Schlagwort: Familie

  • Ausgerechnet DAS wollt ihr von mir wissen?

    Ausgerechnet DAS wollt ihr von mir wissen?

    Es gibt Fragen, auf die bereitet man sich als Mutter vor.

    „Wo kommen die Babys her?“ zum Beispiel.

    Dass dieselben Kinder Jahrzehnte später mit ganz anderen Fragen anrücken, ahnt man.

    Bei unserer Großfamilien-Festwoche hatte ich bewusst einen Abend mit dem Programmpunkt „Freies Fragen an Irmgard“ angekündigt, und ja, ich wollte das, Offenheit praktizieren. Leichen im Keller der Familie? Raus damit! Doch ja, ich war aufgeregt von meinem eigenen Mut.

    Ich saß also da – als Mutter, Oma, Stiefmutter, Schwiegermutter, ehemalige Geschäftsfrau und als Frau – und sie ließen sich nicht lumpen.

    Warum hast du jetzt blaue Haare?, so fing es ganz harmlos an.

    Irmgard Rosina Bauer mit blauen Haaren neben ihrem Mann

    Warum hast du deine vier Kinder taufen lassen?

    Wie wurdest du eigentlich aufgeklärt?

    Warum hast du deinen Bruder nicht eingeladen? (Ja, warum eigentlich nicht? Nach so vielen Jahren … Leichengeruch!)

    Und dann:

    Wenn du heute noch einmal 18 wärst – wie würdest du dein Leben beginnen?

    Spontan zu antworten ist oft das Beste, dachte ich, ohne Vorbereitung und ohne die Möglichkeit, erst einmal drei Nächte darüber zu schlafen.

    Und auf die Frage nach meinem Neustart mit 18 antwortete ich:

    Ich würde Germanistik studieren.

    Schließlich hätte ich dann schon früh das Handwerkszeug gehabt, um mich schriftstellerisch zu betätigen. Vielleicht wäre aus mir viel früher eine berühmte Autorin geworden.

    Klang einleuchtend.

    Bis ich später noch einmal darüber nachdachte.

    Germanistik? Wirklich?

    Heute würde ich die Frage anders beantworten.

    Ich hätte mich wahrscheinlich viel mehr darum bemüht, Sportwissenschaft zu studieren.

    Denn eines war in meinem jungen Leben unübersehbar vorhanden: Ein unbändiger Bewegungsdrang.

    Stillsitzen dagegen? Selten.

    Und ausgerechnet Schriftstellerei besteht zu einem überwiegend großen Teil daraus.

    Sitzen. Denken. Schreiben. Wieder löschen. Noch mehr sitzen. Noch einmal schreiben.

    Dann aufstehen, weil es schon zieht im Rücken.

    Hätte die 18-jährige Irmgard tatsächlich freiwillig stundenlang am Schreibtisch gesessen und Geschichten geschrieben?

    Ich habe da meine Zweifel.

    Vielleicht hätte sie nach drei Seiten beschlossen, dass draußen das Leben stattfindet.

    Und hätte damit sogar recht gehabt.

    Vielleicht muss man erst etwas erleben

    Denn was hätte ich damals eigentlich erzählen sollen?

    Heute liegt eine ziemlich lange Lebensreise hinter mir. Mit Kindern (toll!) und Familie, Arbeit und Unternehmertum, Aufbrüchen und Umwegen, Reisen, Fehlern, Neuanfängen und einigen Erkenntnissen, die vermutlich nur deshalb Erkenntnisse geworden sind, weil vorher etwas gründlich schiefgelaufen war.

    Ich habe erst mit ungefähr 60 Jahren ernsthaft zu schreiben begonnen.

    Ich hätte das als „zu spät“ bezeichnen können.

    Nein, alles richtig gemacht.

    Irmgard Rosina Bauer heute beim Wandern vor einem Gebirgsbach – unterwegs statt noch einmal 18

    Ich musste erst leben, bevor ich über das Leben schreiben konnte.

    Und ich musste mich offenbar erst genügend bewegen, bevor ich freiwillig so viele Stunden auf einem Schreibtischstuhl aushielt.

    Würde ich heute etwas anders machen?

    Natürlich. Es gibt Entscheidungen, die ich heute anders treffen würde.

