Diese Texte entstehen aus Momenten des Innehaltens – mitten im Leben.
Hier geht es nicht um Entschleunigung als Programm, sondern um kurze Unterbrechungen, die gut tun.
Kurzgeschichten, Gedanken, Miniaturen oder auch mal Reimgedichte für Menschen, die zwischendurch kurz ausruhen – oder aussteigen? – möchten, ohne gleich alles ändern zu müssen.
Die Erlebnisfrau – Leben, Arbeit und Sinn in Bewegung
Poesie & Reime · Alltagsminiatur in Versen
Schlafprobleme?
Manchmal ist es das übliche Schlafproblem, das mich weckt – sondern ganz prosaische Körperpolitik: Nase und Blase.
Dieses Gedicht ist eine kleine, humorvolle Liebeserklärung an alle, die nachts im Halbschlaf durchs Zimmer tappen, nach Nasenspray tasten und sich dabei eher wach als weise fühlen.
Wenn du darüber lachen kannst, hast du schon halb gewonnen.
Wenn ich des Nachts nicht schlafen kann sind diese meistens schuld daran: Die Nase und die Blase.
Die Blase ruft: Leere mich aus! Schon steig ich aus dem Bett hinaus, Schlafwandelnd tast ich mich voran Such die Toilette, setz mich dann, bleib sitzen, schlaf dort wieder ein, dann kipp ich um, stoß mir das Bein,
von diesem Krach werd ich hellwach.
Wenn ich des Nachts nicht schlafen kann, ist diese meistens schuld daran: Die Nase.
Die Heizungsluft schafft Trockenheit, macht mich plötzlich aufbruchsbereit: Die Nase lässt die Luft nicht rein, und das verursacht mir viel Pein. Wie jede Nacht, die Prozedur: Das Nasenspray – wo ist es nur? Ich tappe auf dem Nachttisch rum Und dabei fällt die Lampe um – Vorbei ist’s mit Silentium.
Die Nase und die Blase sind schuld, wenn ich nicht schlafe.
Ein kleiner Gedanke zum Mitnehmen
Vielleicht ist das Tröstliche am nächtlichen Wachliegen: Man ist damit nicht allein – und manchmal hilft schon ein Reim, um wieder weicher zu werden.
Wenn du magst, schreib mir in die Kommentare: Wer stört bei dir nachts am häufigsten – Kopf, Herz, Nase oder Blase?
Gerne kannst du das Gedicht weiterleiten, wenn es dir passt.
Weiterlesen im Blog
Dieses Gedicht gehört zur Kategorie Poesie & Reime und berührt die Themenräume Arbeit, Wandel & Sinn sowie Familie & Generationen.
Sanfter Hinweis
Aus solchen Texten entstehen bei mir auch Lesungen, Audios und kleine Sammlungen – als Begleiter für ruhige Momente.
Es gibt diesen Moment im Jahr, in dem der Winter plötzlich den Halt verliert. Noch liegt Schnee – aber darunter regt sich schon etwas. Erste Farben, erste Düfte, erste Unruhe.
Genau dort entsteht Aufbruchstimmung: zwischen Schneeglöckchen, Lichtstreifen – und einem Blick in die eigene Küche.
Dieses Gedicht über Aufbruch im Frühling verbindet Naturbeobachtung mit einem Augenzwinkern Richtung Alltag. Denn während draußen alles sprießt, zeigt die Sonne drinnen, was der Winter gut versteckt hat.
🌱 Der Text: „Aufbruch mit Nebenwirkungen“
Aufbruch mit Nebenwirkungen
Schneeglöckchen statt nur weißem Schnee: Der Winter kriegt endlich den Dreh.
Und flächendeckend, guter Dinge, leuchten gelb die Winterlinge.
Krokusse bedecken Wiesen, man weiß, dass bald die Tulpen sprießen.
Schlüsselblumen, im Wettlauf, schließen flugs den Frühling auf.
Fürs Auge grün, scharf für den Bauch, steigt in die Nase der Bärlauch.
Die Tage werden immer länger, gleichzeitig wird mir bang und bänger wenn ich in der Küche steh.
Ich seh zwar grob die Sonne lachen, doch zeigt sie schon beim Frühstückmachen von Osten her den Staub, herrje.
Im Winterdunkel gut verborgen, schickt der mich schnell „Glasrein“ besorgen –
Während draußen alles wächst, zeigt sich drinnen das Gegenteil: Staub, Schlieren, Winterreste.
