Über Sand, der zwischen den Fingern zerrinnt

Wenn wir nicht aufpassen, ist unser Leben ein einziger Durchlauf. Wir kennen das Bild vom Strand am Meer oder aus dem Sandkasten der Kinder an trockenen Tagen: Der Sand in der Hand rinnt zwischen den Fingern durch, und wir können es nicht verhindern, dass kaum etwas davon in der Hand bleibt.

Wir haben unsere jugendlichen Ideale in unser Erwachsenenleben mitgenommen, stehen nun mittendrin, haben Job, Partner und Kinder – alles gut, so wollten wir es ja auch. Und dann bemerken wir plötzlich eine unterschwellige Unzufriedenheit. Aber warum nur, ist doch alles prima gelaufen?

Vielleicht haben wir ein Haus gebaut und dafür einen Kredit aufgenommen, vielleicht haben wir inzwischen mehrere Kinder, vielleicht fordert der Job viel Zeit von uns, weil wir Karriere gemacht haben, und vielleicht kostet die Auseinandersetzung mit den Werten des Partners, neben all dem Schönen, auch einige Energie.

Haben wir uns für die Umorientierung Zeit genommen?

Erst unterschwellig und unbemerkt, dann immer stärker werdend, bis sie in unser Bewusstsein kommt, bahnt sich diese Frage den Weg in die Unzufriedenheit: „Und wo bleib ich?“ Plötzlich sind wir zum Opfer unserer selbst gewählten Lebensumstände geworden und bemerken, dass unser Leben wie Sand zwischen unseren Fingern zerrinnt, wenn wir nicht die Bremse einlegen.

Jetzt heißt es, innezuhalten, zurückzublicken auf die Ideale der Jugend. Was wollte ich denn damals, welche Werte hatte ich? Sind sie mir noch so wichtig, dass ich auf ihnen bestehe, oder habe ich mit Job, Partner und Kindern neue Werte in mein Leben hereingenommen – und wie heißen meine Werte jetzt? Diesen Unterschied wahrzunehmen und für sich neu zu klären ergibt als Basis einen starken, harten Felsen, auf dem wir weitere Jahrzehnte aufbauen können.

Doch das braucht: Zeit. Mit sich selbst. Hinschauen. Auch vor sich zugeben, dass nicht alles ideal gelaufen ist. Sich auseinandersetzen mit neuem Gedankengut. Andere Leben beobachten. Filme über andere Menschen gucken. Bücher lesen. Gespräche suchen. Vielleicht Hilfe von außen holen. Und dann: neue Ziele formulieren mit Job, Partner, Kindern. Sich Zeit nehmen, seine Bedürfnisse zu erkennen!

An dieser Stelle darf gerne viel Sand zwischen den Fingern zerrinnen, weil dieses Bild uns Muße vermittelt und unsere Sinne anregt, die uns schließlich darin unterstützen, glücklich zu sein.

Eine Sanduhr, ja, einfach mal einer Sanduhr zusehen.

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