In dieser Kategorie finden sich Texte, die über längere Zeit wirken dürfen.
Gedanken, Serien, Rückblicke und Erfahrungen, die nicht nur für den Moment geschrieben sind.
Texte, die man wiederlesen kann – und die mitgehen, statt schnell zu vergehen.
Mit 70 könnte ich es mir eigentlich gemütlich machen.
Ein bisschen zurücklehnen. Weniger anfangen. Weniger zeigen. Weniger wollen.
Nur scheint Petrus dazu eine andere Meinung zu haben.
In meinem Kirchweihgedicht lässt er mich jedenfalls noch nicht rein. Erst soll ich gefälligst mein Talent nutzen, mutiger sichtbar sein und etwas gegen den Kulturverfall tun.
Ein Kirchweihgedicht
Ich stehe vor dem Himmelstor, dahinter lugt Petrus hervor.
„Hast du schon ein Kirchweihgedicht?“ „Ein Kirchweihgedicht? – Nein, hab ich nicht.“
„Dann hast du hier noch nichts zu suchen. Ich kann dich leider nicht einbuchen.
Beweis erst drunten dein Talent, Und nutz es mehr – und vehement!
Denn es braucht Dichter überall. Rett uns vor dem Kulturverfall!
Zeig allen deine Fähigkeit! Glaub nicht, es sei nur Eitelkeit!
Hab Mut zu deinem Anderssein! Dann lass ich dich im Himmel rein.“
Zu einer großen Familienfeier habe ich vor kurzem wieder ein farbenfrohes Käsebuffet gestaltet.
Dabei kam ziemlich viel altes Wissen zum Einsatz: aus einer früheren Lebensphase, aus meinem Delikatessenladen „Gourmetrion“.
Jede Käsefamilie soll vertreten sein: Ein Weißschimmel, ein Rotschmierer, ein Bleu, ein Harter, eine Ziege, ein Schaf … Was passt von der Form und Größe her zusammen, wo braucht es noch Farbe. Und so wichtig: Welche Deko macht Atmosphäre und Lust zum Zugreifen, wie viel davon, wie über das Buffet verteilt? Punktuelle Anhäufung oder in kleinen Happen verstreut?
Und: Wie viel ist genug – und wann wird aus Vielfalt einfach nur Überfülle?
Während ich Käse, Trauben, Physalis, Brot und kleine Besonderheiten arrangierte, dachte ich plötzlich:
Eigentlich arbeite ich heute als Autorin gar nicht so anders.
Ich schreibe Kurzgeschichten und Reimgeschichten und packe sie in Bücher. Ich fotografiere, arbeite mit Audio, erzähle von Reisen, Herkunft, Familie, Freiheit, Neuanfang und den kleinen Absurditäten des Alltags.
Auf den ersten Blick ist das ziemlich viel.
Auf den zweiten geht es um dasselbe wie beim Käsebuffet: auswählen, kombinieren, anordnen – und aus vielen einzelnen Dingen ein sinnliches Ganzes entstehen lassen.
Ein gutes Buffet besteht ja auch nicht nur aus einer einzigen Käsesorte.
Gerade die Unterschiede machen es interessant.
Der eine greift zum kräftigen Bergkäse, die andere zum milden Brie, jemand entdeckt etwas, das er noch nie probiert hat. Man schaut, kostet, vergleicht, kommt ins Gespräch.
So wünsche ich mir auch die Arbeit an meinem Werk.
Viele Abteilungen – ein Haus
Oft habe ich mich gefragt, ob meine vielen Themen vielleicht zu unterschiedlich sind, ob ich mich nicht auf ein Genre festlegen müsste.
Mein Käsebuffet ist heute zu einem ganzen Kaufhaus geworden, mit verschiedenen Abteilungen:
Herkunft und Siebenbürgen
Reisen und Lebenswege
zweite Lebenshälfte und Neuanfang
Humor und Augenzwinkereien
Gedichte und Fototexte
Bücher, Hörstücke und Geschichten
Die Abteilungen sind für sich unterschiedlich, und doch gehören sie zusammen.
Hinter allem steckt derselbe Blick: neugierig, lebensnah, alltagstauglich, manchmal schräg – und mit viel Lust aufs eigene Leben.
Fülle ist nicht dasselbe wie Überladung
Das habe ich beim Käsebuffet wieder gemerkt.
