Noch läuft sie, die Wiesn. Und jedes Jahr staune ich aufs Neue, was dieses Fest mit ansonsten völlig vernünftigen Menschen anstellen kann.
Da wird gesungen, gegrölt, Geld ausgegeben – und am Ende sind sich Millionen Menschen offenbar einig: Da muss man hin. Das konnte ich natürlich nicht unbedichtet lassen.
Die Wiesn, ganz niedlich
Ganz niedlich kommt sie oft daher, die Wiesn, doch dann folgenschwer:
Kaum sitzt du drinnen erst im Zelt, bist du in einer neuen Welt:
Stehend find’st du dich auf Tischen, fängst an, den Schaum vom Mund zu wischen,
du singst und grölst, kennst dich nicht wieder, gibst Gassenhauertexte wieder,
die du, ganz nüchtern, nie anstimmst, wenn du den Weg zur S-Bahn nimmst.
Trägst hemmungslos – er steht dir gut – den diesjährigen Wiesn-Hut.
Geschmeidig ist das Bier geflossen durch deine Kehle. Unverdrossen
hast du die nächste Maß bestellt – mehr Flüssigkeit das Hirn erhellt!
Das Schädelweh nimmst du in Kauf, wenn du am nächsten Tag stehst auf.
Ja, niedlich kommt sie oft daher, die Wiesn, auch pekuniär.
Du willst ja deine Millionen nicht ausgerechnet heute schonen.
Du willst einfach dazugehören, den Geldfluss nicht auffallend stören,
dazugehörn, wie jedes Jahr, zur riesigen Besucherschar!
So heißt dein Rechenschaftsbericht: „Millionen Menschen irren nicht!“
Wenn du solche kleinen Beobachtungen aus dem ganz normalen – und manchmal ziemlich unnormalen – Leben magst: In meinen „Augenzwinkereien“ treffen Reime, Geschichten und Bilder aufeinander.
Eine August-Reimgeschichte mit vorweihnachtlichen Nebenwirkungen
Es ist Ende August. Die Sonne scheint noch, die Sandalen stehen noch im Flur – und irgendwo sagt garantiert schon jemand:
„Wir müssten langsam mal Weihnachten planen.“
Wirklich?
Vier Monate vorher?
Offenbar ja. Denn Weihnachten ist nicht nur Weihnachten. Weihnachten ist ein Projekt.
Wer kommt? Wo feiern wir? Wer schenkt wem etwas? Schenken wir überhaupt noch etwas? Wer spielt Flöte? Wer wäre besser beraten, nicht Flöte zu spielen?
Und dann sind da noch Weihnachtsfeier, Kirchenchor, Sportverein, Kindergarten, Schule, Familie …
Kein Wunder, dass vier Monate kaum reichen.
Der letzte Schrei
(Irmgard Rosina Bauer)
Im August, sieh an, sieh an, fängt schon die Weihnachtsplanung an.
Wo man sich trifft, wie man’s gestaltet, ob Altkonzepte sind veraltet?
Ob man was schenkt oder ob nicht, wie man bewahrt ein gut’s Gesicht.
Man überlegt, was man mag üben, um nicht mit Flötenton zu trüben,
was Weihnachtsfreude werden soll, und ob man Dur spielt oder Moll.
Die Weihnachtsfeier im Büro, im Kirchenchor und ebenso
im Sportverein, im Kindergarten, in Schulen gleich auf mehr’re Arten –
vier Monate genügen kaum, zu planen unsern Weihnachtstraum.
Erlösung naht! Der Dernier cri wird Planung sein von der KI.
Nur soll sie bitte nicht vergessen,
dass wir nichts Digitales essen!
Ob dieser Flötenton die Weihnachtsfreude trüben würde?
Und nun?
Tatsächlich muss nur eines weiterhin analog erledigt werden:
Weihnachten.
Essen, zusammensitzen, lachen, streiten, sich wieder vertragen, zu viel Plätzchen essen, schiefe Flötentöne ertragen und irgendwann feststellen, dass es trotz aller Planung wieder ganz anders gekommen ist.
Vielleicht ist genau das das Schöne daran.
Und bis dahin?
Ist noch August.
Also genieße ich erst einmal den Sommer.
Noch mehr Augenzwinkern?
„Der letzte Schrei“ gehört zu meinen „Augenzwinkereien zwischen Jahr und Tag“ – Reimgeschichten über die kleinen und größeren Absurditäten unseres Alltags.
Dort begegnen sich Reisen, Natur, Alltag, Wein, Sonntage und all die Dinge, bei denen das Leben offenbar beschlossen hat, sich nicht ganz ernst zu nehmen.