Der Frühling bringt eben nicht nur Licht – sondern auch Erkenntnis. Wie immer hilft Humor, um damit umzugehen.
Warum uns Frühlingsgedichte so berühren
Gedichte über den Frühling sind mehr als Naturbeschreibungen. Sie spiegeln innere Prozesse:
Neubeginn
Erwachen von Energie
leichte Unruhe
Veränderungsimpulse
Gerade der Februar steht für diese Schwelle: noch Winter – und doch schon Aufbruch.
Weiterlesen im Themenraum
Mehr Texte zwischen Natur, Humor und Lebensbeobachtung findest du in den Themenräumen: Bleibendes. Bestehendes. Begleitendes. · (Arbeit, Wandel & Sinn)
Oder du hörst dir auf YouTube meine 11 Monatsgedichte an. „Aufbruchstimmung“ steht für Februar. Dort gibt es ein anderes Ende des Gedichts. Welches gefällt dir besser?
Manche Gedichte begleiten durch Jahreszeiten. Aus solchen Texten entstehen bei mir Lesungen, Audiofassungen oder kleine poetische Sammlungen – für Momente zwischen Alltag und Aufbruch.
Manche Bilder begleiten uns länger, als wir ahnen. Diese Geschichte erzählt von einem Werbeschild auf einem Gästeklo – und davon, wie früh sich unsere Sehnsucht formt, ohne dass wir es merken.
Vielleicht hast du dich selbst schon gefragt, warum dich bestimmte Menschen immer wieder anziehen. Ob es Zufall ist – oder ob etwas in uns längst eine Richtung vorgibt.
Warum unsere Partnerwahl unbewusst geprägt ist
Wir glauben gern, wir würden frei wählen. Rational. Erwachsen. Und doch wirken Bilder, Stimmungen und frühe Eindrücke oft leiser, aber nachhaltiger als jede bewusste Entscheidung.
Diese Kurzgeschichte nähert sich dem Thema nicht erklärend, sondern erzählend – über ein Bild, das blieb.
🎧 Die Geschichte als Hörfassung
„Lisa und das Werbeblech“ gibt es auch als Lesung auf meinem YouTube-Kanal. Beim Zuhören entstehen oft neue Verbindungen – zwischen Text, Erinnerung und eigener Erfahrung.
👉 Hörfassung auf YouTube: https://youtu.be/UimHhLtY2L8?si=ylarnV4we3P9h2gP
📖 Der Text: „Lisa und das Werbeblech“
Hinweis: Der folgende Text ist eine literarische Kurzgeschichte. Lies sie – oder hör sie dir an.
Wenn man bei uns im Försterweg auf dem Gästeklo saß, konnte man sich mangels anderer Ablenkung eingehend mit dem Werbeblechschild an der Stirnwand beschäftigen. Werner hatte es von einem Spirituosenhändler geschenkt bekommen. An dieser Wand im Haus war noch Platz, und dort also hängten wir es auf. Das Blechbild hatte DIN-A2-Größe und zeigte einen Schnappschuss: Meer, weit und breit nur stürmisches Meer, Seenot, man ahnte die zerbrochenen Schiffsplanken ringsherum. Mitten in tobenden Wellen ein Männerkopf, der gerade nach Luft japsend aus dem Wasser auftauchte. Er müsste verzweifelt sein, ist es aber nicht: In seinen Augen sprühen Freudenfunken, denn, siehe da, nur wenig von ihm entfernt schwimmt die typisch grüne, typisch kugelrunde Flasche »ABC« Kräuterlikör. Die Werbebotschaft war eindeutig: ABC, du bist meine Rettung!
Der Kopf des Mannes, der vorm Schiffbruch gerettet wurde, war schmal, fast hager, die nassen Haare ans Gesicht geklatscht, sein Bart tropfte. Die dunkelgrauen Augen blickten klar und lebhaft unter hoher Stirn und gewölbten Augenbrauen aus dem tosenden Meer.
Manche Bilder prägen uns, ohne dass wir es merken.
