Über Schuldgeben, Rechtfertigen und Jammern

In der Schule schon gab’s blöde Lehrer,
darum bist du nur „Straßenkehrer“.
Die Eltern brachten dich an der Verzweiflung Rand!
Und dein Chef ist schuld an deinem miesen Kontostand.

Du könntest längst schon ein Stern am Himmel sein,
doch bleibt dir ja nichts mehr übrig als ein
              Schuldgeben, Rechtfertigen und Jammern.

Manchmal stehst du inmitten von Leuten,
die dir eigentlich nicht viel bedeuten.
Sie schimpfen über Sozialwesen, Geld und Politik –
Und du mischst dich ein: Auch Helmut Kohl war zu dick!

Du könntest längst schon ein Stern am Himmel sein,
doch sie zieh‘n dich da buchstäblich mit rein, in
              Schuldgeben, Rechtfertigen und Jammern.

Du willigst in das Glück deines Lebens ein,
doch bald schon holt dich dein Alltag ein.
Partner, Kinder, Auto, Cholesterin –
in allem steckt nur Unglück drin.

Immer wollt‘st du ein Stern am Himmel sein.
Jetzt kann gar nichts mehr übrig sein, außer
              Schuldgeben, Rechtfertigen und Jammern.

Die Spirale, die sich scheinbar nach oben dreht,
deren Spitze aber doch immer am Boden steht:
Lös dich von unten, schwing deine Machete!
Dann kannst du abgeh‘n wie eine Rakete.

Du könntest längst schon ein Stern am Himmel sein.
Das, was dich abhält, ist allein:
              Schuldgeben, Rechtfertigen und Jammern.

Willst du ein Stern am Himmel sein,
dann lass dich einfach nicht mehr drauf ein:
              Auf Schuldgeben, Rechtfertigen und Jammern.

(aus: Irmgard Rosina Bauer, Ich bin dann mal schön wild. Erscheint Ende 2019)

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