Die Tonkugel

    „Willst du sie mitnehmen?“, hatte ich meine Tochter schon gefragt, nachdem sie, Lisa, bereits gefühlte zehn Mal in ihrem Leben umgezogen war.

    Während der letzten Jahre haben sich in der unteren Hälfte der teilbaren Tonkugel bei mir einzelne Duftkerzen angesiedelt, Reste aus verschiedenen Packungen des Jahres. Die obere Hälfte diente als Deckel. Der Knauf sollte wohl einen Stiel mit Blatt darstellen und alles zusammen einen Apfel. Unten war er nachtgrau glasiert, oben königsblau.

    „Nee, ich will sie nicht haben“, hat meine Tochter reagiert. „Die hab ich sowieso nicht alleine gemacht. Die Lachermeier, die blöde Kuh, hat mir beim Formen die Hand gehalten. Ich sollte es exakt so machen, wie sie das wollte. Kein bisschen Eigeninitiative hat sie zugelassen! Ich hoffe, meine Kinder kriegen nicht so unfähige Lehrer in der Grundschule wie ich!“

    Meine Duftkerzen hätte ich auch in einer leeren Streichholzschachtel aufheben können, doch die Kugel, sie war mir ans Herz gewachsen. In ihr steckte die Kindheit meiner Tochter. Samt Lachermeier.

    Heute habe ich das Ding vorsichtig in den Restmüll gelegt. Meine Tochter ist achtunddreißig.

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