Bei einem der Umzüge in den folgenden Jahren beschloss ich, das Werbeblech fände keinen Platz mehr im neuen Haus, und es wurde entsorgt. Das Bild aber …
Die Erde lief seither viele Male um die Sonne. Tschernobyl und der Golfkrieg beunruhigten die Menschen, der Fall der Berliner Mauer und die Wende in den Oststaaten veränderten das Weltbild, Millennium und die Weltwirtschaftskrise machten viel von sich reden, Saddam Hussein und Osama Bin Laden verließen diese Welt, die Abiture der Kinder sowie Ehekrisen beschäftigten die Familie, mehrere Geburtstage nullten sich und die Phase wechselnder Partner unserer Kinder ging über in die Phase fester Beziehungen. Meine erwachsenen Kinder begannen schon in Nostalgie zu schwelgen, und mir wurden erste Enkel geboren.
Die Zeit vergeht – Bilder bleiben.
An verregneten Sonntagen traf sich die Großfamilie manchmal zu Diashows. Mit Kinder- und Familienfotos von früher.
»Oh, war das damals schön, als wir noch Kinder waren und im Försterweg wohnten!«
An jenem Sonntag waren nur Lisa und ihre Brüder Markus und Benjamin anwesend, alle drei ohne Partner. Der knusprige Sonntags-Schweinsbraten war soeben mit viel Oh! und Hm! und Fein! und ebenso vielen Semmelknödeln verschlungen worden, die Küche war wieder sauber und auf der Leinwand erschienen schon Kinderbilder aus eben jener Försterweg-Zeit.
Dann wurde es plötzlich still.
Das Dia zeigte die etwa achtjährige Lisa, die sich auf dem Gästeklo neben dem ABC-Werbeblech positioniert hatte und fröhlich in die Kamera winkte.
»Der sieht doch aus wie Tommy!«, brach es da aus Markus heraus.
Wieder Stille.
Ja, die Ähnlichkeit zu Tommy war nicht zu übersehen.
»Ich hab mich nicht getraut, das zu sagen«, grinste Benjamin.
»Das gibt’s doch nicht! Lisa hat sich den Mann vom Werbeblech geangelt!«
Vielleicht suchen wir unser Leben lang ein Bild.
Sie ist nun schon seit drei Jahren mit Tommy zusammen. Ein Enkel ist unterwegs.
Vielleicht sollte ich Tommy, unserem Märchenprinzen, mal eine Flasche ABC-Kräuterlikör mitbringen!
Partnerwahl: Zufall oder frühe Prägung?
Diese Geschichte beantwortet nichts endgültig. Aber sie zeigt, wie tief frühe Bilder wirken können – manchmal ein Leben lang.
Poesie & Reime · Jahresanfang zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Wenn der Januar ehrlicher ist als der Kalender
Der Jahreswechsel ist laut. Der Januar dagegen leise.
Kaum sind die Lichterketten verschwunden und der Christbaum entsorgt, stehen sie im Raum: die guten Vorsätze. Manche voller Hoffnung. Andere schon mit einem leisen Zweifel versehen.
Dieses Gedicht ist kein Spott über Neujahrsvorsätze. Es ist ein augenzwinkernder Blick auf den Moment danach – wenn Anspruch und Alltag sich wieder begegnen.
📖 Das Gedicht: „Gute Vorsätze“
Hinweis: Lies es langsam. Vielleicht erkennst du dich in der einen oder anderen Zeile wieder.
Gute Vorsätze
Der Christbaum, der geleuchtet helle, liegt schon auf der Entsorgungsstelle.
Der Jahresrückblick ist verblasst, der Forecast steht schon, als Kontrast.
Silvester hab’n wir’s krachen lassen, wer wollt’ schon diesen Spaß verpassen!
So manches Vorhaben uns freut. Manch andres uns bald wieder reut.
Wer jeden Tag im See wollt schwimmen, lässt Trock’nes jetzt den Tag bestimmen.
Wer sein Gewicht wollt’ reduzieren, müsste erst Süßes ignorieren.
Ist es den Aufwand wirklich wert? Darf ich nicht leben unbeschwert?
Wer sich das fragt im Januar, fang’ nochmal an im Februar!
Dieses Gedicht habe ich auch auf YouTube eingesprochen, im Video „11 Monate in knackigen Reimen„. Hör es dir gerne an und leite es weiter – ich freu mich drüber!
Zwischen Selbstoptimierung und Milde
Der Januar ist ein Monat voller Erwartungen – oft fremder Erwartungen. Dieses Gedicht erinnert daran, dass Veränderung nicht an einem Datum beginnt.
Manches darf warten. Manches darf bleiben. Und manches darf man im Februar noch einmal freundlich neu betrachten.
