus Siebenbürgen – erzählt in einer persönlichen Weihnachtsgeschichte.

    Hier ist die vollständige Geschichte aus meinem Weihnachtsprojekt:

    Motters Knoblauchwurst — Rezepte überleben Kriege

    Modernes Siebenbürgen-Wappen mit stilisiertem roten Hoftor-Motiv, Sonne, Mond und gelbem Hügel. Eigentum der Autorin Irmgard Rosina Bauer

    Ein Weihnachtsrezept, das Kriege und Grenzen überlebt hat

    Zeitungsausschnitt der Siebenbürgischen Zeitung mit dem Artikel ‚Motters Knoblauchwurst – Rezepte überleben Kriege‘, darüber ein Schriftzug: ‚Siebenbürgische Zeitung berichtet über meine Lebensgeschichten.
    Motters Knoblauchwurst — Rezepte überleben Kriege
    Irmgard Rosina Bauer
    
    Sie hatte die Tradition aus ihrer Heimat Siebenbürgens mitgebracht, jenem Landstrich im Südosten Europas, der nach Knoblauch roch wie andere Orte nach Heu oder Sommerregen. Knoblauch wuchs dort in rauen Mengen und wurde nicht sparsam, sondern mit Überzeugung gegessen: roh zum Schmalzbrot, zu gekochten Kartoffeln – in etwas Salz getaucht, beißend scharf, tränentreibend und trotzdem ein Genuss, der zum Alltag gehörte. Gesund? Darüber dachte niemand nach. Man aß so. Man lebte so. Man blieb dabei erstaunlich robust. Und schließlich half er ja, das wissen wir, auch gegen Dracula, der in derselben Gegend sein Unwesen trieb. Ja, Siebenbürgen ist Transsilvanien.
    
    In den ersten Jahren in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg schien Knoblauch fast so selten wie Hoffnung. Er wuchs hier nicht wie in der Heimat — also ließ sie sich von Besuchern von dort Knoblauch mitbringen. Heiligabend ohne Knoblauchwurst? Undenkbar. Für sie war sie kein Essen — sie war Heimat auf dem Teller.
    
    Als Metzgereien später nach und nach verschwanden, ließ Motter sich nicht beirren. Sie kaufte das Fleisch roh, mischte es mit geräuchertem Speck, Wasser, Salz — und so viel Knoblauch, dass der Duft tagelang im Haus stand. Alles kam in die große weiße Emailschüssel, der heilige Kelch ihrer Küche, und wurde wie Hefeteig geknetet. Dann durch den alten Fleischwolf gedreht, dessen Holzkurbel längst glattpoliert war. Und hier trat Vuater auf den Plan: Er hatte den Endlosdarm schon auf die Wurstdüse geschoben, empfing den Fleischstrom, führte ihn vorsichtig wie ein Kapitän sein Schiff, damit keine Luftlöcher entstanden und nichts platzte. Meter um Meter wuchs die Wurst — eine fleischrote, glänzende Schlange, dick wie drei Finger, lang wie ein Festtagsversprechen.
    
    Fürs Räuchern fand Motter immer jemanden. Ein Metzger, ein Nachbar, ein Freund — irgendwer half. Gegen eine kleine Gebühr hingen die Wurststränge in der Räucherkammer, bis sie diesen goldenen Duft annahmen, der nur eines bedeutete: Weihnachten kommt.
    Dann kam der Moment, der in meinem Gedächtnis glüht wie eine Kerze im Advent: Der Backofen öffnete sich, eine Wolke aus Knoblauch und knusprigem Schweinefleisch stieg heraus, würzig, warm, unwiderstehlich. Schweinefleischwürfel brutzelten in der Reine, das Fett spritzte leise — für mich ist das noch heute der Duft, an dem ich Weihnachten erkenne.
    Dazu gab es Palukes — Maispolenta, die Motter auch nach Deutschland hinübergerettet hatte, lange bevor sie hier bekannt war. Der dicke Maisbrei wurde – klatsch – auf ein Holzbrett gestürzt, mit Bindfaden in Portionen geschnitten wie ein Kuchen. Wir setzten uns, schnitten uns Wurststücke aus der Reine je nach Hunger und Magengröße ab, spießten Polenta auf die Gabel und tunkten sie in das heiße Fett, das wie flüssiges Gold in der Mitte des Tisches schimmerte.
    Schmatzen war erlaubt. Vielleicht sogar Pflicht.
    
    Zur Verdauung gab es Salzkraut — und dieses Kraut war eine Welt für sich. Jeden Oktober fuhr sie in den berühmten Krautort neben unserem Wohnort, wo Köpfe wuchsen, die beinahe zehn Kilo wogen. Mit dem armlangen Hobel hobelte sie, sie salzte, stampfte, füllte Gläser so groß wie Bierfässer, legte Dill und Bohnenkraut darauf und ließ alles im Keller vor sich hin fermentieren. In manchen Jahren musste alles schneller gehen — dann standen die Gläser bei der Heizung, und wir Kinder flohen vor dem aufdringlichen Gargeruch, während sie nur sagte: „Das muss so sein!“
    Und ja — wenn man dann eine Schüssel von dem Kraut holen sollte, musste man die dicke schützende Schimmelschicht abheben. „Das gehört dazu“, sagte sie nur. Und seltsam – sobald der erste Bissen auf der Zunge lag, war aller Ekel vergessen. Ich aß, als gäbe es keinen Morgen, dieses Kraut war der Inbegriff von Vorweihnachtsfreude.
    
    So sah also Weihnachten bei uns aus: Knoblauchwurst, knusprig ausgebratene Fleischwürfel im heißen Fett, Palukes, Salzkraut. Ein Festmahl, fett wie das Leben, unbegreiflich wie Heimat, heiß wie Kinderliebe.
    
    Heute, Jahrzehnte später. Dezember, frühe Dunkelheit. Meine Schwiegertochter kommt zu Besuch, aus ihrem Wohnort in Zypern — Sonne im Gepäck, aber Weihnachten im Herzen.
    „Ich habe Dominik schon vor Jahren einen Fleischwolf gekauft“, sagt sie. Damit Motters Enkel die Tradition weiterführen kann. Darm zu finden sei ein Abenteuer, Speck werde sparsamer genutzt — aber der Geist der Wurst lebe. „Ohne Knoblauchwurst kein Heiligabend“, sagt sie, „und sogar unsere Kinder sehen das so!“
    
    Die Tradition wandert weiter. Markus, Motters weiterer Enkel, wurstet heute in München. Neue Varianten, mal mit Rosmarin, mit Oregano, mal mit weniger Knoblauch, mal mit gar keinem, und mal auf dem Wintergrill ausprobiert. Und dann kehrte er doch zu Motters Original zurück. Und ihre Krautfässer stehen nun bei ihm und beduften einen Keller mitten in der Stadt.
    
