Über das Nasenbohren

Man kann darüber geteilter Meinung sein. In unserem Kulturkreis gilt es als unschicklich, unästhetisch, rüpelhaft. Obwohl jeder das unangenehme Gefühl kennt, wenn die Nase zu trocken ist und man genau weiß, mit etwas Nasenbohren könnte man … wo kann ich mich nur hinbegeben und den Popel ungesehen entfernen? Und wo ihn ablegen?

Öffentlich in der Nase bohren jedoch darf meine vierjährige Enkeltochter. Ich biete ihr dann ein Papiertaschentuch an. Wenn ich mit ihr alleine bin, erkläre ich ihr, dass dieses Tun mal für kurze Zeit in Ordnung sei, aber nicht in hingebungsvoller Art über eine Minute hinausgehend. Vor meiner Tochter, ihrer Mutter, darf ich das nicht. „Ich will meine Kinder nicht reglementieren, so wie du das mit uns getan hast, Mama“, sagt sie. Meine erwachsenen Kinder bohren nicht in der Nase, aber anscheinend, höre ich heraus, haben sie vom Nichtbohrendürfen größeren psychischen Schaden genommen.

Wie viel Nasenbohren ist erlaubt? Nein, ich frage mich eigentlich: Wie viel Regelkonformitätserziehung ist Sache des Elternhauses und wie viel wird dem Kind von außen, zum Beispiel im Kindergarten, in der Schule, durch Ablehnungskundtun anderer Menschen, beigebracht?  Und ist es förderlicher fürs Kind, wenn es quasi vom Leben erzogen wird anstatt vom Elternhaus? Man kann auch darüber viel diskutieren, und es wurde und wird auch getan. Abgesehen von der medizinischen Einordnung einer möglichen Rhinitis sicca. Ich hatte ich mich jedenfalls zu meiner Zeit für die Erziehung zum Nichtpopeln entschieden.

Anscheinend beschäftigt das Nasenthema, ob so oder so, die Menschheit weltweit. Denn sonst gäbe es wohl nicht jedes Jahr am 23. April den Internationalen Tag des Nasenbohrens.

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