Manche Gedanken begleiten länger. Aus solchen Texten entstehen bei mir Gedichte, Audios und kleine Sammlungen – für unterwegs oder ruhige Momente.Dieses Gedicht gehört zur KategoriePoesie & Reime.
Das neue Jahr ist für viele von uns ein besonderer Wendepunkt – Zeit für neue Pläne, für kleine und große Veränderungen, für einen neuen Blick auf die eigene Lebensreise, eine Phase der Selbstreflexion, des Loslassens und der mutigen Aufbrüche.
Mit meinem Neujahrsgedicht möchte ich dich inspirieren, diesen Neubeginn mit Zuversicht, Leichtigkeit und einem Lächeln zu begrüßen.
Vitamine zum Neuen Jahr (Irmgard Rosina Bauer)
Das Jahr war kurz, lang war das Jahr – mal schrecklich und mal wunderbar.
So mag es wohl auch weitergehn. Mal sehn, was wir können dran drehn?
Viel Schwung beim Drehn am Rad der Zeit, wünsch ich uns, dabei Heiterkeit,
viel Frohmut auch, denn auf der Erde gäb’s Anlass für manche Beschwerde!
Mit dem Gemeinsam-Vitamin krieg’n wir’s auch diesmal wieder hin!
Vielleicht spürst du beim Lesen, wie viel Kraft in einem kleinen Reim steckt – und wie sehr Worte uns ermutigen können, den nächsten Schritt zu wagen. Das Gedicht ist Teil meiner Reihe „Lebensreisen in Reimen“, in der ich Erlebtes, Gefühle und neue Perspektiven in poetische Worte fasse.
📖 Hör das Gedicht auch als YouTube-Shorts: https://youtube.com/shorts/6ire_AaMdko?feature=share
Neugierig auf mehr? Auf meinem Blog findest du weitere Gedichte, Geschichten und Inspirationen rund um Mut, Neuanfang und Lebensfreude. Schau dich gern um – oder abonniere meinen Newsletter, um keine Reime und Lebensreisen mehr zu verpassen!
Wenn dir diese poetische Auszeit gefällt, lies auch meine weiteren Texte im Blog oder hör dir meine vertonten Gedichte auf YouTube an.
Entdecke mehr humorvolle Alltagsgedichte als Text auf meinem Blog oder als Video auf YouTube.
📌 Alle meine Playlists auf YouTube kannst du hier entdecken:
Der vierte Advent erinnert nicht daran, fertig zu werden. Sondern daran, anzukommen.
Vielleicht ist heute der richtige Tag,
den Stundenplan zu zerreißen,
das Tempo zu drosseln,
das Licht wirken zu lassen.
Vier Kerzen. Ein Atemzug. Mehr muss nicht sein.
Weniger muss manchmal mehr sein
Gerade jetzt erinnert uns der vierte Advent daran: Es darf auch entspannt sein! Vier Kerzen sind genug. Atme durch, genieße stimmungsvolle Momente und lass dich nicht hetzen. Weihnachten ist vor allem eins: ein Fest für Herz und Seele. Und das sage ich gerade zu mir selbst. Ich, gerne immer aktiv und von vielen spannenden neuen Ideen durch den Tag geschubst. Ist ja so erfüllend, seine eigenen Ideen zu verwirklichen! Ja. Durchaus. Aber wann ist Schluss? Ich zünde mir vier Kerzen an – ja, das werd ich tun!
Advent Numero vier
Advent Numero vier Irmgard Rosina Bauer
Noch ist’s ein Rennen und ein Laufen, um Geschenke einzukaufen, im Laden oder auch im Netz – ’s ist überall die gleiche Hetz.
Und Jahresabschluss! Obendrein, das Fest im Golfclub und Verein, noch schnell! Damit, erschöpft, man dann – ganz schnell zur Sonne düsen kann.
Ein jede:r halt’ es, wie man* will – so manche:r braucht für sich den Thrill. Zerreiß du deinen Stundenplan und zünde heut vier Kerzen an!
Zum Bild
Das gezeigte Bild stammt aus meinem Weihnachtsbooklet und begleitet dieses Gedicht als leise visuelle Einladung zur Ruhe. Wer diese Texte gesammelt lesen oder verschenken oder vor dem Weihnachtsbaum in der Familie vorlesen möchte, findet das Gedicht unter anderen 14 stillen, frechen oder nachdenklichen Gedichterln in „ALLE JAHRE WIEDER. Bedenkliche Weihnachtszeit.“ Als Download in meinem Shop.