    Motter liegt heute in jener Erde neben dem Krautort, der ihre Erinnerungen so sehr gestützt hatte. Riesengroße Krautköpfe gelten heute nicht mehr als rentabel, die Zeit ist darüber weggegangen.
    Doch wenn Markus an Weihnachten die Wurst schneidet, wenn das Fett zischt, wenn der Knoblauch duftet, dann sitzt Motter mit am Tisch. Und wir wissen: Dracula ist wirklich tot, aber Siebenbürgens Tradition lebt in uns Nachfahren weiter. 
    

    Warum diese Geschichte Lebendigkeit versprüht

    Familienrezepte sind gelebte Kultur. Sie überdauern Flucht, Umzüge, Modernisierung und Modewellen.
    Meine Erzählung zeigt, wie Traditionen weitergegeben werden – von Motter über ihre Kinder, Enkel und Urenkel bis heute.
    Gerade in der Weihnachtszeit suchen viele Menschen nach Ritualen, die Halt geben. Familienrezepte sind gelebte Kultur. Sie überdauern Flucht, Umzüge, Modernisierung und Modewellen.
    Meine Erzählung zeigt, wie Traditionen weitergegeben werden – von Motter über ihre Kinder, Enkel und Urenkel bis heute.
    Gerade in der Weihnachtszeit suchen viele Menschen nach Ritualen, die Halt geben. Genau hier berührt diese Geschichte. Du kannst sie dir auch in YouTube anhören, da ist sie Teil meiner 55 Kurzgeschichten – jede Woche gibt es eine neue.

    Farbiges Wappen mit stilisierten roten Hoftoren auf blau-gelbem Hintergrund, Sonne und Mond.

    Mehr aus meinem kreativen Weihnachtsprojekt

    Nach dieser Veröffentlichung arbeite ich weiter an:

    🎄 Dem „TORheiten-Kalender 2026“

    Auch darüber hat die Siebenbürgische Zeitung berichtet. (Hier kannst du ihn lesen.)
    Hoftor-Fotos mit humorvollen Zweizeiler aus Hermannstadt – ein Stück Kulturerbe, ein Stück Heimat, ein Stück Lächeln. Im Vintage-Design. Du kannst sie hier erwerben.
    Zwei Kalender sind bereits fertig (schau hier!), und weitere Hof-TORheiten-Produkte sind im Entstehen. Schau öfter mal vorbei, um nichts Neues zu verpassen.

    📘 Dem Weihnachts-Buch „Weihnachten rustikal“

    Das Weihnachtsbooklet „Alle Jahre wieder. Bedenkliche Weihnachtszeit“ ist schon fertig, im hübschen Design mit 14 Gedichten zu Advent, Nikolaus, Weihnachten, Winter. Du kannst es dir schon hier holen. In dem neu entstehenden Weihnachtsbuch „Weihnachten rustikal“ bekommst du für nächstes Jahr auch noch neue Weihnachtsgeschichten wie Motters Knoblauchwurst.

    Hier erfährst du mehr zu den wundervollen „TORheiten aus Hermannstadt“, und warum spielerischer Humor dabei eine Rolle spielen muss.

    TORheiten-Kalender 2026 von Irmgard Rosina Bauer mit humorvollen Hoftoren aus Hermannstadt – Titelblatt und Januar-Seite mit Zweizeiler „Mein Zweizeiler soll’s Hoftor ehren – der Sinn braucht dich nicht immer scheren.“

    Warum Humor im Alltag so wichtig ist

    Unsere TORheiten sind kleine Kunstwerke, die dein Zuhause verschönern und dabei Kopfschmerzen durch ein Lächeln vertreiben. Sie erinnern dich daran, das Leben manchmal mit einem Augenzwinkern zu sehen – und das macht vieles leichter. Dadurch sind sie auch ein ideales Geschenk!

    Jetzt den TORheiten-Kalender entdecken und Freude ins Zuhause holen!

    53 Fotos mit Versen als Kalender

    Wir haben die Fotos nachbearbeitet, die Verse zugeordnet, und im Lauf eines Jahres ist ein Kalender entstanden, voller witziger TORheiten, die die besondere Geschichte der Siebenbürger Sachsen in der Hoftor-Metapher transportiert. Manchmal möchten sie weinen. Und dann aber doch lieber lachen.




    Hier kannst du diese 50 Tore als Poster erhalten.


    Die TORheiten hören

    TORheiten auf YouTube

    Wer mag, kann mir beim Sprechen meiner TORheiten zuhören.
    🎧 In diesem YouTube-Video mit 11 Tagessprüchen und
    🎥 in der längeren Version mit 33 TORheiten nehme ich euch mit auf eine kleine literarische Reise.

    Zum Kalender

    TORheiten aus Hermannstadt

    Der Kalender „TORheiten aus Hermannstadt“ ist für alle, die gern schmunzeln, nachdenken und sich ein Stück poetischen Alltags an die Wand holen möchten.
    Es gibt ihn als Print-Version mit Spiralbindung – und für alle Digitalfreunde als PDF.

    Hier geht’s zur Kalendershow mit vier Variationen zur Auswahl: https://irmgardrosina.de/siebenbuergen-kalender-2026/

    Und hier siehst du einfach mal drei Kalenderblätter als Beispiele.

    Vielleicht gehst du nächstes Mal mit einem Schmunzeln durch die Stadt und findest deine eigenen TORheiten?

    Ich wünsche dir ein Jahr voller offener Türen und heiterer TORheiten.

    💌 Lass mir gern einen Kommentar da, welche deine LieblingsTORheit ist?

    Hole dir als neuer Leser eine gratis Kurzgeschichte als Geschenk zum Download.

  • In Törnen ist es Herbst – eine Erzählung zur Identitätssuche über drei Generationen

    In Törnen ist es Herbst – eine Erzählung zur Identitätssuche über drei Generationen

    Aktuell begleite ich dich neben meinem Kalenderprojekt „TORheiten aus Hermannstadt“ mit meiner Kurzgeschichten-Reihe, die ich in den letzten Wochen als Videos auf YouTube veröffentlicht habe. Als in München aufgewachsene Tochter siebenbürgischer Eltern – einer echten bayrischen Siebenbürgerin – schreibe ich aus persönlicher Perspektive.

    Die Geschichte „In Törnen ist es Herbst“ erzählt von einer Reise durch Vergangenheit, Erinnerung und der Suche nach Identität über drei Generationen hinweg.
    Hör dir hier Teil 1/2 an.
    Hör dir hier Teil 2/2 an.

    Kurzgeschichte „In Törnen ist es Herbst“ – Mehr als ein Blick in die Vergangenheit

    Drei Generationen und die Suche nach Identität

    Drei Generationen einer Familie setzen sich auf bewegende Weise mit ihrer Herkunft auseinander. Die Geschichte spielt in Siebenbürgen, im fernen Südosteuropa, und spürt der Frage nach, was Identität heute bedeutet – gerade aus der Sicht von Menschen, die weit entfernt von ihrer ursprünglichen Heimat leben.