Vieles nebeneinander kann wunderbar wirken – wenn es bewusst zusammengestellt ist.
Das gilt für Käseplatten und kreative Arbeit – und sogar fürs Leben.
Wir müssen nichts, gar nichts, weglassen, was zu uns gehört, was uns ausmacht, auch unsere Ecken und Kanten sind liebenswert.
Manchmal müssen wir nur besser erkennen, wie es zusammenpasst – und wie wir uns präsentieren.
Und wenn am Ende jemand stehen bleibt, schaut, lächelt und sagt: „Oh, das hätte ich jetzt gern probiert“ – dann ist schon ziemlich viel gelungen.
September. Plötzlich ist es wieder da: das R im Monatsnamen.
Und mit ihm tauchen zuverlässig die alten Regeln auf. Nicht mehr im See baden. Wärmer anziehen. Aufpassen, dass man sich nicht erkältet. Und irgendwo gibt es garantiert jemanden, der genau weiß, was man in Monaten mit R tun – oder besser lassen – sollte.
Ich mag solche überlieferten Alltagsweisheiten. Nicht unbedingt, weil ich mich daran halte. Sondern weil sie wunderbar zeigen, wie selbstverständlich kleine Regeln von einer Generation zur nächsten wandern.
Und manchmal muss man nur ein bisschen länger über eine solche Regel nachdenken – und schon entwickelt sie ein erstaunliches Eigenleben.
Genau so entstand meine Reimgeschichte „Das R“.
Die Monate mit R
Irmgard Rosina Bauer
Die Monate mit R darin, sagt meine alte Nachbarin, verbieten uns, weiter zu baden im See, im Fluss, es könnt‘ uns schaden!
Erkältung könnte uns ereilen, während wir im Flusse weilen. Auch dieses weiß ja jedes Kind: Die Grippewelle nun beginnt.
Die Zugvögel, sie sammeln sich, das Wetter wird veränderlich. Der Tag hat seine Pflicht vollbracht, und übergibt der Nacht die Macht.
Die Beerenzeit ist nun vorüber, und doch steht Gut’s dem gegenüber: Wer möchte schon, als Leckerbissen, die Trauben, Äpfel, Pilze missen!
Und Muscheln! Aus dem großen Meer! Die Nachbarin empfiehlt mir sehr den Verzehr in Monaten mit R
Noch mehr kleine Alltagsbeobachtungen?
„Das R“ gehört zu meinen Augenzwinkereien – kurzen Reimgeschichten, in denen Alltag, Reisen, Natur und die kleinen Verrücktheiten des Lebens auf meine eigenen Fotografien treffen.
Manchmal passen Bild und Text wunderbar zusammen. Manchmal herrlich unpassend. Und manchmal entsteht gerade daraus noch eine zweite kleine Geschichte.
„Die Monate mit R“ als Ausdruck – so können die Augenzwinkereien aussehen: kleine literarische Seiten zum Lesen, Verschenken oder Weitergeben.
Eine August-Reimgeschichte mit vorweihnachtlichen Nebenwirkungen
Es ist Ende August. Die Sonne scheint noch, die Sandalen stehen noch im Flur – und irgendwo sagt garantiert schon jemand:
„Wir müssten langsam mal Weihnachten planen.“
Wirklich?
Vier Monate vorher?
Offenbar ja. Denn Weihnachten ist nicht nur Weihnachten. Weihnachten ist ein Projekt.
Wer kommt? Wo feiern wir? Wer schenkt wem etwas? Schenken wir überhaupt noch etwas? Wer spielt Flöte? Wer wäre besser beraten, nicht Flöte zu spielen?
Und dann sind da noch Weihnachtsfeier, Kirchenchor, Sportverein, Kindergarten, Schule, Familie …
Kein Wunder, dass vier Monate kaum reichen.
Der letzte Schrei
(Irmgard Rosina Bauer)
Im August, sieh an, sieh an, fängt schon die Weihnachtsplanung an.
Wo man sich trifft, wie man’s gestaltet, ob Altkonzepte sind veraltet?
Ob man was schenkt oder ob nicht, wie man bewahrt ein gut’s Gesicht.
Man überlegt, was man mag üben, um nicht mit Flötenton zu trüben,
was Weihnachtsfreude werden soll, und ob man Dur spielt oder Moll.
