Über den Absolutismus des Algorithmus

Ich bin seit einiger Zeit auf Instagram dabei. Habe gelernt, auf Schritt und Tritt Fotos zu schießen. Meine Mit-Instagrammer zu beobachten: Was macht man denn so auf Insta? Und ich fragte mich auch oft: Warum um alles in der Welt braucht es diese ganze Selbstdarstellung. Doch ohne soziale Medien geht heute nichts mehr, habe ich mir sagen lassen.

O ja, ich habe mich verbogen. Habe viel zu oft nachgeschaut, ob ich denn schon ein Like mehr als gerade eben habe. Habe stellenweise hektisch in meinen Alltag hineingedrückt: Jetzt musst du aber mal wieder was posten. Mal hatte ich den Text fertig und kein Foto. Mal ein Foto, und kein guter Text wollte mir dazu einfallen. Mich auch noch in ein Redaktionssystem einarbeiten und Posts vorfertigen? Wozu das alles? Es schien mir stellenweise unehrlich, Hauptsache ein neuer Post, egal was.

Das Foto anbei zeigt mich im Schloss Nymphenburg. Und ganz bewusst stelle ich eine Verbindung her zur höfischen Zeit dieses prunkvollen Schlosses aus dem Jahrhundert des Absolutismus.

Es war gebaut zur Selbstdarstellung des Herrschers. Zur Repräsentation. Der Adel sollte in den prachtvollen Räumen parlieren und charmieren, sollte in dem stilvoll angelegten Park lustwandeln.

Ein wenig wurde auch Politik betrieben. Doch war nicht alles Politik? Die Politik des Absolutismus? Ich bin der Herrscher, ihr seid nichts.

Instagram ist der neue Herrscher über uns. Wir verbiegen uns für die Gunst seines Algorithmus, tun alles dafür, um seinen Absolutheitsanspruch zu befriedigen – und posten genau das, was der Algorithmus belohnt. Nun ja, jedenfalls viel zu oft. Zwischendurch mal wieder darüber nachzudenken, warum und ob und ob nicht – das können wir selber tun, auch ohne den Einfluss des Algorithmus.

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