    Wie meine bayrisch-siebenbürgische Perspektive die Geschichte prägt

    Als Tochter siebenbürgischer Eltern, die in München geboren ist, erlebe ich die Suche nach der eigenen Geschichte und Identität sehr persönlich. Meine Erzählungen verbinden bayrischen Humor mit dem tiefen Gefühl einer kulturellen Heimat, die sich manchmal nur in Erinnerungen zeigt.

    Dies sagt dazu K. und K. Mooser aus Aschaffenburg:
    Sehr geehrte Frau Bauer, meine Frau, die ebenfalls aus Törnen stammt, und ich haben gespannt ihre Kurzgeschichte gehört und wollten mal fragen wann und wo man die Fortsetzung anhören kann. Mit freundlichen Grüßen K. Mooser
    Zu Teil 2:
    Meine Frau und ich haben gestern den zweiten Teil angeschaut, der sehr gelungen ist, nochmals danke!




    Hier kannst du diese 50 Tore als Poster erhalten.


    Kalender „TORheiten aus Hermannstadt“ – Humor trifft Siebenbürgische Tore

    53-Wochen- oder 12-Monatskalender – Für jeden Geschmack das richtige Format

    Mein Kalenderprojekt zeigt 53 oder wahlweise 12 einzigartige Hoftore aus Hermannstadt. Jedes Kalenderblatt ist ein Foto eines echten Tores, begleitet von einem kurzen, gereimten Spruch. Diese „TORheiten“ sind selten tiefsinnig, aber immer humorvoll und laden zum Schmunzeln ein.

    Witzige Sprüche und echte Hoftore zum Schmunzeln

    Die Sprüche greifen auf charmante Weise Charaktereigenschaften der Tore auf – mal frech, mal nachdenklich. So wird jeder Tag mit einem Augenzwinkern begleitet, und du kannst die besondere Atmosphäre Siebenbürgens ins Jahr 2026 mitnehmen.

    Hier findest du die Übersicht zu meinen Kalendern „TORheiten aus Hermannstadt“: 

    TOR-heiten Kalender 2026 – Humorvolle Hoftore aus Hermannstadt mit frechen Zweizeilern

    YouTube- und Podcast-Projekt – Siebenbürgen erleben durch Geschichten

    Tägliche Kalendersprüche als Video

    Neben dem Kalender veröffentliche ich täglich kurze YouTube-Shorts mit den Kalendersprüchen, um die Tore auch digital lebendig zu machen. So kommst du ganz leicht in den Genuss der TORheiten, egal wo du bist.

    Entdecke meine Kurzgeschichtenreihe auf YouTube und Spotify

    Wenn es dich interessiert: Hier findest du meine weiteren Gedichte und Kurzgeschichten auf YouTube.

    Und hier siehst du einfach mal drei Kalenderblätter. Wenn du den besonderen Zauber Siebenbürgens erleben möchtest – zwischen Humor und Tiefgang, Vergangenheit und Gegenwart –, dann lohnt sich ein Blick in meinen Kalender und meine Geschichten als Beispiele.

    Vielleicht gehst du nächstes Mal mit einem Schmunzeln durch die Stadt und findest deine eigenen TORheiten?

    Ich wünsche dir ein Jahr voller offener Türen und heiterer TORheiten.

    💌 Lass mir gern einen Kommentar da, welche deine LieblingsTORheit ist?

    Hole dir als neuer Leser eine gratis Kurzgeschichte als Geschenk zum Download.

  • Unsere Jeans

    Unsere Jeans


    Eine Kurzgeschichte über Rebellion, Freiheit und die 70er-Jahre

    Was haben enge Jeans, schmutzige Hosenbeine und rebellische Töchter gemeinsam?
    Diese literarische Kurzgeschichte blickt zurück auf ein halbes Jahrhundert, in dem Mode mehr war als Kleidung: ein Statement gegen Spießigkeit, gegen alte Strukturen – und für das Lebensgefühl einer ganzen Generation.

    Lass dich hineinziehen in ein Tischgespräch voller Erinnerungen, Witz, Selbstironie – und einer jungen Frau, die sich fragt:
    Was war denn an „euren Jeans“ so besonders?


    Als Lesegenuss, so richtig mit Text: Weiter unten
    Als YouTube-Video, eingelesen von der Autorin Irmgard Rosina: Hier

    Unsere Jeans

    Der Lesegenuss dauert 5 – 7 Minuten

    (von Irmgard Rosina Bauer)

    Wir saßen in derselben Konstellation am Tisch wie damals von der zehnten bis zur dreizehnten Klasse, in jenen Tagen aber noch in Schulbankreihen: Conny neben Marion, Christiane neben mir, dann Witha – neben Witha fehlte leider schon Annette. Sie war vor sieben Jahren an Lungenkrebs gestorben. Ihre Stelle nahm an diesem Tag Amelie ein, 26 Jahre jung und Withas Tochter.

    »Hattet ihr keine Leistungskurse?«, fragte Amelie.

    »Wir waren der letzte Abi-Jahrgang in Bayern, wo das alte Klassensystem noch zugelassen war. Das ist jetzt genau vierzig Jahre her«, antwortete ihr Christiane, ehemals Mathelehrerin an einem Münchner Gymnasium, jetzt im Vorruhestand. Amüsiert musterte sie die junge Amelie – sie trug an beiden Augenbrauen ein Piercing, und ihr rechter Arm war bis über die Fingerspitzen mit Tattoos bedeckt.

    »Was wollt ihr jungen Leute damit eigentlich ausdrücken?«

    »Keine Ahnung, hab ich schon mit sechzehn machen lassen. Ist einfach cool.«

    »So ging es uns doch damals auch«, verteidigte sie Witha, die Mama. »Wisst ihr noch, unsere Jeans! Das war unser Symbol für Rebellion gegen die Alten.«

    »Jeans?«, fragte Amelie, »normale Jeans?«

    Als hätte sie in ein Hornissennest gestochen, antworteten wir vier alle auf einmal:

    »Unsere Jeans – die waren nicht normal!«

    »Die transportierten unsere Auflehnung gegen unsere Elterngeneration.«

    »Meine Jeans hatte ich Tag und Nacht an. Sie waren aus hartem, dunkelblauem Baumwollstoff, echtem Denim. Mit riesigem Schlag. Vernäht mit Doppelnaht, wisst ihr noch, von der keine irgendwo übernäht werden durfte, damit nur ja keine ›normale‹ Naht entstand, wie sie die Stoffhosen unserer Eltern aufwiesen.« Das war Marion, mit einem genüsslichen Grinsen im Gesicht.

    »So eng waren die Jeans, dass wir uns rücklings aufs Bett legen mussten, damit wir, mit eingefallenem Bauch, zuerst den Reißverschluss und dann den Knopf schließen konnten.« Sie machte dazu eine qualvolle Bewegung Richtung Bauch.

    »Und hinsetzen konntest du dich darin eigentlich gar nicht, nur leicht beugen, danach half die Gravitationskraft«, lachte Conny, die als Doktor der Physik in der Forschungsabteilung bei BMW gelandet war.

