Diese Texte entstehen aus Momenten des Innehaltens – mitten im Leben.
Hier geht es nicht um Entschleunigung als Programm, sondern um kurze Unterbrechungen, die gut tun.
Kurzgeschichten, Gedanken, Miniaturen oder auch mal Reimgedichte für Menschen, die zwischendurch kurz ausruhen – oder aussteigen? – möchten, ohne gleich alles ändern zu müssen.
Unser Sonntagmittagessen ist nicht mehr so, wie es früher einmal war.
Als unsere vier Kinder um die zwanzig waren, waren sie kaum sattzukriegen, Fleisch und Wurst konnte nicht genug im Kühlschrank sein. Ich habe gern für sie gekocht, große Bratenstücke, mehrere Kilo schwer, lagen in der Reine im Backofen oder brodelten im Bratentopf auf dem Herd. Der Appetit war unbändig und ihre Freude über den gut gelungenen Fleischtopf mit Knödeln und Soße äußerte sich in noch einem und noch einem gut gefüllten Teller.
Als unsere Kinder dreißig waren, brachten sie mir bei, immer mehr auf die Herkunft des Fleisches zu achten. Wie recht sie hatten! Die Fleischproduktion war unnatürlich, sogar fies geworden. Und ich lernte von ihnen, wohlschmeckende vegetarische Alternativen zu kochen und zu genießen. Auch mit ihren veganen Freunden habe ich mich mal mehr mal weniger gern arrangiert.
Als unsere Kinder vierzig waren, erinnerten wir uns mit ihnen gemeinsam an die Zeit, wo der große Schweinsbraten oder das Roastbeef oder die Lammkeule oder das Kaninchen oder die Hähnchen, Enten, Täubchen und Wachteln aus dem Backofen dufteten. Gerne würden sie manchmal dorthin zurückkehren, sagen sie, unsere Kinder. Doch ihre Kinder würden schon im Kindergarten lernen, Fleischersatzprodukte zu essen. Wie wohl man daran tut, die Mastindustrie zurechtzustutzen, wissen wir.
Neuerdings allerdings bereichert sich die Industrie durch die gelungene Vermarktung und Herstellung synthetischer Lebensmittel, die unserer Gesundheit noch viel förderlicher sein sollen. Hoffentlich haben sie für diese Produktion nicht nur die Künstliche Intelligenz befragt, sorge ich mich.
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Den Text „Verloren oder gewonnen“ habe ich aus Das Buch für alle Tage zur Verfügung gestellt.
Wer schreibt hier?
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
Ich stehe vor einem schick aussehenden Rohr in modernem Kupferdesign, das von der Decke herunterhängt, im Waschbecken mündet und mir den Anschein vermittelt, als ob es Wasser dort hinein ergießen könnte.
Ich wollte nur mal schnell meine Trinkflasche mit Wasser auffüllen.
Doch wo ist der Sensor? Hinter dem Hahn? Ach was, den gibt es ja nicht mehr, nein, hinter dem Wasserauswurfsystem? Oberhalb, unterhalb, irgendwo daneben? Oder vielleicht ist er direkt im Waschbecken eingelassen? Nein, auch nicht. Vielleicht an der verkleideten Wand direkt hinter dem Rohr? Oder haben sich die Designer etwas noch Raffinierteres ausgedacht und den Anwerfer des Auswerfers über meinem Kopf angebracht?
Da kommt jemand zur Tür herein und geht schnurstracks in die Toilette. Gleich kommt sie wieder raus. Ich werde sie beim Händewaschen haarscharf beobachten, so wie ich beim Yoga genau auf den Yogalehrer schaue: Wie legt er seine Füße gleich noch mal hin, dass das Verknoten so unangestrengt aussieht?
Bevor ich schauen kann, hat sie die Hände gewaschen und verlässt mit nassen Händen den Waschraum. Immerhin weiß ich jetzt: Es liegt nicht an mangelndem Wasser.
Da fällt mein Blick auf einen Knopf weit oberhalb der Wasserausströmöffnung. Ah, vielleicht hier drücken? Tatsächlich! Ein richtiger Knopf, kein Sensor! Wasser! Doch fließt es nur kurz, das reicht nicht aus, um meine Trinkflasche zu füllen. Ich drücke nochmal. Nein, das ist kein Drückknopf, der etwas in Gang setzt, sondern nur ein dahin designter Knopf. Das kann doch nicht sein! Ich komme mir vor wie in der Wüste, eine Fata Morgana spielt mir eine Oase vor, zum Greifen nah, jedoch – ich muss verdursten.