Man schenkte eine Vase. Blumen. Einen Schal. Eine Flasche Wein. Vielleicht noch Pralinen, wenn einem gar nichts mehr einfiel.
Heute steht man vor Menschen, die bereits zehn Vasen, zwanzig Schals und vermutlich auch den besseren Wein haben.
🎄 Und was schenkt man so einem Menschen zu Weihnachten?
Gerade zu Weihnachten stellt sich die Frage besonders: Was schenkt man jemandem, der eigentlich nichts mehr braucht? Das passt besonders gut: Etwas Digitales zum Lesen, Hören, Schmunzeln oder Nachdenken, das keinen Platz im Schrank beansprucht.
Aus meinem hübsch geschmückten Weihnachtsbooklet kannst du dir sogar die Gedichte, die dir besonders gefallen, einzeln ausdrucken und zu einem Geschenk hinzufügen.
Ja, das ist der schwierigste Satz überhaupt:
„Ich brauche wirklich nichts.“
Was schenkt man Menschen, die schon alles haben?
Genau diese Frage finde ich inzwischen ziemlich spannend.
Denn „nichts brauchen“ heißt ja nicht unbedingt, dass einem nichts mehr Freude macht.
Vielleicht braucht es nur weniger Dinge.
Keine siebte Kerze. Keine vierzehnte Tasse mit einem Spruch darauf.
Vielleicht darf ein Geschenk stattdessen etwas anderes sein.
Ein gemeinsames Essen.
Ein Ausflug.
Ein Foto, das eine alte Geschichte wieder hervorholt.
Ein Text, bei dem man plötzlich denkt: Genau so ist es.
Oder einer, bei dem man einfach lachen muss.
Das beste Geschenk muss nicht viel Platz brauchen
Je älter ich werde, desto sympathischer wird mir dieser Gedanke.
Was mir Freude macht, muss nicht unbedingt anschließend in einem Regal stehen.
Manches darf einfach einen Moment lang ein Schmunzeln auslösen, einen Gedanken, eine Erinnerung. Vielleicht sogar die Lust, selbst wieder etwas anzufangen.
Fünf digitale Reimgeschichten-Bände der Augenzwinkereien-Reihe von Irmgard Rosina Bauer – humorvolle Geschenkideen zum Lesen, Schmunzeln und Verschenken.
Das ist für mich inzwischen eine ziemlich schöne Form von Geschenk: etwas, das nicht noch mehr Besitz produziert, sondern etwas im Menschen in Bewegung bringt.
Und digitale Geschenke?
Ich gebe zu: Früher hätte ich bei einem digitalen Geschenk vermutlich zuerst an einen eher lieblosen Gutschein gedacht.
Heute sehe ich das anders.
Ein digitales Geschenk kann ausgesprochen persönlich sein. Eine Geschichte. Ein Hörtext. Ein kleines Buch. Ein Gedanke für zwölf Monate. Etwas zum Lesen am Sonntagmorgen oder zum Anhören, wenn gerade niemand etwas von einem will.
Und es hat noch einen Vorteil, den man spätestens am 23. Dezember zu würdigen weiß:
Es muss nicht mehr mit der Post kommen.
Kein Paket verfolgen.
Kein „Zustellung leider nicht möglich“.
Kein hektischer Sprint durch die Innenstadt auf der Suche nach irgendetwas, das noch halbwegs nach guter Idee aussieht.
Ein bisschen Schmunzeln kann man fast immer gebrauchen
Vielleicht mag ich deshalb meine Reimgeschichten als Geschenkidee so gern.
Sie lösen keine großen Probleme. Sie erklären nicht die Welt. Und sie behaupten auch nicht, dass nach drei Seiten plötzlich alles leichter wird.
Aber vielleicht entdeckt man darin einen Sonntag, einen Waldweg, eine Reise, eine Marotte oder eine kleine Verrücktheit des Alltags wieder.
Und manchmal reicht ja genau das: Ein paar Minuten Pause mit einem Lächeln darin.
Und danach geht das eigene Leben wieder weiter.
Geschenke dürfen leicht sein
Ich habe deshalb meine digitalen Geschenkideen inzwischen einmal an einem Ort gesammelt.
Nicht nur Reimgeschichten, sondern auch Gedankenfunken, kleine Auszeiten, den Lebenskompass und einige etwas eigenwilligere Fundstücke.
Für Menschen, die schon alles haben.
Außer vielleicht genug zum Schmunzeln, Nachdenken oder Losziehen.
Denn ein gutes Geschenk muss nicht beweisen, wie viel Mühe man sich gemacht hat.
Es darf einfach sagen: Ich habe an dich gedacht.
Und wenn es dabei noch ein bisschen Lust aufs eigene Leben macht, umso besser.
Schreib mir einen Kommentar, wenn du das anders siehst!
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