Und ein weiteres Herzensprojekt zum Jahresende? Heitere TORheiten aus Hermannstadt in einem Kalender 2026
Viele Hoftor-Fotos ergeben zusammen mit meinen Zweizeilern heitere TORheiten.
Meine Reise ins Land meiner Vorfahren, nach Siebenbürgen und Hermannstadt im Jahr 2024, hat mich zu einem humorvollen Projekt inspiriert: Ich fotografierte über 50 Hoftore in der Stadt und dachte mir dazu witzige Zweizeiler aus. Daraus erstellte ich einen Jahreskalender 2026 mit 53 Wochenseiten. Und als Kompaktversion auch einen Monatskalender mit 13 Seiten. Du kannst ihn hier anschauen und bestellen: TORheiten-Kalender
Mit TORheiten versorg dein Leben! Dann lernen Sorgen wegzuschweben.
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
Wenn Weihnachten nach Knoblauch, warmem Schmalz und gemeinsamer Tradition duftet, dann liegt das selten am Festtagsbraten – sondern an einem Rezept, das weit mehr ist als Essen: Motters Knoblauchwurst.
Die Siebenbürgische Zeitunghat meine Geschichte darüber veröffentlicht, wie ein altes Familienrezept Heimat, Herkunft und Erinnerungen lebendig hält. Und warum Knoblauchwurst für meine Familie ein unerschütterliches Stück Identität wurde.
Eine Tradition aus Siebenbürgen – erzählt in einer persönlichen Weihnachtsgeschichte.
Hier ist die vollständige Geschichte aus meinem Weihnachtsprojekt:
Motters Knoblauchwurst — Rezepte überleben Kriege
Ein Weihnachtsrezept, das Kriege und Grenzen überlebt hat
Motters Knoblauchwurst — Rezepte überleben Kriege
Irmgard Rosina Bauer
Sie hatte die Tradition aus ihrer Heimat Siebenbürgens mitgebracht, jenem Landstrich im Südosten Europas, der nach Knoblauch roch wie andere Orte nach Heu oder Sommerregen. Knoblauch wuchs dort in rauen Mengen und wurde nicht sparsam, sondern mit Überzeugung gegessen: roh zum Schmalzbrot, zu gekochten Kartoffeln – in etwas Salz getaucht, beißend scharf, tränentreibend und trotzdem ein Genuss, der zum Alltag gehörte. Gesund? Darüber dachte niemand nach. Man aß so. Man lebte so. Man blieb dabei erstaunlich robust. Und schließlich half er ja, das wissen wir, auch gegen Dracula, der in derselben Gegend sein Unwesen trieb. Ja, Siebenbürgen ist Transsilvanien.
In den ersten Jahren in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg schien Knoblauch fast so selten wie Hoffnung. Er wuchs hier nicht wie in der Heimat — also ließ sie sich von Besuchern von dort Knoblauch mitbringen. Heiligabend ohne Knoblauchwurst? Undenkbar. Für sie war sie kein Essen — sie war Heimat auf dem Teller.
Als Metzgereien später nach und nach verschwanden, ließ Motter sich nicht beirren. Sie kaufte das Fleisch roh, mischte es mit geräuchertem Speck, Wasser, Salz — und so viel Knoblauch, dass der Duft tagelang im Haus stand. Alles kam in die große weiße Emailschüssel, der heilige Kelch ihrer Küche, und wurde wie Hefeteig geknetet. Dann durch den alten Fleischwolf gedreht, dessen Holzkurbel längst glattpoliert war. Und hier trat Vuater auf den Plan: Er hatte den Endlosdarm schon auf die Wurstdüse geschoben, empfing den Fleischstrom, führte ihn vorsichtig wie ein Kapitän sein Schiff, damit keine Luftlöcher entstanden und nichts platzte. Meter um Meter wuchs die Wurst — eine fleischrote, glänzende Schlange, dick wie drei Finger, lang wie ein Festtagsversprechen.
Fürs Räuchern fand Motter immer jemanden. Ein Metzger, ein Nachbar, ein Freund — irgendwer half. Gegen eine kleine Gebühr hingen die Wurststränge in der Räucherkammer, bis sie diesen goldenen Duft annahmen, der nur eines bedeutete: Weihnachten kommt.
Dann kam der Moment, der in meinem Gedächtnis glüht wie eine Kerze im Advent: Der Backofen öffnete sich, eine Wolke aus Knoblauch und knusprigem Schweinefleisch stieg heraus, würzig, warm, unwiderstehlich. Schweinefleischwürfel brutzelten in der Reine, das Fett spritzte leise — für mich ist das noch heute der Duft, an dem ich Weihnachten erkenne.
Dazu gab es Palukes — Maispolenta, die Motter auch nach Deutschland hinübergerettet hatte, lange bevor sie hier bekannt war. Der dicke Maisbrei wurde – klatsch – auf ein Holzbrett gestürzt, mit Bindfaden in Portionen geschnitten wie ein Kuchen. Wir setzten uns, schnitten uns Wurststücke aus der Reine je nach Hunger und Magengröße ab, spießten Polenta auf die Gabel und tunkten sie in das heiße Fett, das wie flüssiges Gold in der Mitte des Tisches schimmerte.
Schmatzen war erlaubt. Vielleicht sogar Pflicht.
Zur Verdauung gab es Salzkraut — und dieses Kraut war eine Welt für sich. Jeden Oktober fuhr sie in den berühmten Krautort neben unserem Wohnort, wo Köpfe wuchsen, die beinahe zehn Kilo wogen. Mit dem armlangen Hobel hobelte sie, sie salzte, stampfte, füllte Gläser so groß wie Bierfässer, legte Dill und Bohnenkraut darauf und ließ alles im Keller vor sich hin fermentieren. In manchen Jahren musste alles schneller gehen — dann standen die Gläser bei der Heizung, und wir Kinder flohen vor dem aufdringlichen Gargeruch, während sie nur sagte: „Das muss so sein!“
Und ja — wenn man dann eine Schüssel von dem Kraut holen sollte, musste man die dicke schützende Schimmelschicht abheben. „Das gehört dazu“, sagte sie nur. Und seltsam – sobald der erste Bissen auf der Zunge lag, war aller Ekel vergessen. Ich aß, als gäbe es keinen Morgen, dieses Kraut war der Inbegriff von Vorweihnachtsfreude.
So sah also Weihnachten bei uns aus: Knoblauchwurst, knusprig ausgebratene Fleischwürfel im heißen Fett, Palukes, Salzkraut. Ein Festmahl, fett wie das Leben, unbegreiflich wie Heimat, heiß wie Kinderliebe.
Heute, Jahrzehnte später. Dezember, frühe Dunkelheit. Meine Schwiegertochter kommt zu Besuch, aus ihrem Wohnort in Zypern — Sonne im Gepäck, aber Weihnachten im Herzen.
„Ich habe Dominik schon vor Jahren einen Fleischwolf gekauft“, sagt sie. Damit Motters Enkel die Tradition weiterführen kann. Darm zu finden sei ein Abenteuer, Speck werde sparsamer genutzt — aber der Geist der Wurst lebe. „Ohne Knoblauchwurst kein Heiligabend“, sagt sie, „und sogar unsere Kinder sehen das so!“
Die Tradition wandert weiter. Markus, Motters weiterer Enkel, wurstet heute in München. Neue Varianten, mal mit Rosmarin, mit Oregano, mal mit weniger Knoblauch, mal mit gar keinem, und mal auf dem Wintergrill ausprobiert. Und dann kehrte er doch zu Motters Original zurück. Und ihre Krautfässer stehen nun bei ihm und beduften einen Keller mitten in der Stadt.
Motter liegt heute in jener Erde neben dem Krautort, der ihre Erinnerungen so sehr gestützt hatte. Riesengroße Krautköpfe gelten heute nicht mehr als rentabel, die Zeit ist darüber weggegangen.
Doch wenn Markus an Weihnachten die Wurst schneidet, wenn das Fett zischt, wenn der Knoblauch duftet, dann sitzt Motter mit am Tisch. Und wir wissen: Dracula ist wirklich tot, aber Siebenbürgens Tradition lebt in uns Nachfahren weiter.
