Ich bin in Bayern groß geworden. Und doch taucht Siebenbürgen immer wieder in meinem Leben auf.
In Familiengeschichten. In Redewendungen. In Erinnerungen. In bestimmten Gerüchen, Gewohnheiten und Vorstellungen davon, wie man lebt, arbeitet, feiert oder durchhält.
Herkunft verschwindet offenbar nicht einfach. Sie verändert nur ihre Form.
Herkunft ist mehr als ein Ort
Wer über Herkunft spricht, meint oft einen Geburtsort oder eine Landschaft. Aber Herkunft ist viel mehr.
Sie steckt in Familiengeschichten, Werten, Erwartungen, Ängsten, Humor und Gewohnheiten. Vieles davon übernimmt man, ohne es überhaupt zu merken.
Gerade in Familien, die ihre Heimat verlassen haben oder zwischen verschiedenen Regionen und Kulturen leben, bleibt vieles lange im Hintergrund.

Siebenbürgen und Bayern
Meine Familie stammt aus Siebenbürgen. Mein eigenes Leben spielte sich weitgehend in Bayern ab.
Lange waren das für mich einfach zwei Teile meiner Biografie. Erst später wurde mir klar, wie stark sie miteinander verbunden sind.
Was aus Siebenbürgen mitkam, hat mein Leben geprägt. Was Bayern daraus gemacht hat, ebenso.
Manches ist verloren gegangen. Manches wurde verklärt. Manches nervt bis heute. Und manches trägt noch immer.

Warum ich heute darüber schreibe
Ich schreibe gerade an „Bayern, Siebenbürgen und ich“.
Viele Beobachtungen in meinem Umfeld helfen mir herauszufinden, was Herkunft mit einem Menschen macht und was davon Jahrzehnte später noch im eigenen Leben – und weiter und weiter in den folgenden Generationen – auftaucht.
Fast jede Familie kennt solche Spuren: alte Geschichten, neue Orte, Verluste, Neuanfänge und Dinge, die nie ausgesprochen wurden und trotzdem weitergegeben werden.
Was bleibt?
Wichtig ist mir gerade im Umfeld der Siebenbürger Sachsen, die zum großen Teil rund um die Grenzöffnung 1989 ausgewandert sind, die Frage:
Ist Herkunft etwa ein Auftrag?
Hier gibt es weitere Gedanken zu Herkunft und Siebenbürgen:

