Über Tischerücken und Kernkompetenzen

In unserem Büro saßen bisher Elisa, Max und ich, und eine sehr nette vierte Kollegin, die bisher in einem Raum im anderen Flur arbeitete, sollte bei uns einen Platz finden.

Elisa und ich hatten bereits das große Möbellager aufgesucht, hatten dort niedrige und hohe und breite und schmale Schränkchen in Augenschein genommen, allerlei Stühle begutachtet, die große Auswahl an dreieckigen, trapezförmigen, quadratischen, rechteckigen Tischen bewundert und dann ausgewählt und zur Lieferung bestellt, was wir für passend hielten. Mit wichtigem Gesicht fuchtelten wir mit dem Meterstab herum und brachten zusammen mit Max die genommenen Maße in ein extra dafür heruntergeladenes Programm ein. Schoben auf dem Bildschirm Tische hin und her, befanden die Stühle für zu klobig, probierten das Schränkchen mal links und mal rechts und mal vorne und mal hinten, sodass es passte. Manch wichtige Arbeit mussten wir dafür verschieben, über mehrere Tage, und als die Uhr den Termin anzeigte, wo die Möbel kommen sollten, waren wir immer noch mitten in der Planung.

Die Möbeltransporteure standen mit ihren Transportwägen bereits vor der Tür und scharrten mit den Hufen, als jede und jeder von uns immer noch den Zollstock in der Hand und hin an den Bildschirm hielt und diskutierte.

Nur zehn Minuten warteten die Möbelleute und schauten uns zu, dann luden sie ihre Tische ab und sagten:

Wir probieren das einfach mal aus.

Tische und Schränke standen innerhalb von wenigen Minuten ideal an Ort und Stelle. Unsere ausgeklügelte Planung war ihnen gleichgültig, und das gab uns zu denken. Sie hatten ihre Kernkompetenz eingebracht, wir nicht. Das uralte Sprichwort “Schuster, bleib bei deinen Leisten!” beschäftigte Elisa, Max und mich noch über die Mittagspause hinaus.  

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