    »So mussten sie sein, so eng. Nur dann waren es echte Jeans, die das transportierten, was wir suchten: Freiheitsgefühl.«

    »Schönes Freiheitsgefühl, so eingezwängt«, lachte Amelie.

    »Ja, aber unseren Eltern gegenüber war das etwas Ungeheuerliches. Die fanden das furchtbar. Hosen, die nur bis zur Hüfte gingen und so eng waren, dass sie Hintern und die Oberschenkel auf unerhörte Weise zur Schau stellten.«

    »Meine Mutter wollte mich mit Vernunft überzeugen: Das schnürt die Geschlechtsteile ein und beeinträchtigt die Fruchtbarkeit,« sagte sie. »Dann brauch ich die Pille nicht mehr nehmen«, antwortete ich. Und meine Mutter wurde noch zorniger. ›Was, du nimmst diese Pille?!‹«

    Hämisches Lachen am Tisch. Und als Amelie verständnislos dreinsah, ergänzte Marion, die als freie Pharmareferentin arbeitete:

    »Es war erst wenige Jahre her gewesen, dass man die Antibaby-Pille – und nur mit gesundheitlicher Begründung – vom Arzt verschrieben bekam. Sie war noch ziemlich neu auf dem Pharmamarkt und noch nicht ausreichend erforscht, geschweige denn, dass genügend Testrunden gelaufen waren. Trotzdem aber sehr begehrt. Aber in der Bevölkerung galt sie noch als unsittliches Teufelszeug.«

    »Ich möcht gar nicht daran denken, wie lange wir unsere Jeans getragen und nicht gewaschen haben!«, erinnerte sich Christiane.

    »Stimmt! Wie eklig wir waren! Damals hab ich mich regelmäßig mit meiner Mutter angelegt, weil sie ständig meine Jeans waschen wollte. Mit ihrer schönen neuen Wirtschaftswunder-Waschmaschine. Ich hab meine Jeans jeden Abend vor ihrem Zugriff versteckt.«

    »Ja, wie eklig wir waren!«, rief Witha aus, dabei aber voller Begeisterung. »Mindestens drei oder vier Monate hab ich sie jeden Tag auf der Haut getragen, überallhin, von morgens bis abends, am liebsten noch nachts. Und noch kräftig die Hände an den Schenkeln abgerieben, dass sie noch speckiger wurden.«

    »Ja, so richtig speckig mussten sie sein.«

    »Wenn du sie ausgezogen hast, mussten sie wie zur Salzsäule erstarrt stehen bleiben, dann erst waren sie authentisch.«

    Gekicher am Tisch.

    Und dann nochmal Marion. Sie schüttelte sich.

    »Wie grauslich wir damals waren! Diese Jeans müssen ja gestunken haben, überall wo wir waren, und im Klassenzimmer erst!«

    »Das war eben der Duft eurer Generation«, amüsierte sich nun Amelie ihrerseits.

    »Immerhin wechselten wir täglich unsere Slips. Das war bei unseren Eltern noch lange nicht üblich gewesen!«

    Das Thema »Jeans« war unerschöpflich für uns. Immer mehr fiel uns dazu ein. Dass wir auf Fotos gesehen hatten, wie jugendliche Menschen, nicht viel älter als wir, sich zur Sonntagsfreizeit mit anderen jungen Leuten im Park trafen – aber alle ordentlich in Anzug, Hemd und Krawatte. Dass wir damals von unseren Jeans immer im Plural sprachen – im korrekten Englisch. Auch das unterschied uns von unserer Elterngeneration: Die hatte noch keinen Englischunterricht in der Schule. Und weiter, dass heute Jeans im …

    Dann wieder Conny: »Mein Vater konnte das Wort gar nicht aussprechen. Tschinns sagte er immer, Tschinnshose.

    »Er selbst trug ja immer nur ›Stoffhose‹, mit Hosenträgern«, fuhr Conny fort.

    »Mein Vater genauso!«, entsann sich Christiane. »Ohne Hosenträger hätten seine Hosen niemals gehalten. Er hatte einen riesigen Bauch nach vorne zugelegt, dadurch kriegte seine Hose die Form eines rechtwinkligen Dreiecks. Der rechte Winkel an der Krümmung der Wirbelsäule, am Scheitelpunkt bei 90°. Die Hypotenuse führte vom Bauchnabel bis zur Ferse.« Sie fuhr mit dem Finger in der Luft ihre mündliche Beschreibung nach.

    Wir kicherten, ja, ja, die Mathe-Frau, hatten dabei aber deutlich das Bild unserer Väter vor Augen.

    »Die Hypotenuse durch exakte Bügelfalten deutlich erkennbar«, ergänzte sie.

    »O, meine Mutter war Expertin im Bügelfalten-Bügeln«, fiel Conny dazu ein.

    Das, so waren wir uns wieder einmal einig, das ging bei Jeans gar nicht! Gebügelt und mit Knickfalten vorne und hinten! Das widersprach allen Gesetzmäßigkeiten unseres Lebens! Darüber mussten wir uns hier und jetzt noch weiter auslassen.

    »Dabei gab es Leute der älteren Generation, die sich für fortschrittlich hielten und Jeans kauften. Aber nicht in Jeansläden, wie sie damals ganz neu aufkamen, wisst ihr noch, sondern im …« – und hier erhob sie Augenbrauen und Stimme für eine besonders abwertende Betonung – ›… Herren- und Damen-Oberbekleidungsgeschäft‹. Die waren an der Bügelfalte sorgfältig geknickt und mit Klapp-Hosenbügeln aufgehängt. Diese Leute bügelten die Falten immer wieder rein, wenn die Jeans sich über Beinen und Knien ausb…

    Amelie, die selbst im Hosenanzug zu unserem Treffen erschienen war und bisher immer wieder über unsere Begeisterung geschmunzelt hatte, schüttelte hier leicht entrüstet den Kopf.

    »Du musst wissen, dass uns wirklich daran lag, uns abzugrenzen von der Generation vor uns. Stoffhosen und Bügelfalten machten für uns den Inbegriff von Spießigkeit aus. Und die war für uns immer verbunden mit überkommenem rechtem Gedankengut.  Überbleibsel der Nazizeit, gegen die die 68er ein paar Jahre vor uns revoltiert haben. Weil die alten Nazis auch in der jungen Bundesrepublik schon wieder in allen Gremien saßen. Ich erinnere mich auch noch an die vielen Männer mit nur einem Bein, mit nur einem Arm…

    »Letztlich unterstützten wir mit unseren Jeans die kommunistische Arbeiterbewegung«, überlegte Witha laut. »Jeans waren ja ursprünglich Arbeiterhosen gewesen. Wer von uns war in den Siebzigern nicht links gesinnt! Bloß nicht so rechts wollten wir sein, wie unsere Eltern gewesen waren! Extrem, wie Jugend nun mal ist, drifteten wir ins exakt andere Lager.«

    »Und was ist noch übrig von unserer bewegten Zeit?« Ein unsicherer Blick von mir in die Runde. Witha wusste wenigstens eine Antwort.