Die Weihnachtsfeier im Büro, im Kirchenchor und ebenso
im Sportverein, im Kindergarten, in Schulen gleich auf mehr’re Arten –
vier Monate genügen kaum, zu planen unsern Weihnachtstraum.
Erlösung naht! Der Dernier cri wird Planung sein von der KI.
Nur soll sie bitte nicht vergessen,
dass wir nichts Digitales essen!
Ob dieser Flötenton die Weihnachtsfreude trüben würde?
Und nun?
Tatsächlich muss nur eines weiterhin analog erledigt werden:
Weihnachten.
Essen, zusammensitzen, lachen, streiten, sich wieder vertragen, zu viel Plätzchen essen, schiefe Flötentöne ertragen und irgendwann feststellen, dass es trotz aller Planung wieder ganz anders gekommen ist.
Vielleicht ist genau das das Schöne daran.
Und bis dahin?
Ist noch August.
Also genieße ich erst einmal den Sommer.
Noch mehr Augenzwinkern?
„Der letzte Schrei“ gehört zu meinen „Augenzwinkereien zwischen Jahr und Tag“ – Reimgeschichten über die kleinen und größeren Absurditäten unseres Alltags.
Dort begegnen sich Reisen, Natur, Alltag, Wein, Sonntage und all die Dinge, bei denen das Leben offenbar beschlossen hat, sich nicht ganz ernst zu nehmen.
Man schenkte eine Vase. Blumen. Einen Schal. Eine Flasche Wein. Vielleicht noch Pralinen, wenn einem gar nichts mehr einfiel.
Heute steht man vor Menschen, die bereits zehn Vasen, zwanzig Schals und vermutlich auch den besseren Wein haben.
🎄 Und was schenkt man so einem Menschen zu Weihnachten?
Gerade zu Weihnachten stellt sich die Frage besonders: Was schenkt man jemandem, der eigentlich nichts mehr braucht? Das passt besonders gut: Etwas Digitales zum Lesen, Hören, Schmunzeln oder Nachdenken, das keinen Platz im Schrank beansprucht.
Aus meinem hübsch geschmückten Weihnachtsbooklet kannst du dir sogar die Gedichte, die dir besonders gefallen, einzeln ausdrucken und zu einem Geschenk hinzufügen.
Ja, das ist der schwierigste Satz überhaupt:
„Ich brauche wirklich nichts.“
Was schenkt man Menschen, die schon alles haben?
Genau diese Frage finde ich inzwischen ziemlich spannend.
Denn „nichts brauchen“ heißt ja nicht unbedingt, dass einem nichts mehr Freude macht.
Vielleicht braucht es nur weniger Dinge.
Keine siebte Kerze. Keine vierzehnte Tasse mit einem Spruch darauf.
Vielleicht darf ein Geschenk stattdessen etwas anderes sein.
Ein gemeinsames Essen.
Ein Ausflug.
Ein Foto, das eine alte Geschichte wieder hervorholt.
Ein Text, bei dem man plötzlich denkt: Genau so ist es.
Oder einer, bei dem man einfach lachen muss.
Das beste Geschenk muss nicht viel Platz brauchen
Je älter ich werde, desto sympathischer wird mir dieser Gedanke.
Was mir Freude macht, muss nicht unbedingt anschließend in einem Regal stehen.
Manches darf einfach einen Moment lang ein Schmunzeln auslösen, einen Gedanken, eine Erinnerung. Vielleicht sogar die Lust, selbst wieder etwas anzufangen.
Fünf digitale Reimgeschichten-Bände der Augenzwinkereien-Reihe von Irmgard Rosina Bauer – humorvolle Geschenkideen zum Lesen, Schmunzeln und Verschenken.
Das ist für mich inzwischen eine ziemlich schöne Form von Geschenk: etwas, das nicht noch mehr Besitz produziert, sondern etwas im Menschen in Bewegung bringt.
Und digitale Geschenke?
Ich gebe zu: Früher hätte ich bei einem digitalen Geschenk vermutlich zuerst an einen eher lieblosen Gutschein gedacht.
Heute sehe ich das anders.
