Über Diskriminierung

Das Thema Diskriminierung wird in vielen Firmen unserer globalisierten Welt bereits in der Vision ausgeklammert. Man begünstigt Diversität. Meist sehen wir uns dann recht großzügig in unserem Denken: Aber natürlich sollen Menschen aus anderen Teilen der Welt mit uns zusammenarbeiten. Das bereichert unser Denken durch Vielfalt.

Sind wir aber genauso tolerant, wenn es um die Sinne geht? Ein durch eine Kinderkrankheit entstelltes Gesicht, nehmen wir es wertfrei hin? Übersehen wir das Hinken eines Kollegen, weil im fremden Land ungleich lange Beine nicht sofort im Babyalter korrigiert werden? Lieben wir wirklich die Kleidung, die nicht unserem Modestandard entspricht?

Eine Zeitlang wohnte ein indischer Student auf unserer Etage. Immer wenn ich Besuch bekam, rümpfte man die Nase: Puh, kannst du ihn nicht mal auf seinen Geruch ansprechen? Das ist ja unerträglich!

Ich hatte bei Dinesh jeden Morgen die Dusche rauschen gehört. Das war es also nicht, sondern eher seine Vorlieben beim Kochen, was seinen Körpergeruch beeinflusste.

Steckt nicht schon in solchem Naserümpfen ein Stück Ablehnung unserer gerühmten Großzügigkeit fremden Kulturen gegenüber? Ein Rest Rassismus gar? Wo fängt er an? Wie schwer oder leicht fällt uns Diversität wirklich?

Dinesh grüßte immer äußerst freundlich, und seine Höflichkeit und Hilfsbereitschaft mir älterer Frau gegenüber empfand ich als sehr angenehm.

Seinen Geruch jedoch fand ich ebenfalls grenzwertig. Ich habe mich mit Räucherstäbchen dagegen gewappnet, doch die mag ich auch nicht sonderlich gern. Fällt das schon unter Diskriminierung?

Am 1. März findet jedes Jahr der von den Vereinten Nationen ausgerufene „Null-Diskriminierungs-Tag“ statt.
Null ist gleich null, oder doch nicht?

2 Comments
  1. Thomas Röhlen

    Auch „Nicht-Riecher“ hinterlassen einen Geruch; fällt nur nicht so auf.

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