    »Na ja, eine ganze Menge! Indem wir unsere Jeans in der Gesellschaft etablierten, leiteten wir schließlich die moderne Freizeitgesellschaft ein. Vielleicht muss unser Nachwuchs auch das heute wieder hinterfragen. So mancher junge Mensch sehnt sich inzwischen wieder nach der Ordnung, die wir damals so nachhaltig über den Haufen geworfen haben.«

    »O ja, mit Stoffhose und Bügelfalten am Sonntag zum Volleyballspielen in den Park, dazu hätt ich Bock«, lachte Amelie spitzbübisch. »Das wär mal wieder Ordnung, richtige Ordnung!«

    Hole dir als neuer Leser eine gratis Kurzgeschichte als Geschenk zum Download.

    ✍️ Wenn du magst:
    Teile mir in den Kommentaren mit, wie deine rebellische Phase aussah – ob in Jeans, Miniröcken oder ganz anders.

    Wer schreibt hier?

    Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.

    Mehr zu ihren Büchern gibt es hier.

  • Stringenter Hausputz

    Es gibt so viele Arbeitsmethoden, wie es Menschen gibt. Und doch ist die allseits als die beste gepriesene eben die:

    1. Man setze sich ein Fernziel: Haus sauber

    2. Man unterteile es in Grobziele: Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnzimmer sauber

    3. Man definiere die Feinziele und beginne also: Schlafzimmer Betten machen, Klamotten aufräumen, Nachttische und Spiegelschrank abwischen, Bilderrahmen und Zierrate abstauben, staubsaugen.

    Diese Methode ist gut durchdacht und wird, seit es Häuser gibt, von vielen Menschen praktiziert. Zugegeben, ich bewundere diese vielen Menschen ob ihrer Liebe zur Hausarbeit, doch was ist mit mir?

    Auch ich beginne um neun Uhr im Schlafzimmer. Ich werfe schmutzige Socken und Unterhosen in den Wäschekorb, ich verleihe den Bettdecken adrettes Aussehen, dann folgt die Entrümpelung, vor allem die meines Nachtkästchens: Das Tagebuch ohne den gestrigen Eintrag klappe ich zu und stecke es in die Schublade. Die Zeitschrift von der vorletzten Woche mit der ansprechenden Headline habe ich immer noch nicht gelesen, also liegenlassen. Soll ich das Buch mit dem reizvollen Titel «Frauen setzen sich neue Ziele» nicht langsam wieder ins Wohnzimmerregal stellen, bis ich wirklich Zeit habe, es dranzunehmen? Eigentlich interessiert es mich brennend. Was stand nochmal auf dem Buchumschlag? Frauen brauchen neue Prioritäten – ja, das sollte ich dringend lesen. Und du stehst da und staubst Schlafzimmerspiegel ab, während draußen in der Welt wichtige Erkenntnisse ohne dich veröffentlicht werden! Wenn nicht jetzt, wird das Buch noch acht Wochen da liegen, weil du abends zu müde bist.

    Ist ja unheimlich fesselnd, hier auf Seite siebenundachtzig! Ganz plötzlich schlägt der Kirchturm zwölf an. Mist. Um eins kommen die Kinder von der Schule heim. Ich hatte versprochen, ihnen an meinem geschäftsfreien Tag etwas Gutes zu kochen. Wobei … ihr Appetit nach der Schule ist eigentlich kritiklos. Nudeln, ja, Nudeln sind immer im Haus und machen satt. Und es reicht, wenn ich um halb eins das Wasser aufsetze.

    Hurtig das Buch weggelegt und die herumliegenden Klamotten in den Schrank geschoben, den Schreibsekretär zugeklappt, staubsaugen kann ich ja am Nachmittag noch. Das Bad schaffe ich gerade noch, die Armaturen, okay, die Fliesen werden doch bei jedem Duschen wieder kalkig, das reicht auch nächste Woche. Der Spiegel geht diesmal noch so, bleiben Waschbecken, Wanne und Klo, schnell noch mit dem nassen Handtuch den Boden – und bevor mir noch ein weiterer Reim einfallen kann, klingelt es an der Tür. Dominik, sechzehn, hatte früher aus.

    »Was gibt’s zu essen?«

    Mir wird kurz heiß. Hatte ich nicht versprochen, vorgehabt, die Verpflichtung – hey, das wäre ja noch schöner! Die Kinder meine Chefs? Die Liebe sei das herrschende Element! »Mein Lieber, ich habe mich überschätzt, könntest du mal das Nudelwasser aufsetzen?«

    Und Dominik lächelt verschmitzt: »Soso, du hast dich wieder mal überschätzt?«

    Die Teller vom Vorabend in der Küche stören Dominik überhaupt nicht. Mit Hingabe verfeinert er die Tomatensoße aus der Packung, Sahne, Butter und Kräuter gibt er rein, es duftet schon herrlich, sogar Zwiebeln hat er geschnitten und angedünstet, während ich nochmal in dem interessanten Buch – nun ja, als die drei anderen kurz nach eins hereinstürmen, duftet es herrlich, Dominik hat den Tisch gedeckt. »Erziehung gelungen!«, denke ich stolz, sogar einen knackigen Gurkensalat hat er hingehobelt. Dafür liest er schließlich nicht gerne und schlägt in Kochen und Lesen seinem Vater nach. Können ja nicht alle Menschen das Gleiche tun.

    »Aha, Mama war zu Hause, gibt’s wieder Nudeln!«, bemerkt Markus, dreizehn, ebenfalls verschmitzt, als er in den Topf schaut und ihn auf den Tisch holt, und Julia, zwölf, die als erste zu essen beginnt, sagt:

    »Wieso, Mamas Nudeln schmecken immer noch besser als die von Maggi!«

    Und bevor sich noch das kollektive Unbewusste gegen mich erheben kann, verspreche ich, mit ihnen allen am Nachmittag Eis essen zu gehen und das Staubsaugen auf den Abend zu verschieben.

    Diese Hausputzmethode bezeichnet man unter Könnern als kreativ. Ich akzeptiere durchaus, dass vielen Menschen der Reiz dieser Art zu arbeiten verborgen bleiben muss. Kann ja nicht jeder das Gleiche tun.

    Diese kurze Geschichte ist aus „Das Buch für alle Tage. Erlebtes. Erzähltes. Gereimtes.“

  • Wenn es klingelte

    „Dazugelerntes“

    Meine Eltern hatten ein Nebengebäude an das bestehende Siedlungshaus angebaut. Vielleicht konnte meine Mutter mit einem Wäscheannahmebetrieb den knappen Arbeiterlohn meines Vaters aufstocken, dachten sie.