Langsam, ganz vorsichtig nähert sich meine Hand dem Drückknopf an, von der Seite, von oben, von unten – da, es strömt Wasser heraus! Doch bevor ich mich ausgiebig freuen kann, ist es schon wieder zu Ende.
Meine Trinkflasche habe ich nun zwischen die Knie geklemmt, um beide Hände freizuhaben. Sie kreisen gleichzeitig um den ominösen Knopf. Beschwörend rede ich auf ihn ein: Nun komm schon, gib dein Nass her, nun sei doch nicht so! Dabei schielen meine Augen bis zu meinem sensibilisierten Hinterkopf zur Tür, ob da auch niemand hereingekommen ist und mich für blöd hält. Da, jetzt, das war die richtige Bewegung: Zwei Handbreit Abstand zum Knopf, das animiert den Sensor – also doch Sensor! Wasser! Es läuft. Genüsslich wasche ich meine Hände. Es ist angenehm warm, mmh, fein! Und nun die Flasche darunter gehalten. Doch schon ist die Quelle erneut versiegt. Wieder halte ich bettelnd meine eine Hand vor das Sensorenloch und suche angestrengt den Augenkontakt mit der tieferliegenden Wasserausflussstelle, doch damit hat der Sensor die innige Verbindung mit mir verloren und bockt.
Sanft streiche ich mit der einen Hand um ihn herum, hefte meine Augen auf ihn, im festen Glauben an ihn, betüddele mit der anderen Hand den Rohrausfluss, ja, und das hilft, es fließt! Es fließt! Schnell die Trinkflasche darunter gehalten, es läuft, eine Hand liegt oben, eine Hand unten, wie beim Yoga, ganz entspannt, oder wie beim Kampfsport, und nun die Verbeugung nicht vergessen!
(Kurze Geschichte aus „Das Buch für alle Tage“)
Augenzwinkernd aus dem Alltag
Augenzwinkernd aus dem Alltag – bestimmt kennst du eine ähnliche Situation! Schreib mir gern in die Kommentare, was du als Absurdestes mit einem „Wasserauswurfsystem“ erlebt hast:
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Den Text „Ein Wasserauswurfsystem“ habe ich aus Das Buch für alle Tage zur Verfügung gestellt.
Wer schreibt hier?
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
Meine Eltern hatten ein Nebengebäude an das bestehende Siedlungshaus angebaut. Vielleicht konnte meine Mutter mit einem Wäscheannahmebetrieb den knappen Arbeiterlohn meines Vaters aufstocken, dachten sie.
Ja, das Geschäft lief an, und wer aus der Familie sich gerade in der Küche oder sonst wo als nächster im Haus aufhielt, lief rüber zur Wäsche, so nannten wir es, wenn mit dem Eintreten von Kunden die automatische Türklingel für uns unüberhörbar ertönte. Trip Trap, Trip Trap, hieß es dann, hinübergelaufen und die Kunden bedienen, die ihre schmutzige Wäsche ablieferten oder sie sauber wieder abholten.
Das Nebengebäude hatte zwei Zimmer, die mit dem bestehenden Haus, in dem wir wohnten, mit mehreren Durchgangszimmern verbunden waren. Also: Ins Wohnhaus kam man durch das Gartentürl und dann bei der Eingangstür herein. Man passierte den Gang, kam in die Küche, die eine Wohnküche mit Ess- und Arbeitstisch war. Darin spielte sich der Alltag in der Familie ab, darin hielt sich Mutter zur Hausarbeit, zum Kochen und mit dem häufigen spontanen Besuch von Freunden auf. Wenn man aus der Küche links abbog, gelangte man durch die abgehende Tür ins Wohnzimmer, in dem ich meine Hausaufgaben machte. Stracks durch dieses Zimmer hindurch lief man zu einer weiteren Tür, hinter der zwei Stufen hinabführten in das Schlafzimmer, das bereits im Nebengebäude lag. Hier hindurch, in derselben Flucht, kam man endlich in das letzte Zimmer in der Reihe, da war die Wäscheannahmestelle untergebracht, in die man als Kunde von rechts außen ein- und austrat.