    Gelegenheiten, die ich eben „schnell mal“ ergreifen würde. Andere, bei denen ich schneller davonlaufen würde.

    Aber alles gehört zu mir.

    Die Germanistikstudentin Irmgard wäre sicher eine gute Literaturwissenschaftlerin geworden.

    Vielleicht wäre die Sportstudentin Irmgard eine glücklichere 25-Jährige gewesen.

    Aber eine glücklichere 70-Jährige? Vielleicht hätte ich mir mehrmals die Rippen gebrochen, die Knie wären schon mehrfach operiert und ich könnte nicht mehr laufen. Nee, ich wollte nicht mehr 18 sein.

    Ich ließ das Leben kommen, und es kam – bis zur Stufe „Autorin“ war alles da.

    70! Feuerwerk anzünden!

  • Wenn schon alle anreisen, können wir auch gleich eine Woche feiern

    Wenn schon alle anreisen, können wir auch gleich eine Woche feiern

    70. Geburtstag.
    20 Jahre Ehe.

    Das kann man vernünftig feiern. Ein Nachmittag, Kaffee, Kuchen, Sekt, Gruppenfoto – fertig.

    Wir haben eine Woche gebraucht.

    Nicht etwa, weil 70 Jahre unmöglich an einem einzigen Tag ausreichend gewürdigt werden können.

    Obwohl mir der Gedanke gefällt.

    Der wahre Grund war wesentlich profaner:

    Meine Gäste brauchen Betten

    Handgeschriebener Essens- und Wochenplan für die gemeinsame 20/70-Festwoche auf der Berghütte

    Unsere Familie hat sich nämlich ausgesprochen großzügig über die Landkarte verteilt.

    Zypern, Schweinfurt, Dresden, München.
    Braunschweig, Hannover, Heidelberg.

    Und eine Freundin kam sogar aus Kiel.

    Die Münchner Wohnung schied damit als Festzentrale aus. Außer wir hätten die Gäste nachts gestapelt.

    Also dachten wir:

    Wenn schon alle weit anreisen und sowieso irgendwo schlafen müssen – warum dann nicht gleich zusammen?

    Gesagt, getan.

    Eine Alm im Salzburger Bergland wurde für eine Woche unser Zuhause.

    20 Jahre Ehe + 70 Jahre Leben = 20/70-Festwoche.

    Mathematik kann so einfach sein.

    30 Menschen essen erstaunlich viel

    Das wurde spätestens beim Einzug deutlich.

    Kisten. Taschen. Brot. Käse. Gemüse. Wein. Bierfässer.

    Und Lebensmittelmengen, bei denen man kurz überlegen konnte, ob wir wirklich Geburtstag feiern oder heimlich einen kleinen Supermarkt eröffnen wollten.

    Zahlreiche Bierfässer für die 20/70-Festwoche auf der Berghütte
    Getränke, Küchenpapier und Vorräte für die 20/70-Festwoche auf der Berghütte
    Viele Wanderschuhe im Eingangsbereich der Berghütte während der 20/70-Festwoche

    Dann passierte etwas Schönes:

    Aus Gästen wurde eine Hausgemeinschaft.

    Es wurde gekocht, geschnippelt, gegessen, gespült, gesucht, gefunden, wieder gesucht – und vermutlich auch einiges nie mehr gefunden.

    Wandergruppe auf einem felsigen Bergweg während der 20/70-Festwoche

    Wer wandern wollte, hatte Berge.

    Wer sitzen wollte, hatte Bänke.

    Wer reden wollte, fand garantiert jemanden.

    Und wer Hunger hatte, musste nur lange genug in Richtung Küche schauen.

    Ein Abend hätte dafür nicht gereicht

    Denn das Schönste waren am Ende gar nicht die geplanten Festmomente.

    Es waren die Stunden dazwischen.

    Morgens gemeinsam Kaffee trinken. Noch schnell irgendwo dazusetzen. Zusammen kochen. Herumstehen. Loswandern. Zurückkommen. Noch ein Glas trinken.

    Und morgens wissen:

    Ach schön. Die anderen sind immer noch da.

    Vielleicht ist das mit 70 sowieso der eigentliche Luxus.

