Über die Abhängigkeit der Mütter

Raus aus dem goldenen Käfig, direkt auf den Kutschbock der goldenen Kutsche springen und die Zügel führen – das ist die Aussage der obigen Grafik.

Doch das Thema ist nicht so einfach, wie es die Illustration meinen lässt.

Meine Beobachtung ist, dass sich viele, sehr viele Frauen mehr oder weniger unfreiwillig gut in einem goldenen Käfig eingerichtet haben. Er wird mitbewohnt von

  • den Kindern:
    Als Mutter will man sowieso immer, dass es den Kindern gut geht. Und tut alles für sie.
  • dem Partner:
    Um seine Liebe zu erhalten, tun wir (fast) alles.
  • dem Job:
    Der Job sichert schließlich unser Alltagsleben, vielleicht sogar unseren Wohlstand. Und gibt uns im Idealfall Bestätigung, Selbstwirksamkeit, Erfüllung.

Isabel Allende schreibt in ihrem neuen Buch „Was wir Frauen wollen“: Frauen wollen Liebe, Respekt und vor allem auch Kontrolle über ihr Leben und ihren Körper, und sie wollen Unabhängigkeit. In diesen Hinsichten aber gibt es noch sehr viel zu tun, sagt Isabel Allende. Und ich auch.

Wir Frauen haben heute viel Kontrolle über unser eigenes Leben und unseren Körper – doch sobald aus Frauen Mütter werden,  wird es knapp mit der Unabhängigkeit. Die Kinder, der Partner, der Job – sie zehren an unseren Kräften. Das Einfachste ist dann, an uns selbst zu „sparen“, heißt, unser Selbst zu vernachlässigen, sich nicht auch darum noch kümmern müssen!

Ja, das ist verständlich, wenn man 35, 40, 45 ist, mitten im Feuerwerk des Lebens steht, wir versprühen unsere Energie in allen Aufgaben.

Und wo bleib ich? Manchmal reicht die Energie nicht mal mehr für diese Frage. Funktionieren, funktionieren, funktionieren. Und habe ich alles super organisiert, wird plötzlich das Kind krank. Immer noch sind es nachweislich vorwiegend die Mütter, die sich darum kümmern, dass das kranke Kind betreut wird oder die den Arbeitgeber anrufen: Ich bleibe heute zu Hause, mein Kind ist krank.

Und wo bleib ich?

Weil wir uns bei aller Care-Arbeit in der Familie nicht um unsere eigenen Bedürfnisse kümmern, sind wir nicht vollständig in unserer Kraft – und sitzen nicht auf dem Kutschbock einer goldenen Kutsche. Das Ziel, darauf zu sitzen und die Zügel unseres Lebens selbst zu führen wäre Motivation, aus dem goldenen Käfig auszubrechen.

Es ist dieses Stück „Bequemlichkeit“ uns selbst gegenüber, das uns in einen goldenen Käfig bringt. Der Partner verdient mehr als die Frau, und schon gestehen wir ihm zu, dass er auch mehr arbeiten darf (was ihm viel lieber ist, als beim Kind daheim zu bleiben). Mit seinem Geld können wir unseren Tagesfrust beim Shoppen ablassen; können tolle Sachen für die Kinder kaufen, sodass sie weniger rummaulen; haben uns den schönsten Kinderwagen der Welt geleistet und das tolle Lastenfahrrad für zig-tausend Euro; und fahren mit seinem BMW der Upper Class herum, was uns anerkennende Blicke der Nachbarn genießen lässt.

Das alles ist schön, auch ein goldener Käfig ist ja schön. Schön golden.

Wenn wir aber auch noch das schöne Gefühl der Unabhängigkeit in unser Leben bringen wollen, geht das nicht anders als durch Verzicht – auf Shoppen hie und da, auf die Anerkennung nach außen durch die neueste Mode oder Auto, auf das neueste Spielzeug für mehrere hundert Euro.

Echte Unabhängigkeit erlangen wir durch eigenes Geld. Richtig eigenes Geld. Ausgehandelt als solches. Meins. Vom Chef oder vom Partner oder vom Staat, an uns Mütter verteilt. Das wir ausgeben können, wie wir selbst es wollen, ohne es absprechen zu müssen, ohne die Geldausgabe verteidigen zu müssen. So wie es Frauen tun können, die nicht Mütter sind.

Dann haben wir den Sprung aus dem goldenen Käfig auf den Kutschbock der goldenen Kutsche geschafft.

Nehmen wir die Zügel über unser Leben in die Hand! Springen wir auf den Kutschbock der goldenen Kutsche und schnappen uns die Leitung! Wir Mütter! Geben wir den Vätern, unseren Partnern, die Gelegenheit, sich im Job mehr zurück- und in der Familie mehr einzubringen. Es winken goldene Zeiten!

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