Kaum waren die Kunden mit einem Klingeln der Tür wieder hinaus, lief Mutter zurück: Von der Wäsche über Schlafzimmer, Wohnzimmer zur Küche oder über Gang und Eingangsbereich weiter hinaus in den Garten, wenn sie gerade dort zu tun hatte.
Freilich war es oft auch meine Aufgabe, Mutter zu vertreten, wenn es in der Wäsche klingelte. Sehr oft, zu oft. So oft, dass ich später noch, als die Wäsche längst wieder aufgegeben war, von diesem Klingelton hässliche Träume hatte. Denn das Klingeln zerriss alle Muße, alle Konzentriertheit bei Hausaufgaben oder Lesen oder Spielen, das Klingeln war allgegenwärtig. Der Laden war schließlich Montag bis Freitag ganztägig geöffnet und am Samstag bis Mittag. Er funktionierte über sein Türklingeln.
Später dann, als ich schon verheiratet war, Kinder hatte und mit meinem Mann zusammen ein Delikatessengeschäft führte, das etwa zehn Minuten zu Fuß von unserem Zuhause gelegen war – wie war ich da oft genervt vom Telefonklingeln bei uns zu Hause. Die damals allerneueste Telefontechnik erlaubte es, Telefonanrufe für den Laden an unser Heimtelefon weiterzuleiten, wenn Mittagspause war oder Abend oder Morgen oder wenn die Verkäuferinnen gerade zu viele Kunden zu bedienen hatten und nicht ans Telefon gehen konnten. Nach viermal Klingeln im Laden läutete es bei mir zu Hause. Der Service am Kunden verlangte, immer erreichbar zu sein.
Wie oft hatte ich hektisch mittags um ein Uhr den Laden abgeschlossen, wenn ich Vormittagsdienst hatte, war nach Hause geeilt, um den Kindern, die aus Schule und Kindergarten nach Hause kamen, ein schnelles Mittagessen zu kochen, um dann, wenn die Verkäuferin ihren freien Tag hatte, am Nachmittag um halb drei den Laden wieder aufzusperren. Das war gerade so zu schaffen, mit Hin- und Rückweg.
Doch wenn dann, während die schnelle Pastasoße auf dem Herd köchelte und die Nudeln abgegossen werden wollten und die Kinder sich gerade in den Haaren hatten oder ich gerade die Windeln des Jüngsten wechselte, wenn dann das Telefon klingelte und ein Kunde eine Bestellung aufgeben oder auch nur wissen wollte, wann wir am Nachmittag wieder öffneten, da fiel es mir sehr schwer, meine Stimme auf sachlich und freundlich umzustellen. Da wäre ich manchmal sehr gerne nicht hingegangen. Doch nein, das ging nicht. Das konnte ich nicht. Das durfte ich nicht. Klingeln hatte Vorrang vor allem Privaten. Da ging man hin. Nichts war wichtiger.
Dagegen ist nichts einzuwenden. So war es eben.
Was mich allerdings später, als wir den Laden nicht mehr in dieser Form betrieben, stutzig werden ließ, war ein Gedankenblitz der Erkenntnis.
Warum nur hatte ich nicht die Kraft, das Telefon einfach klingeln zu lassen?
Warum nur ließ ich keinen Anrufbeantworter installieren?
Warum nur schaltete ich die Rufumleitung nicht einfach ab?
Warum nur ließ ich mich derart nervtötend von unserem Telefon terrorisieren?
Erst später wurde mir die Antwort klar: Weil das Telefonklingeln dem Klingelton in unserer Heißmangel ähnelte. Das Klingeln war als etwas »Dazugehöriges« in meinem Kindheitsbewusstsein abgespeichert worden und in mein Erwachsenenunterbewusstsein gewandert, und ich ertrug später das Klingeln des Telefons klag-, macht- und hilflos, obwohl es mich unendlich nervte. Ein Muster des Klingelns hatte sich gebildet, nach dem in Zukunft alles ablaufen würde.
Da hatte ich mich bereits jahrelang ärgern, nerven und triezen lassen, ohne auf die Idee zu kommen: Du kannst was dagegen tun. Du brauchst es nur anders zu machen.
Der Klingelton von der »Wäsche« meiner Kindheit hatte mich im Griff. Damals.