    Ich brauche nicht noch mehr Sachen.

    Aber Menschen, die mir wichtig sind, für ein paar Tage an einem Ort?

    Davon nehme ich gern mehr.

    Und dann fahren alle wieder

    Irgendwann waren die Lebensmittelberge kleiner, die Bierfässer leerer und die Autos wieder gepackt.

    Alle verschwanden zurück in ihre verschiedenen Himmelsrichtungen.

    Und die Alm wurde still.

    70 Jahre Leben gefeiert.
    20 Jahre Ehe auch.

    Und für eine Woche mussten wir nicht überlegen:

    Wann sehen wir uns eigentlich alle mal wieder?

    Wir waren schon da.

    Was für ein Fest!


    Irmgard und Thomas bei ihrer 20/70-Festwoche mit selbst gestaltetem Willkommensplakat
  • Muttertag: Warum Loslassen genauso zur Liebe gehört

    Muttertag: Warum Loslassen genauso zur Liebe gehört

    Die Erlebnisfrau – Leben, Arbeit und Sinn in Bewegung

    Es gibt Tage, die kommen leise daher – und treffen trotzdem mitten ins Herz. Muttertag ist so einer.

    Ein paar Blumen. Vielleicht ein Anruf. Und irgendwo zwischen all dem ein Gefühl, das sich schwer greifen lässt: Nähe. Erinnerung. Und etwas, das man lange nicht benennen wollte: Loslassen.

    Muttertag ist mehr als Gesten

    Früher war Muttertag einfach. Kinderzeichnungen. Gebasteltes. Herzchen aus Papier.

    Man wusste genau, wer man ist: Mutter. Kind. Familie. Alles hatte seinen Platz.

    Heute ist es manchmal leiser. Und ehrlicher.

    Die Kinder sind groß. Die Wege weiter. Die Gespräche anders.

    Und plötzlich merkt man: Liebe verändert sich.

    Was bleibt, wenn sich alles verändert

    Ich habe irgendwann verstanden, dass Muttertag nicht nur zurückschaut. Er fragt auch: Was ist jetzt?

    Was bleibt, wenn die Rollen sich verschieben? Wenn aus Nähe Abstand wird – und aus Fürsorge Vertrauen?

    Vielleicht genau das: Eine andere Form von Nähe.

    Weniger greifbar. Aber nicht weniger stark.

    In diesem Gedicht habe ich diese Nähe gebündelt:

    Muttertag

    Kinderzeichnungen
    Gebasteltes
    Vergebung
    Herzchen
    Blumen
    Liebe

    Und dann
    Loslassen auf beiden Seiten
    (IrmgardRosina)

    (Hier habe ich es auch als Hörfassung: YouTube)

    Loslassen ist kein Verlust

    Das Wort klingt oft schwer. Als würde etwas verloren gehen.

    Aber vielleicht ist Loslassen eher ein Weitergeben. Ein Raum, der größer wird.

    Ein stilles „Ich bin da“ – auch wenn man sich nicht mehr festhält.

    Und manchmal, ganz ehrlich, auch ein kleines Stolpern. Weil man nicht mehr gebraucht wird wie früher.

    Das darf sein.

    Eine Reihe poetischer Lebensmomente können Sie sich hier zum Selbstausdrucken holen.

    Und was bedeutet Muttertag heute?

    Vielleicht genau das:

    Ein Innehalten. Ein Erinnern. Ein kleines Lächeln.

    Und die Erkenntnis, dass Liebe nicht weniger wird – sie wird nur freier.

    Wenn Sie sich solche ruhigen Gedanken öfter schenken möchten:
    Meine Gedankenfunken begleiten Sie dabei.
    Als Mini-Auszeiten für Herz & Kopf.

    Und manches davon begleitet mich auch in meinem Reiseroman „Und sonst nichts“ – und in der Hörfassung.

    Immer geht es um Bewegung. Im Außen. Und im Inneren.

    Und manchmal beginnt alles mit einem einzigen Satz.

    In diesem PDF finden Sie eine Reihe solcher Gedankenfunken, als Mini-Auszeiten für Herz & Kopf.
    Und 6 davon sind hier als warmes begleitendes Audio erhältlich.