    Ja, das Geschäft lief an, und wer aus der Familie sich gerade in der Küche oder sonst wo als nächster im Haus aufhielt, lief rüber zur Wäsche, so nannten wir es, wenn mit dem Eintreten von Kunden die automatische Türklingel für uns unüberhörbar ertönte. Trip Trap, Trip Trap, hieß es dann, hinübergelaufen und die Kunden bedienen, die ihre schmutzige Wäsche ablieferten oder sie sauber wieder abholten.

    Das Nebengebäude hatte zwei Zimmer, die mit dem bestehenden Haus, in dem wir wohnten, mit mehreren Durchgangszimmern verbunden waren. Also: Ins Wohnhaus kam man durch das Gartentürl und dann bei der Eingangstür herein. Man passierte den Gang, kam in die Küche, die eine Wohnküche mit Ess- und Arbeitstisch war. Darin spielte sich der Alltag in der Familie ab, darin hielt sich Mutter zur Hausarbeit, zum Kochen und mit dem häufigen spontanen Besuch von Freunden auf. Wenn man aus der Küche links abbog, gelangte man durch die abgehende Tür ins Wohnzimmer, in dem ich meine Hausaufgaben machte. Stracks durch dieses Zimmer hindurch lief man zu einer weiteren Tür, hinter der zwei Stufen hinabführten in das Schlafzimmer, das bereits im Nebengebäude lag. Hier hindurch, in derselben Flucht, kam man endlich in das letzte Zimmer in der Reihe, da war die Wäscheannahmestelle untergebracht, in die man als Kunde von rechts außen ein- und austrat.

    Kaum waren die Kunden mit einem Klingeln der Tür wieder hinaus, lief Mutter zurück: Von der Wäsche über Schlafzimmer, Wohnzimmer zur Küche oder über Gang und Eingangsbereich weiter hinaus in den Garten, wenn sie gerade dort zu tun hatte.

    Freilich war es oft auch meine Aufgabe, Mutter zu vertreten, wenn es in der Wäsche klingelte. Sehr oft, zu oft. So oft, dass ich später noch, als die Wäsche längst wieder aufgegeben war, von diesem Klingelton hässliche Träume hatte. Denn das Klingeln zerriss alle Muße, alle Konzentriertheit bei Hausaufgaben oder Lesen oder Spielen, das Klingeln war allgegenwärtig. Der Laden war schließlich Montag bis Freitag ganztägig geöffnet und am Samstag bis Mittag. Er funktionierte über sein Türklingeln.

    Später dann, als ich schon verheiratet war, Kinder hatte und mit meinem Mann zusammen ein Delikatessengeschäft führte, das etwa zehn Minuten zu Fuß von unserem Zuhause gelegen war – wie war ich da oft genervt vom Telefonklingeln bei uns zu Hause. Die damals allerneueste Telefontechnik erlaubte es, Telefonanrufe für den Laden an unser Heimtelefon weiterzuleiten, wenn Mittagspause war oder Abend oder Morgen oder wenn die Verkäuferinnen gerade zu viele Kunden zu bedienen hatten und nicht ans Telefon gehen konnten. Nach viermal Klingeln im Laden läutete es bei mir zu Hause. Der Service am Kunden verlangte, immer erreichbar zu sein.

    Wie oft hatte ich hektisch mittags um ein Uhr den Laden abgeschlossen, wenn ich Vormittagsdienst hatte, war nach Hause geeilt, um den Kindern, die aus Schule und Kindergarten nach Hause kamen, ein schnelles Mittagessen zu kochen, um dann, wenn die Verkäuferin ihren freien Tag hatte, am Nachmittag um halb drei den Laden wieder aufzusperren. Das war gerade so zu schaffen, mit Hin- und Rückweg.

    Doch wenn dann, während die schnelle Pastasoße auf dem Herd köchelte und die Nudeln abgegossen werden wollten und die Kinder sich gerade in den Haaren hatten oder ich gerade die Windeln des Jüngsten wechselte, wenn dann das Telefon klingelte und ein Kunde eine Bestellung aufgeben oder auch nur wissen wollte, wann wir am Nachmittag wieder öffneten, da fiel es mir sehr schwer, meine Stimme auf sachlich und freundlich umzustellen. Da wäre ich manchmal sehr gerne nicht hingegangen. Doch nein, das ging nicht. Das konnte ich nicht. Das durfte ich nicht. Klingeln hatte Vorrang vor allem Privaten. Da ging man hin. Nichts war wichtiger.

    Dagegen ist nichts einzuwenden. So war es eben.

    Was mich allerdings später, als wir den Laden nicht mehr in dieser Form betrieben, stutzig werden ließ, war ein Gedankenblitz der Erkenntnis.

    Warum nur hatte ich nicht die Kraft, das Telefon einfach klingeln zu lassen?

    Warum nur ließ ich keinen Anrufbeantworter installieren?

    Warum nur schaltete ich die Rufumleitung nicht einfach ab?

    Warum nur ließ ich mich derart nervtötend von unserem Telefon terrorisieren?

    Erst später wurde mir die Antwort klar:
    Weil das Telefonklingeln dem Klingelton in unserer Heißmangel ähnelte. Das Klingeln war als etwas »Dazugehöriges« in meinem Kindheitsbewusstsein abgespeichert worden und in mein Erwachsenenunterbewusstsein gewandert, und ich ertrug später das Klingeln des Telefons klag-, macht- und hilflos, obwohl es mich unendlich nervte. Ein Muster des Klingelns hatte sich gebildet, nach dem in Zukunft alles ablaufen würde.

    Da hatte ich mich bereits jahrelang ärgern, nerven und triezen lassen, ohne auf die Idee zu kommen: Du kannst was dagegen tun. Du brauchst es nur anders zu machen.

    Der Klingelton von der »Wäsche« meiner Kindheit hatte mich im Griff. Damals.

    Manches Begreifen dauert Jahrzehnte. Heute singt mich Bobby McFerrin über mein Smartphone ganz entspannt an: »Don’t Worry, be Happy«, wenn mich jemand erreichen möchte. Dann gehe ich hin, oder ich gehe nicht hin. Und lege es unter „Dazugelernt“ ab.

    (Kurzgeschichte aus „Das Buch für alle Tage„)

    Hole dir als neuer Leser eine gratis Kurzgeschichte als Geschenk zum Download.

    11 freche Frühlingsgedichte auf YouTube

    Jeden Tag ein Gedicht, sagte schon unser Herr Goethe. Hier kriegst du’s geboten. Wenn du willst, gleich alle 11 auf einmal:

    11 freche Frühlingsgedichte
    👉 Jetzt anschauen auf YouTube 

    Ich freu mich, wenn du ein Like dalässt oder meinen Kanal abonnierst – das motiviert mich sehr!

    Den Text „Wenn es klingelte“ habe ich aus Das Buch für alle Tage zur Verfügung gestellt.

    Wer schreibt hier?

    Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.

    Mehr zu ihren Büchern gibt es hier.