Manches Begreifen dauert Jahrzehnte. Heute singt mich Bobby McFerrin über mein Smartphone ganz entspannt an: »Don’t Worry, be Happy«, wenn mich jemand erreichen möchte. Dann gehe ich hin, oder ich gehe nicht hin. Und lege es unter „Dazugelernt“ ab.
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Den Text „Wenn es klingelte“ habe ich aus Das Buch für alle Tage zur Verfügung gestellt.
Wer schreibt hier?
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
Es gibt so viele Arbeitsmethoden, wie es Menschen gibt. Und doch ist die allseits als die beste gepriesene eben die:
1. Man setze sich ein Fernziel: Haus sauber
2. Man unterteile es in Grobziele: Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnzimmer sauber
3. Man definiere die Feinziele und beginne also: Schlafzimmer Betten machen, Klamotten aufräumen, Nachttische und Spiegelschrank abwischen, Bilderrahmen und Zierrate abstauben, staubsaugen.
Diese Methode ist gut durchdacht und wird, seit es Häuser gibt, von vielen Menschen praktiziert. Zugegeben, ich bewundere diese vielen Menschen ob ihrer Liebe zur Hausarbeit, doch was ist mit mir?
Auch ich beginne um neun Uhr im Schlafzimmer. Ich werfe schmutzige Socken und Unterhosen in den Wäschekorb, ich verleihe den Bettdecken adrettes Aussehen, dann folgt die Entrümpelung, vor allem die meines Nachtkästchens: Das Tagebuch ohne den gestrigen Eintrag klappe ich zu und stecke es in die Schublade. Die Zeitschrift von der vorletzten Woche mit der ansprechenden Headline habe ich immer noch nicht gelesen, also liegenlassen. Soll ich das Buch mit dem reizvollen Titel «Frauen setzen sich neue Ziele» nicht langsam wieder ins Wohnzimmerregal stellen, bis ich wirklich Zeit habe, es dranzunehmen? Eigentlich interessiert es mich brennend. Was stand nochmal auf dem Buchumschlag? Frauen brauchen neue Prioritäten – ja, das sollte ich dringend lesen. Und du stehst da und staubst Schlafzimmerspiegel ab, während draußen in der Welt wichtige Erkenntnisse ohne dich veröffentlicht werden! Wenn nicht jetzt, wird das Buch noch acht Wochen da liegen, weil du abends zu müde bist.
Ist ja unheimlich fesselnd, hier auf Seite siebenundachtzig! Ganz plötzlich schlägt der Kirchturm zwölf an. Mist. Um eins kommen die Kinder von der Schule heim. Ich hatte versprochen, ihnen an meinem geschäftsfreien Tag etwas Gutes zu kochen. Wobei … ihr Appetit nach der Schule ist eigentlich kritiklos. Nudeln, ja, Nudeln sind immer im Haus und machen satt. Und es reicht, wenn ich um halb eins das Wasser aufsetze.
Hurtig das Buch weggelegt und die herumliegenden Klamotten in den Schrank geschoben, den Schreibsekretär zugeklappt, staubsaugen kann ich ja am Nachmittag noch. Das Bad schaffe ich gerade noch, die Armaturen, okay, die Fliesen werden doch bei jedem Duschen wieder kalkig, das reicht auch nächste Woche. Der Spiegel geht diesmal noch so, bleiben Waschbecken, Wanne und Klo, schnell noch mit dem nassen Handtuch den Boden – und bevor mir noch ein weiterer Reim einfallen kann, klingelt es an der Tür. Dominik, sechzehn, hatte früher aus.
»Was gibt’s zu essen?«
Mir wird kurz heiß. Hatte ich nicht versprochen, vorgehabt, die Verpflichtung – hey, das wäre ja noch schöner! Die Kinder meine Chefs? Die Liebe sei das herrschende Element! »Mein Lieber, ich habe mich überschätzt, könntest du mal das Nudelwasser aufsetzen?«
Und Dominik lächelt verschmitzt: »Soso, du hast dich wieder mal überschätzt?«
Die Teller vom Vorabend in der Küche stören Dominik überhaupt nicht. Mit Hingabe verfeinert er die Tomatensoße aus der Packung, Sahne, Butter und Kräuter gibt er rein, es duftet schon herrlich, sogar Zwiebeln hat er geschnitten und angedünstet, während ich nochmal in dem interessanten Buch – nun ja, als die drei anderen kurz nach eins hereinstürmen, duftet es herrlich, Dominik hat den Tisch gedeckt. »Erziehung gelungen!«, denke ich stolz, sogar einen knackigen Gurkensalat hat er hingehobelt. Dafür liest er schließlich nicht gerne und schlägt in Kochen und Lesen seinem Vater nach. Können ja nicht alle Menschen das Gleiche tun.