Ein digitales Geschenk kann ausgesprochen persönlich sein. Eine Geschichte. Ein Hörtext. Ein kleines Buch. Ein Gedanke für zwölf Monate. Etwas zum Lesen am Sonntagmorgen oder zum Anhören, wenn gerade niemand etwas von einem will.
Und es hat noch einen Vorteil, den man spätestens am 23. Dezember zu würdigen weiß:
Es muss nicht mehr mit der Post kommen.
Kein Paket verfolgen.
Kein „Zustellung leider nicht möglich“.
Kein hektischer Sprint durch die Innenstadt auf der Suche nach irgendetwas, das noch halbwegs nach guter Idee aussieht.
Ein bisschen Schmunzeln kann man fast immer gebrauchen
Vielleicht mag ich deshalb meine Reimgeschichten als Geschenkidee so gern.
Sie lösen keine großen Probleme. Sie erklären nicht die Welt. Und sie behaupten auch nicht, dass nach drei Seiten plötzlich alles leichter wird.
Aber vielleicht entdeckt man darin einen Sonntag, einen Waldweg, eine Reise, eine Marotte oder eine kleine Verrücktheit des Alltags wieder.
Und manchmal reicht ja genau das: Ein paar Minuten Pause mit einem Lächeln darin.
Und danach geht das eigene Leben wieder weiter.
Geschenke dürfen leicht sein
Ich habe deshalb meine digitalen Geschenkideen inzwischen einmal an einem Ort gesammelt.
Nicht nur Reimgeschichten, sondern auch Gedankenfunken, kleine Auszeiten, den Lebenskompass und einige etwas eigenwilligere Fundstücke.
Für Menschen, die schon alles haben.
Außer vielleicht genug zum Schmunzeln, Nachdenken oder Losziehen.
Wir verbringen viel Zeit damit, unser Leben größer zu machen.
Mehr Platz. Mehr Komfort. Mehr Dinge. Mehr Sicherheit.
Und irgendwann stellen manche von uns fest, dass genau das alles ziemlich schwer geworden ist.
Vielleicht brauchen wir manchmal gar nicht mehr.
Vielleicht brauchen wir weniger.
Die Geschichte
Mit 52 Jahren stieg ich allein in meinen kleinen Van und fuhr nach Südfrankreich.
Nicht in ein Hotel. Nicht auf einen Campingplatz mit allem Komfort.
Mein Schlafzimmer befand sich direkt hinter den Vordersitzen.
Verstohlen schlich ich von der Fahrertür zur Heckklappe, nahm meine gelb-blau gestreifte Ikea-Tagesdecke herunter und bereitete mein Bett vor. Schlafanzug? Brauchte ich nicht. Noch schnell ein letzter Gang in die Wiese, dann rücklings auf das Trittbrett, den Kopf einziehen, den Körper hinterherziehen – und irgendwann lag ich.
Ich schaute nach oben.
Und dachte nur:
„Ganz schön eng hier oben.“
Heute muss ich über diesen Satz schmunzeln.
Damals begann dort etwas viel Größeres als nur eine Übernachtung im Auto.
Mein Gedanke
Manchmal glauben wir, Freiheit brauche viel Platz.
Ein großes Haus. Ein großes Auto. Ein großes Konto.
Ich habe damals etwas anderes erlebt.
Je kleiner mein Lebensraum wurde, desto größer wurde plötzlich meine innere Freiheit.
Ich musste kaum Entscheidungen treffen.
Ich hatte wenig Besitz (ach, immer noch zu viel!).
Wenig Ablenkung.
Dafür ganz viel Zeit.
Zeit zum Nachdenken. Zeit zum Schauen. Zeit zum Atmen.
Und Zeit, mir die Frage zu stellen:
Welche Bedürfnisse sind mit den Jahren verloren gegangen? Was brauche ich eigentlich wirklich?
Diese Reise hat mein Leben verändert.
Nicht, weil alles leicht war.
Sondern weil sie ehrlich war.
Passend zu diesem Gedanken
Aus dieser Reise entstand später mein Roman und Hörbuch „Und sonst nichts“.
Es erzählt die wahre Geschichte einer Frau, die mit 52 Jahren allein nach Südfrankreich aufbricht – nicht auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten, sondern nach sich selbst.
Vielleicht erkennst du dich in manchen Gedanken wieder.
Vielleicht begleitet dich Rosis Lebensreise auch ein kleines Stück auf deiner eigenen.
