Über Erlebniseinkauf zu Corona

Ich gehe nicht gerne einkaufen. Mein Mann Peter schon. Als Rentner nutzt er Einkaufen als die Gelegenheit, mal raus zu kommen; er erledigt meine Listen immer lückenlos. Heute aber trieb mich der Erlebnishunger: Ich wollte mal leere Regale sehen. Mehl: ausverkauft. Nudeln: ausverkauft. Klopapier: ausverkauft. Stimmt das, was sie alle sagen?
Ich gehe durch unbelebte Straßen, keine Mütter mit Kinderwägen unterwegs, keine älteren Menschen kommen mir um diese helle Mittagszeit entgegen, keine Männer stehen vor dem Wettbüro, denn auch das ist geschlossen. Die letzten Tage war ich ohnehin mit Schreiben beschäftigt gewesen und hatte die Wohnung nur zum Joggen und immer nur in Richtung Pasinger Stadtpark verlassen. Nun überkommt mich die Realität auch außerhalb der Nachrichten im Fernsehen. Bewusst hatte ich sie täglich nur einmal am Abend eingeschaltet, mich weggeklickt von der Google-Überschwemmung: Corona, nichts als Corona, ich wollte mir eine Nische der Angstfreiheit erhalten – was sollte ich denn auch tun, außer mich an die empfohlenen Verhaltensregeln zu halten?


Die Regale des Supermarkts sind gut gefüllt. Vielleicht sind die Mehl- und Nudellücken bereits mit alternativen Waren überstellt worden. Doch dann: Über sieben Regalmeter gähnende Leere. Mir schießt plötzlich die Frage in den Kopf: Haben wir zu Hause wirklich genug Klopapier? Eigentlich wollte ich hier ja nur meine Flüssigseife nachkaufen, doch hatten schon viele vor mir dasselbe Anliegen gehabt. Da lagen noch vereinzelte Stücke Seife mit beschädigter Verpackung. Zufrieden und dankbar trug ich ein solches Exemplar zur Kasse. Musste die 1,85 mit Karte bezahlen. War ich nicht sogar Risikogruppe? Meine Schritte auf dem Heimweg waren etwas schneller als sonst.

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