  • Stringenter Hausputz

    Kann ja nicht jeder …

    Es gibt so viele Arbeitsmethoden, wie es Menschen gibt. Und doch ist die allseits als die beste gepriesene eben die:

    1. Man setze sich ein Fernziel: Haus sauber

    2. Man unterteile es in Grobziele: Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnzimmer sauber

    3. Man definiere die Feinziele und beginne also: Schlafzimmer Betten machen, Klamotten aufräumen, Nachttische und Spiegelschrank abwischen, Bilderrahmen und Zierrate abstauben, staubsaugen.

    Diese Methode ist gut durchdacht und wird, seit es Häuser gibt, von vielen Menschen praktiziert. Zugegeben, ich bewundere diese vielen Menschen ob ihrer Liebe zur Hausarbeit, doch was ist mit mir?

    Auch ich beginne um neun Uhr im Schlafzimmer. Ich werfe schmutzige Socken und Unterhosen in den Wäschekorb, ich verleihe den Bettdecken adrettes Aussehen, dann folgt die Entrümpelung, vor allem die meines Nachtkästchens: Das Tagebuch ohne den gestrigen Eintrag klappe ich zu und stecke es in die Schublade. Die Zeitschrift von der vorletzten Woche mit der ansprechenden Headline habe ich immer noch nicht gelesen, also liegenlassen. Soll ich das Buch mit dem reizvollen Titel «Frauen setzen sich neue Ziele» nicht langsam wieder ins Wohnzimmerregal stellen, bis ich wirklich Zeit habe, es dranzunehmen? Eigentlich interessiert es mich brennend. Was stand nochmal auf dem Buchumschlag? Frauen brauchen neue Prioritäten – ja, das sollte ich dringend lesen. Und du stehst da und staubst Schlafzimmerspiegel ab, während draußen in der Welt wichtige Erkenntnisse ohne dich veröffentlicht werden! Wenn nicht jetzt, wird das Buch noch acht Wochen da liegen, weil du abends zu müde bist.

    Ist ja unheimlich fesselnd, hier auf Seite siebenundachtzig! Ganz plötzlich schlägt der Kirchturm zwölf an. Mist. Um eins kommen die Kinder von der Schule heim. Ich hatte versprochen, ihnen an meinem geschäftsfreien Tag etwas Gutes zu kochen. Wobei … ihr Appetit nach der Schule ist eigentlich kritiklos. Nudeln, ja, Nudeln sind immer im Haus und machen satt. Und es reicht, wenn ich um halb eins das Wasser aufsetze.

    Hurtig das Buch weggelegt und die herumliegenden Klamotten in den Schrank geschoben, den Schreibsekretär zugeklappt, staubsaugen kann ich ja am Nachmittag noch. Das Bad schaffe ich gerade noch, die Armaturen, okay, die Fliesen werden doch bei jedem Duschen wieder kalkig, das reicht auch nächste Woche. Der Spiegel geht diesmal noch so, bleiben Waschbecken, Wanne und Klo, schnell noch mit dem nassen Handtuch den Boden – und bevor mir noch ein weiterer Reim einfallen kann, klingelt es an der Tür. Dominik, sechzehn, hatte früher aus.

    »Was gibt’s zu essen?«

    Mir wird kurz heiß. Hatte ich nicht versprochen, vorgehabt, die Verpflichtung – hey, das wäre ja noch schöner! Die Kinder meine Chefs? Die Liebe sei das herrschende Element! »Mein Lieber, ich habe mich überschätzt, könntest du mal das Nudelwasser aufsetzen?«

    Und Dominik lächelt verschmitzt: »Soso, du hast dich wieder mal überschätzt?«

    Die Teller vom Vorabend in der Küche stören Dominik überhaupt nicht. Mit Hingabe verfeinert er die Tomatensoße aus der Packung, Sahne, Butter und Kräuter gibt er rein, es duftet schon herrlich, sogar Zwiebeln hat er geschnitten und angedünstet, während ich nochmal in dem interessanten Buch – nun ja, als die drei anderen kurz nach eins hereinstürmen, duftet es herrlich, Dominik hat den Tisch gedeckt. »Erziehung gelungen!«, denke ich stolz, sogar einen knackigen Gurkensalat hat er hingehobelt. Dafür liest er schließlich nicht gerne und schlägt in Kochen und Lesen seinem Vater nach. Können ja nicht alle Menschen das Gleiche tun.

    »Aha, Mama war zu Hause, gibt’s wieder Nudeln!«, bemerkt Markus, dreizehn, ebenfalls verschmitzt, als er in den Topf schaut und ihn auf den Tisch holt, und Julia, zwölf, die als erste zu essen beginnt, sagt:

    »Wieso, Mamas Nudeln schmecken immer noch besser als die von Maggi!«

    Und bevor sich noch das kollektive Unbewusste gegen mich erheben kann, verspreche ich, mit ihnen allen am Nachmittag Eis essen zu gehen und das Staubsaugen auf den Abend zu verschieben.

    Diese Hausputzmethode bezeichnet man unter Könnern als kreativ. Ich akzeptiere durchaus, dass vielen Menschen der Reiz dieser Art zu arbeiten verborgen bleiben muss. Kann ja nicht jeder das Gleiche tun.

    Hole dir als neuer Leser eine gratis Kurzgeschichte als Geschenk zum Download.

    11 freche Frühlingsgedichte auf YouTube

    Jeden Tag ein Gedicht, sagte schon unser Herr Goethe. Hier kriegst du’s geboten. Wenn du willst, gleich alle 11 auf einmal:

    11 freche Frühlingsgedichte
    👉 Jetzt anschauen auf YouTube 

    Ich freu mich, wenn du ein Like dalässt oder meinen Kanal abonnierst – das motiviert mich sehr!

    Den Text „Stringenter Hausputz“ habe ich aus Das Buch für alle Tage zur Verfügung gestellt.

    Wer schreibt hier?

    Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.

    Mehr zu ihren Büchern gibt es hier.

  • Ein unlogischer Kühlschrank

    Unsere Küche hat einen großen Nachteil: Der Austausch des Single-Kühlschranks, der seinerzeit in dem Sonderangebot »Küchenzeile, erweiterungsfähig« impliziert war, wurde nie vollzogen.

    Inzwischen sind wir sechs Personen im Haushalt.

    So liegt die Butter auf dem Sahnebecher, auf der Butter die Deckelbox mit der Wurst, auf der Deckelbox mit der Wurst das Paket Tortellini. Rund um den Sahnebecher werden, zur Stabilisierung des Oberbaus, die drei im Anbruch befindlichen Marmeladengläser kreisförmig angeordnet. Die Eiablage war damals sehr schnell im Keller gelandet, um für nie Aufgebrauchtes Platz zu schaffen: die Cumberlandsoße, der Meerrettich im Glas, die Sojasoße, die Worcestersoße, das Tomato-Chutney, das dann doch nicht geschmeckt hat, das Glas Wachteleier, aus dem die letzten drei Eier einfach nicht gebraucht werden, das Glas serbisches Ajvar, das, so scharf wie es ist, nie zu Ende geht. Die Eier haben dafür in der Küche einen Freiluftplatz bekommen.