»Aha, Mama war zu Hause, gibt’s wieder Nudeln!«, bemerkt Markus, dreizehn, ebenfalls verschmitzt, als er in den Topf schaut und ihn auf den Tisch holt, und Julia, zwölf, die als erste zu essen beginnt, sagt:
»Wieso, Mamas Nudeln schmecken immer noch besser als die von Maggi!«
Und bevor sich noch das kollektive Unbewusste gegen mich erheben kann, verspreche ich, mit ihnen allen am Nachmittag Eis essen zu gehen und das Staubsaugen auf den Abend zu verschieben.
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Den Text „Stringenter Hausputz“ habe ich aus Das Buch für alle Tage zur Verfügung gestellt.
Wer schreibt hier?
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
Um ins Schreiben zu kommen, bedarf es der Muße. O du wunderbare Muße! Heißt: Ideen ausspinnen dürfen und zu einer Geschichte, also einem kleinen Werk, umgestalten. Ich nenne es absichtlich nicht »umarbeiten«. Arbeiten ist für mich mit Broterwerb belegt. Arbeiten und damit Geld verdienen, so sieht es auch die volkswirtschaftliche Definition. Gestalten ist für mich frei von dem Ziel im Hinterkopf, damit Geld verdienen zu wollen, zu müssen. Gestalten ist frei sein, gehen lassen, laufen lassen, kommen lassen, aus der Luft aufgreifen, sich hingeben, träumen, sinnieren, transformieren, anders sehen, neu besetzen, in andere Gärten pflanzen, in neue Räume tragen, aufbauschen und übertreiben oder reduzieren und kleiner machen, Geheimnisse verleihen und Deutungsmöglichkeiten hinzufügen. Das Auskosten solcher Gestaltungsmöglichkeiten kann kein Ende nehmen, es gibt kein Ende. Wenn aber »am Ende« dabei Geld herauskommt – auch gut.
Schreibblockade? Jeder, der auf Kommando einen Text schreiben muss, kennt sie wohl. Auch bekannte Schriftsteller sind davon betroffen und haben reichlich versucht, die Ursachen zu erforschen.
Meine Lösung ist: Niemals mit einem leeren Blatt anfangen. Meist löst sich meine Schreibhand (und mein blockiertes Gehirn) auf, sobald schon ein paar Zeilen Geschriebenes dastehen, irgendwas, und schon kann ich drauflosschreiben – und werde damit lockerer für meine geplante Schreibaufgabe.
Auch habe ich immer mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen. Komme ich also in dem einen nicht weiter, nehme ich mir ein anderes vor. Dadurch gewinne ich Abstand – und mit dem nächsten Versuch kann ich meist auch im ersten Projekt wieder anknüpfen.
Der Nachteil dieser Methode ist freilich, dass ich mir häufig vorkomme, als zöge ich eine breite Egge durch meinen Schreib-Acker: Es kostet mich viel Energie, die Projekte miteinander (und nicht eins nach dem anderen) zu Ende zu bringen.
Andererseits: Wer schon bringt ein ganzes Buchprojekt mühelos ans Ende? Letztlich gilt nur das Fertigwerden, mit welcher Methode des Schreibblockadenüberwindens auch immer.
Woher die Blockade kommt? Sie wird wohl ihre Gründe haben, denke ich mir oft, und mache mir aber, mit oben beschriebenem Vorgehen, darüber nicht weiter Gedanken.
Unsere Küche hat einen großen Nachteil: Der Austausch des Single-Kühlschranks, der seinerzeit in dem Sonderangebot »Küchenzeile, erweiterungsfähig« impliziert war, wurde nie vollzogen.
Inzwischen sind wir sechs Personen im Haushalt.