Manche Menschen sammeln Briefmarken, andere Kühlschrankmagnete.
Ich sammle Abenteuer. Gerne die ganz großen, aber auch die kleinen, über die man sich erst später wundert.
Die Geschichte
Ja, ich bin eine Rumtreiberin. Und eine Diebin. Ja, ich bin gerne unterwegs und stehle mit den Augen.
Doch dann gebe ich mein Diebinnengut auch wieder her – umgewandelt in Reimgeschichten, in Augenzwinkereien über Wein und Rauschen, über Koffer und Kompass, über Wald und Wunder, über Jahr und Tag, über Sonntage und was auch immer da noch kommen wird, worüber ich neue Reimgeschichten schreiben kann.
Unterwegs interessieren mich keine Fünf-Sterne-Hotels, außer, es passiert darin das, was mich fasziniert und verwundert: Die Natur als solche (die fehlt mir dort) und die Natur im Menschlichen.
Mich interessiert der Mann, der seinen Hund spazieren führt, obwohl der Hund offensichtlich lieber zu Hause geblieben wäre.
Mich interessiert die Gans, die glaubt, sie habe Vorfahrt.
Oder das Gartentor, das aussieht, als hätte es heute schlechte Laune.
Manchmal bleibe ich da zum Fotografieren stehen, manchmal zum Schmunzeln – und irgendwann reimt sich plötzlich alles.
Manche Reimgeschichten beginnen mit einem Straßenschild, das man nicht einmal aussprechen kann.
Mein Gedanke
Meine Abenteuer enden oft in einer gereimten Form, in einem Foto, in einem Buch, auch als gesprochene Worte in einer YouTube-Playlist. Da nehme ich euch mit.
Denn ich habe festgestellt: Die Welt ist voller Geschichten.
Man muss sie nicht erfinden., man muss sie nur entdecken.
Passend zu diesem Gedanken
Genau so entstehen meine Reimgeschichten.
Aus schrägen Begegnungen, aus kleinen Missgeschicken der Natur, der Menschen und in Momenten, die man übersehen könnte.
„Ach, da gibt es doch noch ein unpassend-passendes Foto“, assoziiere ich dann – und so werden aus poetischen Spaziergängen kleine Bücher: Augenzwinkereien.
Und jetzt bist du dran
Wann hast du zuletzt über etwas gelacht, das eigentlich völlig alltäglich war?
Vielleicht wartet dort schon meine-deine nächste Geschichte. So wie diese:
Der Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl gehört für viele Menschen mit siebenbürgischen Wurzeln zu den emotionalsten Begegnungsorten zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Tradition, Trachten, Musik, Erinnerungen und generationsübergreifende Heimatverbundenheit kommen hier jedes Jahr zusammen.
2026 nahm die HOG Gergeschdorf (Unterwald) erstmals am großen Trachtenumzug des Heimattags teil – mit der Startnummer 69 von über 100 Gruppen.
Organisiert und vorbereitet wurde die Teilnahme von Hans Schuster und seiner Schwester Maria Hermann.
„Geht doch auch einmal mit!“, hatte ihre Mutter die Geschwister schon vor Jahren ermuntert. Nun erfüllten sie diesen Wunsch – ihrer Mutter und ebenso sich selbst. Gergeschdorf erstmals im Trachtenzug vertreten zu sehen, war auch für viele ältere Teilnehmer ein bewegender Moment.
Ja, mein Stefani-Opa stammt aus Gergeschdorf. Doch ich selbst bin in München geboren – genauso wie mein Sohn Philipp, der Urenkel.
Zwischen München und Gergeschdorf: Irmgard Rosina und ihr Sohn Philipp in traditioneller Gergeschdorfer Tracht beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl. Für beide wurde der Tag zu einer besonderen Begegnung mit den eigenen Wurzeln.
Weit weg. Und trotzdem verbunden.
Gerade deshalb bedeutete uns die herzliche Aufnahme innerhalb der Gergeschdorfer Gruppe besonders viel. Wir wurden nicht wie Gäste behandelt, sondern wie selbstverständlich aufgenommen.
Der Heimattag in Dinkelsbühl wurde für uns zu einer Begegnung zwischen Herkunft, Erinnerung und Gegenwart.