  • Der Schwiegermütter Leid

    Der Schwiegermütter Leid

    Auf dem Schwiegermutterstuhl

    Schwiegermutter zu sein, ist nicht immer leicht – das weiß fast jede Frau, die diese Rolle übernimmt. Erwartungen, Missverständnisse und humorvolle Missgeschicke prägen das Bild der „klassischen Schwiegermutter“. In meinem Schwiegermutter Gedicht nehme ich diese Erfahrungen mit einem Augenzwinkern auf. Zwischen Stachelsesseln, Geschenken, Enkelerziehung und alten Klischees entsteht ein poetischer Text, der zeigt: Auch Schwiegertöchter haben ihr Leid. Für sie muss die Schwiegermutter auf den Kroenleinia grusonii – den Goldkugelkaktus.

    Wenn dir diese poetische Auszeit gefällt, lies auch meine weiteren Texte im Blog oder hör dir meine vertonten Gedichte auf YouTube an. Sehr passend auch meine Kurzgeschichte 2/55 auf YouTube: Das Los der Schwiegermütter. Beschrieben aus der Perspektive der Schwiegertochter.

    Titelgrafik zu Rosis 55 Lebensreisegeschichten – Episode 2: Das Los der Schwiegermütter; Frau blickt nachdenklich zur Seite, daneben bunte Reise-Rucksäcke.

    Der Schwiegermütter Leid

    (von Irmgard Rosina Bauer)

    Dies hier ist die Geschichte
    vom Schwiegermutterleid.
    Bist plötzlich nicht mehr dichte.
    Kritik hagelt’s ab heut.

    Man nennt dich nun den Drachen,
    das klingt nicht sehr entspannt!
    Ein Sessel voller Stacheln
    ist gar nach dir benannt!

    Du gibst dir wirklich Mühe,
    du mischst dich auch nicht ein.
    „Koch öfter einmal Brühe!“
    Sollt‘ das Einmischung sein?

    Du machst auch gern Geschenke.
    Auch das ist unbeliebt.
    Deine gesamte Denke
    nur Unmut nach sich zieht.

    Und kommen Enkelkinder,
    vergiss, was du gelernt.
    Was heut’ge Babys brauchten,
    sei weit davon entfernt!

    Im Leben hast du viel geschafft,
    du warst noch nie „die Olle“.
    Nun kostet dich nicht wenig Kraft
    die Schwiegermutterrolle.

    Du willst auch ihr gefallen?
    Dein Ideal noch lebt?
    Bedenk, dass über allem
    Herr Ödipus noch schwebt.
    Porträt von Irmgard Rosina Bauer vor einem großen Kaktus, mit dem Titel ihres Gedichts „Der Schwiegermütter Leid“ aus der Reihe „Rosis freche Reime“.

    Mehr davon?

    Wenn dir „Der Schwiegermütter Leid“ ein Schmunzeln entlockt hat: Solche kleinen Verrücktheiten des Alltags haben inzwischen fünf ganze Bände gefüllt.

    In meinen „Augenzwinkereien“ findest du über 150 Reimgeschichten über Familie, Alltag, Reisen, Natur und das Leben, wie es eben so spielt.

    Zum Selberlesen – oder als ungewöhnliches Geschenk für Menschen, die eigentlich schon alles haben.

    → Augenzwinkereien & digitale Geschenkideen entdecken

    Oder hör dir „Der Schwiegermütter Leid“ als Short auf YouTube an.

    Entdecke mehr humorvolle Alltagsgedichte als Text auf meinem Blog oder als Video auf YouTube.

    📌 Alle meine Playlists auf YouTube kannst du hier entdecken:


    111 humorvolle, kurze Gedichte von Irmgard Rosina für zwischendurch. Freche Reime, die zum Schmunzeln, Lächeln und Weiterdenken einladen – Poesie mit Augenzwinkern.
    Best of Rosis Reime

    Freche Reime für gute Laune:

    Mut & Motivation in 60 Sekunden:

    Poesie zum Abschalten:

    Sonntags-Poesie:

    Reisen in Reimen:

    Quatsch mit Sinn:

    Alltagsgeschichten in Reimen:

    Herz & Liebe Gedichte:

    Gedankenfunken & Tiefgang: