Mit 70 könnte ich es mir eigentlich gemütlich machen.
Ein bisschen zurücklehnen. Weniger anfangen. Weniger zeigen. Weniger wollen.
Nur scheint Petrus dazu eine andere Meinung zu haben.
In meinem Kirchweihgedicht lässt er mich jedenfalls noch nicht rein. Erst soll ich gefälligst mein Talent nutzen, mutiger sichtbar sein und etwas gegen den Kulturverfall tun.
Ein Kirchweihgedicht
Ich stehe vor dem Himmelstor, dahinter lugt Petrus hervor.
„Hast du schon ein Kirchweihgedicht?“ „Ein Kirchweihgedicht? – Nein, hab ich nicht.“
„Dann hast du hier noch nichts zu suchen. Ich kann dich leider nicht einbuchen.
Beweis erst drunten dein Talent, Und nutz es mehr – und vehement!
Denn es braucht Dichter überall. Rett uns vor dem Kulturverfall!
Zeig allen deine Fähigkeit! Glaub nicht, es sei nur Eitelkeit!
Hab Mut zu deinem Anderssein! Dann lass ich dich im Himmel rein.“
Man schenkte eine Vase. Blumen. Einen Schal. Eine Flasche Wein. Vielleicht noch Pralinen, wenn einem gar nichts mehr einfiel.
Heute steht man vor Menschen, die bereits zehn Vasen, zwanzig Schals und vermutlich auch den besseren Wein haben.
🎄 Und was schenkt man so einem Menschen zu Weihnachten?
Gerade zu Weihnachten stellt sich die Frage besonders: Was schenkt man jemandem, der eigentlich nichts mehr braucht? Das passt besonders gut: Etwas Digitales zum Lesen, Hören, Schmunzeln oder Nachdenken, das keinen Platz im Schrank beansprucht.
Aus meinem hübsch geschmückten Weihnachtsbooklet kannst du dir sogar die Gedichte, die dir besonders gefallen, einzeln ausdrucken und zu einem Geschenk hinzufügen.
Ja, das ist der schwierigste Satz überhaupt:
„Ich brauche wirklich nichts.“
Was schenkt man Menschen, die schon alles haben?
Genau diese Frage finde ich inzwischen ziemlich spannend.
Denn „nichts brauchen“ heißt ja nicht unbedingt, dass einem nichts mehr Freude macht.
Vielleicht braucht es nur weniger Dinge.
Keine siebte Kerze. Keine vierzehnte Tasse mit einem Spruch darauf.
Vielleicht darf ein Geschenk stattdessen etwas anderes sein.
Ein gemeinsames Essen.
Ein Ausflug.
Ein Foto, das eine alte Geschichte wieder hervorholt.
Ein Text, bei dem man plötzlich denkt: Genau so ist es.
Oder einer, bei dem man einfach lachen muss.
Das beste Geschenk muss nicht viel Platz brauchen
Je älter ich werde, desto sympathischer wird mir dieser Gedanke.
Was mir Freude macht, muss nicht unbedingt anschließend in einem Regal stehen.
Manches darf einfach einen Moment lang ein Schmunzeln auslösen, einen Gedanken, eine Erinnerung. Vielleicht sogar die Lust, selbst wieder etwas anzufangen.
Fünf digitale Reimgeschichten-Bände der Augenzwinkereien-Reihe von Irmgard Rosina Bauer – humorvolle Geschenkideen zum Lesen, Schmunzeln und Verschenken.
Das ist für mich inzwischen eine ziemlich schöne Form von Geschenk: etwas, das nicht noch mehr Besitz produziert, sondern etwas im Menschen in Bewegung bringt.
Und digitale Geschenke?
Ich gebe zu: Früher hätte ich bei einem digitalen Geschenk vermutlich zuerst an einen eher lieblosen Gutschein gedacht.
Heute sehe ich das anders.
Ein digitales Geschenk kann ausgesprochen persönlich sein. Eine Geschichte. Ein Hörtext. Ein kleines Buch. Ein Gedanke für zwölf Monate. Etwas zum Lesen am Sonntagmorgen oder zum Anhören, wenn gerade niemand etwas von einem will.
Und es hat noch einen Vorteil, den man spätestens am 23. Dezember zu würdigen weiß:
Es muss nicht mehr mit der Post kommen.
Kein Paket verfolgen.
Kein „Zustellung leider nicht möglich“.
Kein hektischer Sprint durch die Innenstadt auf der Suche nach irgendetwas, das noch halbwegs nach guter Idee aussieht.
Ein bisschen Schmunzeln kann man fast immer gebrauchen
Vielleicht mag ich deshalb meine Reimgeschichten als Geschenkidee so gern.
Sie lösen keine großen Probleme. Sie erklären nicht die Welt. Und sie behaupten auch nicht, dass nach drei Seiten plötzlich alles leichter wird.
Aber vielleicht entdeckt man darin einen Sonntag, einen Waldweg, eine Reise, eine Marotte oder eine kleine Verrücktheit des Alltags wieder.
Und manchmal reicht ja genau das: Ein paar Minuten Pause mit einem Lächeln darin.
Und danach geht das eigene Leben wieder weiter.
Geschenke dürfen leicht sein
Ich habe deshalb meine digitalen Geschenkideen inzwischen einmal an einem Ort gesammelt.
Nicht nur Reimgeschichten, sondern auch Gedankenfunken, kleine Auszeiten, den Lebenskompass und einige etwas eigenwilligere Fundstücke.
Für Menschen, die schon alles haben.
Außer vielleicht genug zum Schmunzeln, Nachdenken oder Losziehen.
Und Lebensmittelmengen, bei denen man kurz überlegen konnte, ob wir wirklich Geburtstag feiern oder heimlich einen kleinen Supermarkt eröffnen wollten.
Dann passierte etwas Schönes:
Aus Gästen wurde eine Hausgemeinschaft.
Es wurde gekocht, geschnippelt, gegessen, gespült, gesucht, gefunden, wieder gesucht – und vermutlich auch einiges nie mehr gefunden.
Wer wandern wollte, hatte Berge.
Wer sitzen wollte, hatte Bänke.
Wer reden wollte, fand garantiert jemanden.
Und wer Hunger hatte, musste nur lange genug in Richtung Küche schauen.
Ein Abend hätte dafür nicht gereicht
Denn das Schönste waren am Ende gar nicht die geplanten Festmomente.
Es waren die Stunden dazwischen.
Morgens gemeinsam Kaffee trinken. Noch schnell irgendwo dazusetzen. Zusammen kochen. Herumstehen. Loswandern. Zurückkommen. Noch ein Glas trinken.
Und morgens wissen:
Ach schön. Die anderen sind immer noch da.
Vielleicht ist das mit 70 sowieso der eigentliche Luxus.
Ich brauche nicht noch mehr Sachen.
Aber Menschen, die mir wichtig sind, für ein paar Tage an einem Ort?
Davon nehme ich gern mehr.
Und dann fahren alle wieder
Irgendwann waren die Lebensmittelberge kleiner, die Bierfässer leerer und die Autos wieder gepackt.
Alle verschwanden zurück in ihre verschiedenen Himmelsrichtungen.
Der Welttag der Poesie am 21. März erinnert daran, wie kraftvoll Sprache sein kann – leise, verspielt, persönlich und manchmal überraschend ehrlich.
Vielleicht kennst du das: Ein Satz, ein Reim, ein alter Eintrag – und plötzlich ist etwas wieder da. Ein Gefühl. Eine Erinnerung. Ein Stück Leben.
Gedichte müssen dabei nicht groß oder bedeutungsschwer sein. Oft sind es gerade die kleinen, spontanen Zeilen, die bleiben – weil sie mitten aus dem Alltag kommen.
Warum Poesie heute wieder näher rückt
In einer schnellen, digitalen Welt wächst die Sehnsucht nach kurzen, echten Momenten. Poesie erfüllt genau das: Sie verdichtet Gedanken, bringt Humor und Ernst zusammen und lässt Raum für eigene Bilder.
Gerade deshalb entdecken viele Menschen Gedichte neu – nicht als Schulstoff, sondern als Begleiter im Alltag.
📖 Das Gedicht zum Welttag der Poesie
Das Poesiealbum
Wenn »Welttag« ist »der Poesie«, und ich nicht weiß gerade, wie ein Gedicht zu schreiben wär, damit ich auffing’ dieses Flair –
hol das Poesiealbum ich raus, von dem ich weiß, ’s ist noch im Haus und zeugt von längst vergang’nen Zeiten mit bunten, doch vergilbten Seiten.
Es wird Von Eichendorff zitiert, und auch Herr Goethe sich nicht ziert. Doch reißt mich mit, wie ’ne Lawine, der Eintrag von der Schmidt Sabine:
So viele Flöhe unser Hund, So viele Jahre bleib gesund! Solltest du mich mal vergessen, Soll dich gleich der Wauwau fressen!
Aus solchen Texten entstehen bei mir kleine Sammlungen, Gedichtkarten und Audioimpulse – für stille Momente oder zum Schmunzeln zwischendurch.
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