Der große Aufwand hinter den siebenbürgischen Trachten
Ich durfte miterleben, wie viel Arbeit und Herzblut hinter einer solchen erstmaligen Teilnahme steckt.
Über Monate hinweg wurden Trachtenteile gesammelt, gewaschen, gebügelt, ergänzt und angepasst. Am Ende konnte schließlich eine rund dreißigköpfige Gruppe mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern in authentischer siebenbürgisch-sächsischer Tracht den kritischen Blicken eines „Trachtenchecks“ standhalten.
Rund dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer der HOG Gergeschdorf nahmen erstmals am Trachtenumzug des Heimattags teil.
Die Anspannung im Helferkreis war deutlich spürbar – schließlich war es das erste Mal.
Dass dies ausgerechnet im Jahr des 40-jährigen Bestehens der HOG Gergeschdorf geschah, verlieh dem Ganzen zusätzliche Bedeutung.
Das neue HOG-Schild von Gergeschdorf wird stolz präsentiert
Wie Heimat angezogen wird
Als Trachten-Unerfahrene durfte ich mich den sachkundigen Händen von Maria Hermann und Katharina Lutsch anvertrauen.
Geduldig kleideten sie mich Schicht für Schicht in die traditionelle Gergeschdorfer Frauentracht ein. Auch Philipp wurde mit Tracht ausgestattet. Besonders stolz war er, als schließlich sogar noch ein passender schwarzer Hut für ihn bereitlag.
Während des Ankleidens wurde mir bewusst, dass Tracht weit mehr ist als Kleidung.
Sie erzählt Geschichten: von Herkunft, von Gemeinschaft, von Erinnerung, und vom Weitergeben kultureller Traditionen zwischen den Generationen.
Hans Schuster mit seinen Söhnen. Gemeinsam mit seiner Schwester Maria Hermann organisierte er die erstmalige Teilnahme der HOG Gergeschdorf am Trachtenumzug.
Maria Hermann und Kathi Lutsch unterstützten mit ihrem Trachtenfachwissen tatkräftig bei der Ausstattung.
Die beiden tragen den traditionellen Kopfschmuck verheirateter Frauen. Das weiße zarte Tuch wird kunstvoll um den Kopf gelegt und mit traditionellen Bockelnadeln (oft aus Silber und filigran gearbeitet) am Haupt befestigt.
Gergeschdorf als innerer Anker
Gergeschdorf wurde für uns beide zu einem inneren Anker.
Durch meinen Großvater und meinen Urgroßvater, der nach der Deportation in die ehemalige Sowjetunion schließlich in Garching bei München landete, fühlten wir uns auf besondere Weise zugehörig – auch wenn wir uns gleichzeitig als siebenbürgische Bayern verstehen.
Vielleicht liegt Heimat manchmal genau zwischen zwei Welten.
Wir sind gemeinsam gegangen, haben uns erinnert – und bleiben trotzdem im Heute.
Vielleicht ist genau das Heimat.
Hans Schuster engagiert sich: Make Gergeschdorf great again!
Zwischen München und Siebenbürgen
Dieser Beitrag ist Teil meines fortlaufenden Projekts „Zwischen München und Siebenbürgen“. Darin sammle ich Erinnerungen, Begegnungen, Fotos und Geschichten rund um siebenbürgisch-sächsische Heimat, Familie und Lebenswege.
Die Bildrechte der verwendeten Fotos liegen bei Irmgard Rosina Bauer.
Über die Autorin Irmgard Rosina Bauer schreibt über Lebenswege, Heimat, Familie, Erinnerung und die kleinen Übergänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Muttertag ist genau der richtige Moment, um etwas anderes zu schenken:
Nicht nur etwas für einen Tag. Sondern etwas für die Seele.
👉 Einen Gedanken. 👉 Oder eine ganze Reise.
✨ Mein Muttertags-Tipp
Wenn du gerade überlegst, was wirklich gut tun würde:
👉 Wähle den Gedankenfunken, wenn du etwas Leichtes, Schnelles suchst (gibt es auch separat als PDF oder als Audio oder eben als Set). 👉 Wähle das Hörbuch, wenn du tiefer eintauchen möchtest.
Oder schenke dir (oder deiner Mutter) einfach beides.
Ein Impuls für den Moment. Und eine Geschichte, die bleibt.
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