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  • Die Wiesn, ganz niedlich – ein Oktoberfest-Gedicht mit Nebenwirkungen

    Die Wiesn, ganz niedlich – ein Oktoberfest-Gedicht mit Nebenwirkungen

    Noch läuft sie, die Wiesn. Und jedes Jahr staune ich aufs Neue, was dieses Fest mit ansonsten völlig vernünftigen Menschen anstellen kann.

    Da wird gesungen, gegrölt, Geld ausgegeben – und am Ende sind sich Millionen Menschen offenbar einig: Da muss man hin. Das konnte ich natürlich nicht unbedichtet lassen.

    Beine von Oktoberfestbesuchern in Tracht mit Haferlschuhen, Loferln und Dirndlschuhen auf der Münchner Wiesn.

    Die Wiesn, ganz niedlich

    Ganz niedlich kommt sie oft daher,
    die Wiesn, doch dann folgenschwer:

    Kaum sitzt du drinnen erst im Zelt,
    bist du in einer neuen Welt:

    Stehend find’st du dich auf Tischen,
    fängst an, den Schaum vom Mund zu wischen,

    du singst und grölst, kennst dich nicht wieder,
    gibst Gassenhauertexte wieder,

    die du, ganz nüchtern, nie anstimmst,
    wenn du den Weg zur S-Bahn nimmst.

    Trägst hemmungslos – er steht dir gut –
    den diesjährigen Wiesn-Hut.

    Geschmeidig ist das Bier geflossen
    durch deine Kehle. Unverdrossen

    hast du die nächste Maß bestellt –
    mehr Flüssigkeit das Hirn erhellt!

    Das Schädelweh nimmst du in Kauf,
    wenn du am nächsten Tag stehst auf.

    Ja, niedlich kommt sie oft daher,
    die Wiesn, auch pekuniär.

    Du willst ja deine Millionen
    nicht ausgerechnet heute schonen.

    Du willst einfach dazugehören,
    den Geldfluss nicht auffallend stören,

    dazugehörn, wie jedes Jahr,
    zur riesigen Besucherschar!

    So heißt dein Rechenschaftsbericht:
    „Millionen Menschen irren nicht!“

    © IrmgardRosinaBauer

    Große bunte Figuren einer Frau im Dirndl und eines Mannes in Lederhose auf dem Oktoberfest in München.

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  • Wiesn-Sonntag

    Heut ist der erste Wiesn-Sonntag – und die ganze Stadt München ist im Ausnahmezustand. In diesem frechen Oktoberfest-Gedicht nehme ich dich mit auf die Theresienwiese: zwischen Trachtenzug, Italiener-Gaudi und all dem Krach, der zwei Wochen lang München bestimmt. Hör dir mein Reimgedicht an oder lies es hier weiter unten und schmunzle mit über das bunte Treiben auf der Wiesn.

    Nichts Menschliches ist mir fremd – das teile ich voll Überzeugung mit dem römischen Dichter Terenz.
    Ja mei, täte der Münchner und die Münchnerin dazu sagen. So samma hoit, mia Menschn.

    Hör dir mein Oktoberfest-Gedicht hier an:

    oder lies es hier als Text:

    Wiesn-Sonntag 

    Heut ist der erste Wiesn-Sonntag
    mit Trachtlern, Schützen, Trommelanschlag,
    mit Prachtzug durch die Innenstadt
    und allem, was Rang und Namen hat.

    Drei Monate wurd‘ aufgebaut.
    Die Vorfreude ist angestaut
    für all den Spaß und all den Krach,
    der München hält so lang in Schach,

    bis auch der letzte Italiener
    seinen allerletzten Zehner
    hat aus’geb’n für sein Herzilein
    im Rausch – verzeih, es ist zum Schrei’n!

    Wenn wir dann über ’d Wiesn bummeln,
    schau’n, wie die Menschen sich dort tummeln,
    die meisten sich schon gehenließen,
    verzeih, aber es ist zum Schießen.

    Wie sie dann liegen auf den Wiesen,
    die abgetrampelt von den Füßen
    und vollgereihert schon seit Tagen …
    Pardon! Ich wollt’ den Herrgott fragen,

    ob er uns auch im nächsten Jahr
    den Spaß erlaubt, ganz unstrafbar,
    zwei Wochen lang, stand- und trinkfest
    zu feiern das Oktoberfest?