Noch läuft sie, die Wiesn. Und jedes Jahr staune ich aufs Neue, was dieses Fest mit ansonsten völlig vernünftigen Menschen anstellen kann.
Da wird gesungen, gegrölt, Geld ausgegeben – und am Ende sind sich Millionen Menschen offenbar einig: Da muss man hin. Das konnte ich natürlich nicht unbedichtet lassen.

Die Wiesn, ganz niedlich
Ganz niedlich kommt sie oft daher,
die Wiesn, doch dann folgenschwer:
Kaum sitzt du drinnen erst im Zelt,
bist du in einer neuen Welt:
Stehend find’st du dich auf Tischen,
fängst an, den Schaum vom Mund zu wischen,
du singst und grölst, kennst dich nicht wieder,
gibst Gassenhauertexte wieder,
die du, ganz nüchtern, nie anstimmst,
wenn du den Weg zur S-Bahn nimmst.
Trägst hemmungslos – er steht dir gut –
den diesjährigen Wiesn-Hut.
Geschmeidig ist das Bier geflossen
durch deine Kehle. Unverdrossen
hast du die nächste Maß bestellt –
mehr Flüssigkeit das Hirn erhellt!
Das Schädelweh nimmst du in Kauf,
wenn du am nächsten Tag stehst auf.
Ja, niedlich kommt sie oft daher,
die Wiesn, auch pekuniär.
Du willst ja deine Millionen
nicht ausgerechnet heute schonen.
Du willst einfach dazugehören,
den Geldfluss nicht auffallend stören,
dazugehörn, wie jedes Jahr,
zur riesigen Besucherschar!
So heißt dein Rechenschaftsbericht:
„Millionen Menschen irren nicht!“
© IrmgardRosinaBauer

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