Warum diese Geschichte Lebendigkeit versprüht
Familienrezepte sind gelebte Kultur. Sie überdauern Flucht, Umzüge, Modernisierung und Modewellen. Meine Erzählung zeigt, wie Traditionen weitergegeben werden – von Motter über ihre Kinder, Enkel und Urenkel bis heute. Gerade in der Weihnachtszeit suchen viele Menschen nach Ritualen, die Halt geben. Familienrezepte sind gelebte Kultur. Sie überdauern Flucht, Umzüge, Modernisierung und Modewellen. Meine Erzählung zeigt, wie Traditionen weitergegeben werden – von Motter über ihre Kinder, Enkel und Urenkel bis heute. Gerade in der Weihnachtszeit suchen viele Menschen nach Ritualen, die Halt geben. Genau hier berührt diese Geschichte. Du kannst sie dir auch in YouTube anhören, da ist sie Teil meiner 55 Kurzgeschichten – jede Woche gibt es eine neue.
Mehr aus meinem kreativen Weihnachtsprojekt
Nach dieser Veröffentlichung arbeite ich weiter an:
🎄 Dem „TORheiten-Kalender 2026“
Auch darüber hat die Siebenbürgische Zeitung berichtet. (Hier kannst du ihn lesen.) Hoftor-Fotos mit humorvollen Zweizeiler aus Hermannstadt – ein Stück Kulturerbe, ein Stück Heimat, ein Stück Lächeln. Im Vintage-Design. Du kannst sie hier erwerben. Zwei Kalender sind bereits fertig (schau hier!), und weitere Hof-TORheiten-Produkte sind im Entstehen. Schau öfter mal vorbei, um nichts Neues zu verpassen.
📘 Dem Weihnachts-Buch „Weihnachten rustikal“
Das Weihnachtsbooklet „Alle Jahre wieder. Bedenkliche Weihnachtszeit“ ist schon fertig, im hübschen Design mit 14 Gedichten zu Advent, Nikolaus, Weihnachten, Winter. Du kannst es dir schon hier holen. In dem neu entstehenden Weihnachtsbuch „Weihnachten rustikal“ bekommst du für nächstes Jahr auch noch neue Weihnachtsgeschichten wie Motters Knoblauchwurst.
Hier erfährst du mehr zu den wundervollen „TORheiten aus Hermannstadt“, und warum spielerischer Humor dabei eine Rolle spielen muss.
Warum Humor im Alltag so wichtig ist
Unsere TORheiten sind kleine Kunstwerke, die dein Zuhause verschönern und dabei Kopfschmerzen durch ein Lächeln vertreiben. Sie erinnern dich daran, das Leben manchmal mit einem Augenzwinkern zu sehen – und das macht vieles leichter. Dadurch sind sie auch ein ideales Geschenk!
Wir haben die Fotos nachbearbeitet, die Verse zugeordnet, und im Lauf eines Jahres ist ein Kalender entstanden, voller witziger TORheiten, die die besondere Geschichte der Siebenbürger Sachsen in der Hoftor-Metapher transportiert. Manchmal möchten sie weinen. Und dann aber doch lieber lachen.
Der Kalender „TORheiten aus Hermannstadt“ ist für alle, die gern schmunzeln, nachdenken und sich ein Stück poetischen Alltags an die Wand holen möchten. Es gibt ihn als Print-Version mit Spiralbindung – und für alle Digitalfreunde als PDF.
Weihnachten ist wunderschön – aber oft auch anstrengend. Zwischen Erwartungsdruck, Familientraditionen und dem Gefühl, alles „richtig“ machen zu müssen, wächst in vielen Menschen aber auch Anspannung. Gerade rund um das Thema Essen geraten Werte, Gewohnheiten und Emotionen leicht aneinander. Carnivoren, Vegitarier, oder rein pflanzenbasierte Veganer?
Genau hier hilft Humor.
Er macht Schweres leicht. Er zaubert Entspannung in Situationen, die sich eigentlich verkrampft anfühlen. Und manchmal genügt ein kleiner Reim, um uns daran zu erinnern, dass Weihnachten nicht perfekt, sondern menschlich sein darf.
Hier ist mein Gedicht von Seite 5 aus meinem Weihnachtsbooklet voller frecher Gedichte:
Gans im Wandel
Ein Weihnachtsfest mit keiner Gans ist wie Sex ohne Stimulans
(… sagen die einen.)
Doch fragt man heut den Einzelhandel, befindet sich die Gans im Wandel
( … merken die andern.)
Auf‘s Tierwohl hat man sich besonnen, Tierleben hat an Wert gewonnen. 234 Und nun? Was tun?
Die Wissenschaft ist längst vernetzt, zu forschen, was die Gans ersetzt.
