Kategorie: Pause. Punkt.

Diese Texte entstehen aus Momenten des Innehaltens – mitten im Leben.
Hier geht es nicht um Entschleunigung als Programm, sondern um kurze Unterbrechungen, die gut tun.
Kurzgeschichten, Gedanken, Miniaturen oder auch mal Reimgedichte für Menschen, die zwischendurch kurz ausruhen – oder aussteigen? – möchten, ohne gleich alles ändern zu müssen.

Die Texte sind

  • kurz

  • beobachtend

  • ohne Geschichte

  • ohne Entwicklung

  • eher ein Gedanke als ein Erlebnis

  • Über Schreibblockaden

    Schreibblockade? Jeder, der auf Kommando einen Text schreiben muss, kennt sie wohl. Auch bekannte Schriftsteller sind davon betroffen und haben reichlich versucht, die Ursachen zu erforschen.

    Meine Lösung ist: Niemals mit einem leeren Blatt anfangen. Meist löst sich meine Schreibhand (und mein blockiertes Gehirn) auf, sobald schon ein paar Zeilen Geschriebenes dastehen, irgendwas, und schon kann ich drauflosschreiben – und werde damit lockerer für meine geplante Schreibaufgabe.

    Auch habe ich immer mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen. Komme ich also in dem einen nicht weiter, nehme ich mir ein anderes vor. Dadurch gewinne ich Abstand – und mit dem nächsten Versuch kann ich meist auch im ersten Projekt wieder anknüpfen.

    Der Nachteil dieser Methode ist freilich, dass ich mir häufig vorkomme, als zöge ich eine breite Egge durch meinen Schreib-Acker: Es kostet mich viel Energie, die Projekte miteinander (und nicht eins nach dem anderen) zu Ende zu bringen.

    Andererseits: Wer schon bringt ein ganzes Buchprojekt mühelos ans Ende? Letztlich gilt nur das Fertigwerden, mit welcher Methode des Schreibblockadenüberwindens auch immer.

    Woher die Blockade kommt? Sie wird wohl ihre Gründe haben, denke ich mir oft, und mache mir aber, mit oben beschriebenem Vorgehen, darüber nicht weiter Gedanken.

    (Gedanken aus „Das Buch für alle Tage„)

  • Ein unlogischer Kühlschrank

    Unsere Küche hat einen großen Nachteil: Der Austausch des Single-Kühlschranks, der seinerzeit in dem Sonderangebot »Küchenzeile, erweiterungsfähig« impliziert war, wurde nie vollzogen.

    Inzwischen sind wir sechs Personen im Haushalt.

    So liegt die Butter auf dem Sahnebecher, auf der Butter die Deckelbox mit der Wurst, auf der Deckelbox mit der Wurst das Paket Tortellini. Rund um den Sahnebecher werden, zur Stabilisierung des Oberbaus, die drei im Anbruch befindlichen Marmeladengläser kreisförmig angeordnet. Die Eiablage war damals sehr schnell im Keller gelandet, um für nie Aufgebrauchtes Platz zu schaffen: die Cumberlandsoße, der Meerrettich im Glas, die Sojasoße, die Worcestersoße, das Tomato-Chutney, das dann doch nicht geschmeckt hat, das Glas Wachteleier, aus dem die letzten drei Eier einfach nicht gebraucht werden, das Glas serbisches Ajvar, das, so scharf wie es ist, nie zu Ende geht. Die Eier haben dafür in der Küche einen Freiluftplatz bekommen.

    Der Platz in der Kühlschranktür, der durch das ausgebaute Butterfach frei geworden ist, beherbergt jetzt eine Flasche Milch und zwei Flaschen Weißbier.

    Da das Flaschenfach in der Kühlschranktür in der Regel blockiert ist durch zwei Flaschen Pils, zwei angebrochene Flaschen Weißwein, eine Flasche Schampus, mehr Platz ist nicht, deshalb steht die zweite Flasche Milch und manchmal auch die dritte (für das Cornflakes-Frühstück der vier Kinder lebensnotwendig) neben dem Sahne-Marmeladen-Butter-Wurst-Tortellini-Turm am Grunde des Kühlschranks, wo wir schon längst die Gemüseschübe entfernt haben. Karotten, Salat, Gurke, Tomaten, Auberginen und Zucchini finden also ihren Platz in einem dreistöckigen Hängekorb seitlich des Kühlschranks. Und wenn es nicht am selben Tag verbraucht wird, hängt es eben noch mehr.

    Die kleine Stufe für das Abtauwasser in unserem Kühlschrank ist mit seinen zehn Zentimetern Zwischenraum der ideale Abstellplatz für Joghurtbecher. Das Tauwasser, das auf dem Joghurtdeckel immer wieder anfriert, hält ihn stets schön frisch.

    Wir kommen zum Ende. Kochreste vom Tag vorher quetschen sich auf einem schmalen Gitterrost, über dem Sahne- bis Tortellini-Turm neben ein Senfglas, und auch die Preiselbeeren stehen hier.