    Der Platz in der Kühlschranktür, der durch das ausgebaute Butterfach frei geworden ist, beherbergt jetzt eine Flasche Milch und zwei Flaschen Weißbier.

    Da das Flaschenfach in der Kühlschranktür in der Regel blockiert ist durch zwei Flaschen Pils, zwei angebrochene Flaschen Weißwein, eine Flasche Schampus, mehr Platz ist nicht, deshalb steht die zweite Flasche Milch und manchmal auch die dritte (für das Cornflakes-Frühstück der vier Kinder lebensnotwendig) neben dem Sahne-Marmeladen-Butter-Wurst-Tortellini-Turm am Grunde des Kühlschranks, wo wir schon längst die Gemüseschübe entfernt haben. Karotten, Salat, Gurke, Tomaten, Auberginen und Zucchini finden also ihren Platz in einem dreistöckigen Hängekorb seitlich des Kühlschranks. Und wenn es nicht am selben Tag verbraucht wird, hängt es eben noch mehr.

    Die kleine Stufe für das Abtauwasser in unserem Kühlschrank ist mit seinen zehn Zentimetern Zwischenraum der ideale Abstellplatz für Joghurtbecher. Das Tauwasser, das auf dem Joghurtdeckel immer wieder anfriert, hält ihn stets schön frisch.

    Wir kommen zum Ende. Kochreste vom Tag vorher quetschen sich auf einem schmalen Gitterrost, über dem Sahne- bis Tortellini-Turm neben ein Senfglas, und auch die Preiselbeeren stehen hier.

    Täglicher Streit ist unvermeidlich: Warum steht die Milch wieder draußen? Hält denn hier keiner Ordnung? Wo soll ich jetzt bitte das Fleisch hinpacken?

    Ich reihe unseren Kühlschrank ein in die Liste der hundert Baustellen, die angeblich jeder Mensch in seinem Leben hat.

  • Zurück aus Südfrankreich

    Diesmal: Pflanzungen von Trüffeleichen

    Wir sind bereits seit einer Woche wieder zurück von unserem „Arbeitsausflug“ in unsere Domaine in Südfrankreich. Wir, das ist mein Sohn (42) und ich, zwei Frankophile, die irgendwie gemeinsam ein Grundstück bearbeiten und eine Bergerie renovieren.

    Da der Boden der Gegend geeignet ist, um Trüffeln wachsen lassen, lag es nahe, einen Truffier anzulegen. Viele der vor drei Jahren gepflanzten kleinen Steineichen sind bereits schön angewachsen, 35 weitere haben wir diesmal neu angepflanzt. Kein leichtes Unterfangen in einem steinharten Lehmboden, der von Juni bis Oktober keinen Regen abbekommen hat! 

    Hole dir als neuer Leser eine gratis Kurzgeschichte als Geschenk zum Download.

    Outdoor- und Wildnisliebe

    Mit dem Wohnmobil bin ich immer fein raus, bin unabhängig, kann darin schlafen – wenn es mir unter freiem Himmel, was ich i m m e r  bevorzugen würde, zu kühl ist. 

    Eine knappe Stunde fahren wir bis zum Meer. Das ist so wie aus München mal schnell zum Ammersee – man sollte es sich viel öfter gönnen. Doch diesmal hatten wir als Priorität die Pflanzaktion. Die Holzhütte reparieren. Und natürlich alle Leute besuchen, hallo sagen und überall mal eine Kiste Müncher Hell vorbeibringen als Danke für die vielen Hilfen, die so gern gegeben werden. Geld will keiner nehmen. Im kleinen Dorfchor (den ihr im Video hört) nahm man uns gerne auf.

    Wein und nochmals Wein

    Obwohl wir bereits einigen Wein von unseren Domaine-Nachbarn ins Auto geladen hatten, wollte sich mein Sohn den Heimweg über das Burgund nicht entgehen lassen. Wir hielten dort bei einem Winzer an der Côte Chalonnaise an und er ergänzte seinen Weinkeller. 

    Natürlich könnten diese Erfahrungen aus den letzten Jahren in meinem geliebten Südfrankreich ganze Bücher füllen – ich bin gerade dabei, sie in ein einziges hineinzupacken. Arbeitstitel: „Nichts außer“  –  passt in die Reihe zu meinem ersten Südfrankreichroman mit dem Titel „Und sonst nichts“. Ja, diese Art von Reduziertleben macht mich glücklich. Aussteigen auf Zeit. Denn München ist auch schön …

    Wer schreibt hier?

    Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.

    Mehr zu ihren Büchern gibt es hier.

  • Über ein Weihnachten bei den Bauers

    Weihnachten bei den Hoppenstedts über YouTube ansehen – ich hatte in den Siebzigern und Achtzigern keinen Fernseher, und meine mittlerweile erwachsenen Kinder eben auch nicht. Und ich war, als Rainer mir den Film vorführte, so herzhaft belustigt über die feine Sozialkritik und auch über die schon in den Siebzigern vorhandene – und immer noch genauso aktuelle, wie ich fand – Umweltproblematik, dass ich mir einen Lacherfolg in unserer großen Weihnachtsrunde bei Oma versprach.
    Die Leinwand war aufgebaut, der Beamer ausgerichtet, das YouTube herausgesucht und der Bluetooth-Lautsprecher verbunden, und nun los.
    Mirella muss mit David noch schnell was klären und tuschelt. David geht raus und kommt nach einiger Zeit wieder rein, um Mirella zuzuflüstern, was er gerade erledigt hat. Susanne schaut demonstrativ gelangweilt, weil sie das Stück schon kennt und vom gestrigen Vorfeiern bei Freunden noch fertig ist. Biggi kommt nach zehn Minuten dazu und möchte informiert werden, was da läuft. Als zwischendurch Omas Internetverbindung zu schwach und nur das Ladesymbol zu sehen ist und alle anwesenden Vierzehn- bis Vierzigjährigen Tipps geben zur Abhilfe, beginnen die Kinder, die auf dem Teppich liegend zuschauten, sich zu balgen und hören auch nicht auf, als es eine Minute später mit klarem Bild wieder weitergeht. Die Auszeit nutzend, war Alex aufgestanden, um sich noch ein Bier zu holen und fragt nun im Dunkeln herum, ob jemand den Öffner sieht. Seine Frau fragt ihn über den Tisch hinweg, ob sie auch einen Schluck kriegt, weil die Luft so trocken ist. Die Auflösung der Loriot-Geschichte naht, da öffnet sich lautstark die Tür, und Oma kommt mit ihrem Rollator herein und beansprucht ihren ureigenen Sitzplatz am Tisch, den Simone erst freiräumen muss. Nach den 23 Minuten Film war an den besonders feinwitzigen Stellen zu wenig gelacht worden, finde ich, und ich fühle mich verpflichtet zu erklären, welch hochaktuelle Thematik drinsteckt, was aber keiner lustig findet. Weihnachten bei den Hoppenstedts ist eben genauso wie Weihnachten bei den Bauers.