Lass dich nicht bringen aus der Ruh - Rezepte gibt es schon dazu:
Man nehm‘ den Drucker für 3D und druck‘ Gans ohne Fleisch – juchhe!
Und ein weiteres Herzensprojekt zum Jahresende? Heitere TORheiten aus Hermannstadt in einem Kalender 2026
Viele Hoftor-Fotos ergeben zusammen mit meinen Zweizeilern heitere TORheiten.
Meine Reise ins Land meiner Vorfahren, nach Siebenbürgen und Hermannstadt im Jahr 2024, hat mich zu einem humorvollen Projekt inspiriert: Ich fotografierte über 50 Hoftore in der Stadt und dachte mir dazu witzige Zweizeiler aus. Daraus erstellte ich einen Jahreskalender 2026 mit 53 Wochenseiten. Und als Kompaktversion auch einen Monatskalender mit 13 Seiten. Du kannst ihn hier anschauen und bestellen: TORheiten-Kalender
Mit TORheiten versorg dein Leben! Dann lernen Sorgen wegzuschweben.
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
Wenn die letzten Blätter fallen, fängt etwas Neues an – Zeit für Poesie, die den Herbst verabschiedet und die Winterzeit begrüßt.
In diesem 11-teiligen Gedicht haben unterschiedliche Stimmen meine herbstlichen Reime eingelesen – mal sanft, mal sarkastisch, mal zum Schmunzeln. Ein poetischer Rückblick auf den Herbst – und ein leiser Vorgeschmack auf das, was kommt.
Der November ist ein Monat voller Widersprüche. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken, und die Natur bereitet sich auf den Winter vor. Oft empfinden wir den November als trist und grau, als einen stillen Übergang in die kalte Jahreszeit, in der Wärme und Licht Mangelware sind. Doch gerade in dieser Jahreszeit steckt eine ganz eigene Magie – die Sehnsucht nach Licht und Leben erwacht besonders intensiv.
Mein November Gedicht
Mein November-Gedicht nimmt dich mit auf eine Reise durch diese Stimmung. Es erzählt von der unverkennbaren Kälte, die man spürt, wenn Mütze und Fellpelz nicht mehr richtig wärmen. Von der Sehnsucht, dem frostigen Alltag zu entfliehen und das Herz vom grauen November zu befreien. Dieser Monat fordert uns heraus, die Dunkelheit auszuhalten und zugleich nach Licht und Wärme zu suchen – sei es im Außen oder im Inneren.
Zeit zum Aufbruch
Für mich wurde der November zum Aufbruch. Es ist der Moment, in dem ich der Kälte den Rücken kehre und mich in den Süden aufmache, wo Sonne und Wärme auf mich warten. Dieser Schritt bedeutet mehr als nur einen Ortswechsel – er ist ein Symbol für Hoffnung und Neubeginn, für das Loslassen und die Freude auf das, was kommt. Im Süden bleibt der Wintermantel im Schrank, und das Herz schlägt leichter.
Zeit zum Innehalten
Der November lädt uns ein, innezuhalten, zu spüren und vielleicht auch eigene Wege zu finden, wie wir durch diese anspruchsvolle Jahreszeit gehen. Manchmal ist es die kleine Flucht in warme Gedanken oder der Traum von fernen Orten, die uns Kraft schenken. Und manchmal sind es Worte, Poesie, die uns Trost und Inspiration geben.
Ob du den November als rauen Monat empfindest oder als inspirierende Zeit des Übergangs – er ist einzigartig. Lass dich von meiner poetischen Sichtweise mitnehmen und entdecke, wie schön und vielschichtig diese Jahreszeit sein kann.
November
(Irmgard Rosina Bauer)
November heißt der Monat, wo Wärme fehlt und Licht. Wo Mütz und Fell man anhat jedoch – es wärmet nicht.
Dem Winter zu entfliehen war öfter schon mein Traum. Nun ist es mir gelungen, ich glaub es kaum.
Es gibt mich der November dem Süden frei, der Sonn’. Der Wintermantel bleibt zu Haus, ich freu mich sowas von!
Wenn du Lust hast, hör dir meine 11 Herbstgedichte auf YouTube an. „November“ ist auch dabei.
Entdecke mehr humorvolle Alltagsgedichte als Text auf meinem Blog oder als Video auf YouTube.
📌 Alle meine Playlists auf YouTube kannst du hier entdecken:
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