    Täglicher Streit ist unvermeidlich: Warum steht die Milch wieder draußen? Hält denn hier keiner Ordnung? Wo soll ich jetzt bitte das Fleisch hinpacken?

    Ich reihe unseren Kühlschrank ein in die Liste der hundert Baustellen, die angeblich jeder Mensch in seinem Leben hat.

  • Valencia

    Leben pur

    Du steckst mich an mit deinen Liedern,
    sie stecken mir schon in den Gliedern,
    ich spring und hüpf und spür mich schwingen,
    wenn du lässt deine Sprache singen.

    Man isst und trinkt, dann macht man Siesta,
    um fit zu sein zur nächsten Fiesta.

    Die Liebe leb und find ich hier.
    Du bist mein Schwarm, das sag ich dir!
    Als Stadt bist du voll Leichtigkeit,
    kein Zwang scheint hier, nicht Eitelkeit.

    El sol, der Sonne Helligkeit
    versprüht Lust, Laune jederzeit.

    Das Meer, der Strand, Café, der Wein -
    so lass auch ich die Arbeit sein
    und spute mich - lasst mich noch rein!
    Auf keinen Fall bleib ich allein

    in Valencia!

    von Irmgard Rosina Bauer

    Hier habe ich den Valencia-Text für dich auf YouTube eingesprochen:

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    Wer schreibt hier?

    Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.

    Mehr zu ihren Büchern gibt es hier.

  • Im Neuen Jahr

    Der Christbaum, der geleuchtet helle,
    liegt schon auf der Entsorgungsstelle.
    
    Der Jahresrückblick ist verblasst,
    der Forecast steht schon, als Kontrast.
    
    Silvester hab’n wir’s krachen lassen,
    wer wollt’ schon diesen Spaß verpassen!
    
    So manches Vorhaben uns freut.
    Manch andres uns bald wieder reut.
    
    Wer jeden Tag im See wollt schwimmen,
    lässt Trock’nes jetzt den Tag bestimmen.
    
    Wer sein Gewicht wollt’ reduzieren,
    müsste erst Süßes ignorieren.
    
    Ist es den Aufwand wirklich wert?
    Darf ich nicht leben unbeschwert?
    
    Wer sich das fragt im Januar,
    fang’ nochmal an im Februar!

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    Wer schreibt hier?

    Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.

    Mehr zu ihren Büchern gibt es hier.

  • Über ein Weihnachten bei den Bauers

    Weihnachten bei den Hoppenstedts über YouTube ansehen – ich hatte in den Siebzigern und Achtzigern keinen Fernseher, und meine mittlerweile erwachsenen Kinder eben auch nicht. Und ich war, als Rainer mir den Film vorführte, so herzhaft belustigt über die feine Sozialkritik und auch über die schon in den Siebzigern vorhandene – und immer noch genauso aktuelle, wie ich fand – Umweltproblematik, dass ich mir einen Lacherfolg in unserer großen Weihnachtsrunde bei Oma versprach.
    Die Leinwand war aufgebaut, der Beamer ausgerichtet, das YouTube herausgesucht und der Bluetooth-Lautsprecher verbunden, und nun los.
    Mirella muss mit David noch schnell was klären und tuschelt. David geht raus und kommt nach einiger Zeit wieder rein, um Mirella zuzuflüstern, was er gerade erledigt hat. Susanne schaut demonstrativ gelangweilt, weil sie das Stück schon kennt und vom gestrigen Vorfeiern bei Freunden noch fertig ist. Biggi kommt nach zehn Minuten dazu und möchte informiert werden, was da läuft. Als zwischendurch Omas Internetverbindung zu schwach und nur das Ladesymbol zu sehen ist und alle anwesenden Vierzehn- bis Vierzigjährigen Tipps geben zur Abhilfe, beginnen die Kinder, die auf dem Teppich liegend zuschauten, sich zu balgen und hören auch nicht auf, als es eine Minute später mit klarem Bild wieder weitergeht. Die Auszeit nutzend, war Alex aufgestanden, um sich noch ein Bier zu holen und fragt nun im Dunkeln herum, ob jemand den Öffner sieht. Seine Frau fragt ihn über den Tisch hinweg, ob sie auch einen Schluck kriegt, weil die Luft so trocken ist. Die Auflösung der Loriot-Geschichte naht, da öffnet sich lautstark die Tür, und Oma kommt mit ihrem Rollator herein und beansprucht ihren ureigenen Sitzplatz am Tisch, den Simone erst freiräumen muss. Nach den 23 Minuten Film war an den besonders feinwitzigen Stellen zu wenig gelacht worden, finde ich, und ich fühle mich verpflichtet zu erklären, welch hochaktuelle Thematik drinsteckt, was aber keiner lustig findet. Weihnachten bei den Hoppenstedts ist eben genauso wie Weihnachten bei den Bauers.