So liegt die Butter auf dem Sahnebecher, auf der Butter die Deckelbox mit der Wurst, auf der Deckelbox mit der Wurst das Paket Tortellini. Rund um den Sahnebecher werden, zur Stabilisierung des Oberbaus, die drei im Anbruch befindlichen Marmeladengläser kreisförmig angeordnet. Die Eiablage war damals sehr schnell im Keller gelandet, um für nie Aufgebrauchtes Platz zu schaffen: die Cumberlandsoße, der Meerrettich im Glas, die Sojasoße, die Worcestersoße, das Tomato-Chutney, das dann doch nicht geschmeckt hat, das Glas Wachteleier, aus dem die letzten drei Eier einfach nicht gebraucht werden, das Glas serbisches Ajvar, das, so scharf wie es ist, nie zu Ende geht. Die Eier haben dafür in der Küche einen Freiluftplatz bekommen.
Der Platz in der Kühlschranktür, der durch das ausgebaute Butterfach frei geworden ist, beherbergt jetzt eine Flasche Milch und zwei Flaschen Weißbier.
Da das Flaschenfach in der Kühlschranktür in der Regel blockiert ist durch zwei Flaschen Pils, zwei angebrochene Flaschen Weißwein, eine Flasche Schampus, mehr Platz ist nicht, deshalb steht die zweite Flasche Milch und manchmal auch die dritte (für das Cornflakes-Frühstück der vier Kinder lebensnotwendig) neben dem Sahne-Marmeladen-Butter-Wurst-Tortellini-Turm am Grunde des Kühlschranks, wo wir schon längst die Gemüseschübe entfernt haben. Karotten, Salat, Gurke, Tomaten, Auberginen und Zucchini finden also ihren Platz in einem dreistöckigen Hängekorb seitlich des Kühlschranks. Und wenn es nicht am selben Tag verbraucht wird, hängt es eben noch mehr.
Die kleine Stufe für das Abtauwasser in unserem Kühlschrank ist mit seinen zehn Zentimetern Zwischenraum der ideale Abstellplatz für Joghurtbecher. Das Tauwasser, das auf dem Joghurtdeckel immer wieder anfriert, hält ihn stets schön frisch.
Wir kommen zum Ende. Kochreste vom Tag vorher quetschen sich auf einem schmalen Gitterrost, über dem Sahne- bis Tortellini-Turm neben ein Senfglas, und auch die Preiselbeeren stehen hier.
Täglicher Streit ist unvermeidlich: Warum steht die Milch wieder draußen? Hält denn hier keiner Ordnung? Wo soll ich jetzt bitte das Fleisch hinpacken?
Ich reihe unseren Kühlschrank ein in die Liste der hundert Baustellen, die angeblich jeder Mensch in seinem Leben hat.
Du steckst mich an mit deinen Liedern, sie stecken mir schon in den Gliedern, ich spring und hüpf und spür mich schwingen, wenn du lässt deine Sprache singen.
Man isst und trinkt, dann macht man Siesta, um fit zu sein zur nächsten Fiesta.
Die Liebe leb und find ich hier. Du bist mein Schwarm, das sag ich dir! Als Stadt bist du voll Leichtigkeit, kein Zwang scheint hier, nicht Eitelkeit.
El sol, der Sonne Helligkeit versprüht Lust, Laune jederzeit.
Das Meer, der Strand, Café, der Wein - so lass auch ich die Arbeit sein und spute mich - lasst mich noch rein! Auf keinen Fall bleib ich allein
in Valencia!
von Irmgard Rosina Bauer
Hier habe ich den Valencia-Text für dich auf YouTube eingesprochen:
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
Der Christbaum, der geleuchtet helle,
liegt schon auf der Entsorgungsstelle.
Der Jahresrückblick ist verblasst,
der Forecast steht schon, als Kontrast.
Silvester hab’n wir’s krachen lassen,
wer wollt’ schon diesen Spaß verpassen!
So manches Vorhaben uns freut.
Manch andres uns bald wieder reut.
Wer jeden Tag im See wollt schwimmen,
lässt Trock’nes jetzt den Tag bestimmen.
Wer sein Gewicht wollt’ reduzieren,
müsste erst Süßes ignorieren.
Ist es den Aufwand wirklich wert?
Darf ich nicht leben unbeschwert?
Wer sich das fragt im Januar,
fang’ nochmal an im Februar!
Irmgard Rosina Bauer ist Autorin von Lebens-Reisebüchern und Reiseerzählungen. In ihre Bücher verwebt sie ihre eigenen Lebens- und Reisegeschichten. Sie möchte Frauen Mut im Leben und zum Reisen machen.
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